Auch wenn der FC Holzhausen als Außenseiter in das Duell mit den Stuttgarter Kickers geht, könnten die Vorzeichen für den ersten Finaleinzug der Vereinsgeschichte schlechter stehen.
FC Holzhausen – Stuttgarter Kickers (Mittwoch, 17.30 Uhr). Dass das Duell mit den Stuttgarter Kickers im Halbfinale des WFV-Pokals für alle Beteiligten in den Reihen des FC Holzhausen ein ganz besonderes Spiel ist, verwundert niemanden. Allein das Erreichen des zweiten Halbfinales in Folge ist für den Klub ein großer Erfolg. Doch nun soll natürlich das gelingen, was dem Verbandsligisten vor fast genau einem Jahr beim 2:4 nach Verlängerung gegen die SG Sonnenhof Großaspach verwehrt blieb: die erste Finalteilnahme der Vereinsgeschichte.
„Nichts zu verlieren“
Dass man sich beim Streben nach diesem Traum gegen die Traditionsmannschaft aus Stuttgart-Degerloch in der Rolle des Außenseiters wiederfindet, ist ein offenes Geheimnis. Dennoch stellt Holzhausens Cheftrainer Daniel Seemann im Vorfeld der Partie klar: „Wir gehen die Aufgabe mit breiter Brust und haben nichts zu verlieren.“ Der 34-Jährige ergänzt aber: „Uns ist bewusst, dass so ziemlich alles passen muss. Wir müssen in der Offensive effektiv sein und die wenigen Chancen, die wir bekommen, dann auch nutzen. Und hinten brauchen wir einen richtig guten Tag vom Keeper und den Verteidigern – und sicherlich auch hin und wieder mal ein bisschen Glück.“
Turbulente Tage bei den Kickers
Außerdem macht auch der Blick auf die aktuelle Situation bei den Kickers etwas Hoffnung. „Wir erwischen sie wahrscheinlich in einer aus unserer Sicht ganz guten Phase“, meint auch Seemann. Die Stuttgarter hinken in dieser Saison den eigenen Erwartungen hinterher. Das führte in dieser Woche dazu, dass Cheftrainer Marco Wildersinn nach der 1:3-Niederlage gegen den als Absteiger feststehenden TSV Schott Mainz seinen Posten an der Seitenlinie vorzeitig räumen musste. Die ohnehin für den Sommer geplante Trennung von dem 45-Jährigen wurde damit vorgezogen. Nachfolger auf dem Trainerstuhl ist vorerst Kerem Arslan, der unter anderem schon als Co-Trainer von Murat Isik bei der TSG Balingen unter Vertrag stand.
Vor- oder Nachteil?
Ob das plötzliche Beben beim Gegner ein Vorteil für den FC Holzhausen sein könnte? Daniel Seemann ist sich da nicht so sicher: „Ich habe das als Spieler miterlebt, dass nach einem Trainerwechsel die Sinne auch mal geschärft sein können. Das war sicherlich auch die Idee der Kickers.“ Unabhängig davon ist der 34-Jährige jedoch überzeugt davon, „dass wir uns auf unser Spiel und unsere Stärken konzentrieren müssen“. Der Abgang seines Stuttgarter Kollegen habe in der Vorbereitung seines Teams auf den Pokalknaller „keinerlei Rolle gespielt“, wie Seemann verrät.
Fokus auf die Defensive
Stattdessen wolle man sich einmal mehr auf das besinnen, was den FCH in der laufenden Saison auszeichnet: die Arbeit gegen den Ball. Selbst nach der 2:3-Niederlage im Spitzenspiel gegen die Young Boys Reutlingen stehen in der Verbandsliga nur 21 Gegentore in 26 Spielen zu Buche. Im Pokal sind es bis dato drei Gegentreffer in fünf Partien. Auch wenn die Vermutung naheliegt, dass die Gastgeber gegen den großen Favoriten weitestgehend in einem tiefen Defensivblock agieren werden, möchten sich Seemann und sein Trainerstab nicht zu sehr auf diese Taktik verlassen: „Wir müssen einen guten Mix finden, auch immer wieder mal Angriffspressing einstreuen. Das wird wichtig sein, um die Kickers aus ihrem Rhythmus zu bringen“, so der 34-Jährige.
In vollen Zügen genießen
Selbst wenn es dem Underdog gelingt, seinen defensiven Plan perfekt umzusetzen, muss „so ziemlich alles passen“, wie Seemann es bereits formulierte. „Darüber, dass die Kickers eine unglaubliche individuelle Qualität haben, brauchen wir uns nicht unterhalten“, so der FCH-Coach. Dennoch ist der Wille da und die Brust breit. Vor allem wünscht sich Seemann aber: „Wir müssen dieses Spiel in vollen Zügen genießen!“
Und wer weiß? Ein weiterer Coup scheint im Bereich des Möglichen zu sein. Die Holzhausener haben bereits im Achtelfinale gegen die TSG Balingen und im Viertelfinale gegen den Oberligisten FV Ravensburg bewiesen, dass sie als Außenseiter vor heimischer Kulisse für einen magischen Pokalabend sorgen können.
Hintergrund
Der Weg ins Halbfinale: Holzhausen:
4:0 gegen TSG Tübingen (H), 5:1 gegen SG Empfingen (A), 3:0 gegen VfL Nagold (A), 3:2 n.E. gegen TSG Balingen (H), 4:1 gegen FV Ravensburg (H).
Kickers: 2:0 gegen 1. Göppinger SV (A), 2:0 gegen VfR Aalen (A), 2:1 gegen TSV Weilimdorf (A), 3:1 gegen SGV Freiberg (H).
Die bisherigen Duelle: Der FC Holzhausen und die Stuttgarter Kickers standen sich bis dato zweimal in einem Pflichtspiel gegenüber – in der Oberliga-Saison 2022/23, die die Kickers als souveräner Meister und der FCH als Siebter beendete. Das Hinspiel endete mit einer deutlichen 0:4-Heimniederlage, doch im Rückspiel luchste man den Kickers im Stadion an der Waldau ein 2:2-Remis – eine von nur acht Partien in jener Saison, in denen die Blauen nicht als Sieger vom Feld gingen.
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