Die Feuerwehr am Mittwochabend im Einsatz, links im Bild ist das Auto zu erkennen. Foto: Jannik Nölke

Die Feuerwehr war am späten Mittwochabend zwischen den Albstädter Stadtteilen Truchtelfingen und Ebingen im Einsatz. Zu Fuß, mitten in einem Waldstück.

Ein spektakulärer Einsatz mitten im Wald hat die Feuerwehr am Dienstagabend gefordert. Gegen 21 Uhr wurden die Einsatzkräfte zur Asyl- und Obdachlosenunterkunft in der Truchtelfinger Straße alarmiert. Doch der eigentliche Einsatzort lag deutlich abseits: Ein Spaziergänger erwartete Feuerwehr und Polizei in einer Kurve unterhalb des Gebäudes – mit einer ungewöhnlichen Meldung.

 

Rund einen Kilometer entfernt, auf einem schmalen Waldweg in Richtung Ebingen, sei ein Auto die Böschung hinabgerutscht und drohe abzustürzen.

Schnell wurde klar: Mit den üblichen Einsatzfahrzeugen war die Stelle nicht erreichbar. Die Feuerwehr reagierte umgehend und löste einen Zugalarm aus. Rund 20 Einsatzkräfte rückten an – ausgerüstet mit Rüstwagen und Spezialgerät. Da die Fahrzeuge nicht weiterkamen, verluden die Feuerwehrleute ihre Ausrüstung auf den Rücken und auf ein geländegängiges Mule-Fahrzeug – und machten sich zu Fuß auf den Weg durch den nächtlichen Wald.

Fahrzeug umgekippt und abgerutscht

Auf Höhe des Stadions bestätigte sich die Lage: Neben dem schmalen Feldweg lag ein Fahrzeug, das offenbar seitlich abgerutscht und umgekippt war. Nur Büsche und Bäume verhinderten, dass der Wagen weiter in die Tiefe stürzte. Ohne diesen natürlichen Halt wäre das Auto vermutlich aus dem Wald direkt auf die Truchtelfinger Straße gerutscht.

Der Ebinger Kommandant Thomas Danhamer erläuterte vor Ort das Vorgehen: „Wir sichern das Fahrzeug mit zwei Seilzügen und ziehen es anschließend zurück auf den Weg.“

Eine Herausforderung: Schwere Technik wie die Seilwinde des Rüstwagens konnte nicht eingesetzt werden. Stattdessen war reine Muskelkraft gefragt. Zunächst entfernten die Einsatzkräfte Sträucher und Äste, um Platz für die Bergung zu schaffen. Anschließend wurden – unter erschwerten Bedingungen im verschneiten Gelände – zwei Seilzüge an Bäumen befestigt. Zusammen halten diese laut Danhamer rund neun Tonnen Zugkraft aus.

Auto aus Landkreis Ravensburg

Mit vereinten Kräften gelang schließlich die Bergung: Das Fahrzeug wurde zurück auf den Waldweg gezogen. Dabei wurde auch das Kennzeichen sichtbar – der Wagen stammt aus dem Landkreis Ravensburg.

Fahrbereit war das Auto jedoch nicht mehr. Die Feuerwehr klemmte vorsorglich die Batterie ab. Ein Abtransport gestaltete sich zunächst als unmöglich: Das Lenkradschloss war eingerastet, ein Schlüssel nicht auffindbar. Vom Fahrer fehlte jede Spur.

Nach ersten Erkenntnissen vor Ort soll der Fahrzeughalter den Wagen verliehen haben – allerdings ohne zu wissen, an wen. Die Polizei durchsuchte daraufhin das Fahrzeug nach Hinweisen auf den Fahrer.

Abschleppen gestaltet sich schwierig

Ob dieser sich noch in der Nacht meldete, blieb zunächst unklar. Sicher ist jedoch: Das Fahrzeug blieb vorerst an Ort und Stelle. Auch die Bergung dürfte sich schwierig gestalten, da ein klassischer Abschleppwagen den abgelegenen Einsatzort kaum erreichen kann. Vermutlich wird ein geländegängiges Fahrzeug benötigt.

Im Einsatz war die Freiwillige Feuerwehr Albstadt, Abteilung Ebingen, mit rund 20 Kräften sowie die Polizei mit vier Beamten.

Am Donnerstagmorgen teilte Polizeisprecher Christian Wörner vom Polizeipräsidium Reutlingen mit: Der Fahrer konnte noch nicht ermittelt werden. Ihn erwartet aber eine Anzeige wegen Verkehrsunfallflucht. Auch wenn lediglich Bäume und Sträucher beschädigt wurden, handelt es sich rechtlich um Fahrerflucht.