Trotz des leckeren Essens auf den Tischen fiel diesen Musliminnen beim gemeinsamen interreligiösen Fastenbrechen das Warten auf den Sonnenuntergang nicht schwer. Foto: Sabine Krümmer

Beim jüngsten interreligiösen Fastenbrechen des IGMG Regionalverbandes Freiburg-Donau stand das Verbindende und das der verschiedenen Religionen im Vordergrund.

Etwa 150 Personen strömten am späten Samstagnachmittag ins Villinger Gewerbegebiet, wo die Islamische Gemeinschaft Milli Görus (IGMG) ihr Zentrum unterhält.

 

Gemeinsam zelebrierten Anhänger des christlichen und des islamischen Glaubens im Rahmen des Fastenmonats Ramadan das Fastenbrechen, das Iftar.

Den Gast empfing eine Atmosphäre, geprägt von Selbstbewusstsein, Stolz und Ernsthaftigkeit seitens der Gastgeber. Diese erschienen bei diesem Ritual in festlicher Garderobe. Nach Geschlechtern getrennt, aber an den einzelnen Tischen teils bunt gemischt, herrschte eine gewisse Neugier und frohe Erwartung. Katholische Jugendliche aus Villingen nahmen im Rahmen ihrer Firmvorbereitung ebenfalls am Fastenbrechen teil.

Um die Zeit bis zum Sonnenuntergang zu überbrücken – vorher darf nicht gegessen und getrunken werden – erhielten die Besucher Einblick in die Arbeit des IGMG. Diese besteht bundesweit aus mehr als 170 000 Mitgliedern, strukturiert in gut 40 Regionalverbänden. Sie sieht neben „Glauben, Bildung und sozialer Dienst“ ihre Aufgabe darin, Berührungsängste abzubauen, beispielsweise beim Tag der offenen Moschee.

Weltfrauentag ein Thema

Diese Maxime zog sich durch den gesamten Abend. Alle Festredner unterstrichen das Gemeinsame, zumal die Christen diese Zeit bis Ostern als Fastenzeit nutzen. Diese sei eine „wertvolle Brücke“, so der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Fatih Bölge. Auch der am Sonntag folgende Weltfrauentag wurde aufgegriffen. Frauen seien „das Fundament, die Kraft“. In die gleiche Kerbe schlug auch der Vertreter des türkischen Konsulats in Karlsruhe, Erdinc Tor.

Dass aus Unwissenheit einige Gäste schon vor Sonnenuntergang zum verführerischen Essen griffen, nahmen die Muslime gelassen. Schließlich sind die gemeinsamen Iftar-Abende genau dazu da: Das gegenseitige Verständnis zu fördern, denn die menschliche Würde sei universal, es gehe um gegenseitigen Respekt und Toleranz. Bernhard Uhde von der Erzdiözese Freiburg bezeichnete den Islam als Religion des Friedens.

Im Gebet zum Sonnenuntergang wird bezeugt, dass es „keinen Gott gibt außer Allah“, was im ersten Gebot der Christen eine Entsprechung findet. Es folgte das im Ramadan allabendliche Ritual, beginnend mit dem Essen von Datteln. Beim Verspeisen des wunderbaren türkischen Menüs entstanden lebhafte Gespräche.

Wie denn im Schulalltag mit dem respektlosen Verhalten von oft türkischen Schülern vor allem gegenüber weiblichen Personen umgegangen werden sollte, war eine Frage. Dieses Verhalten sei eine Frage der Erziehung im Elternhaus und nicht des Islams, so Húlya Garus, die mit ihrer Familie extra aus Lahr angereist war. Sympathisch war von ihr zu erfahren, dass es im Alltag mit ihren vier Kindern beim Fastenbrechen auch mal „Spätzle mit Soß’“ gibt.

Was bleibt von diesem angenehmen Abend? Vielleicht ein gewisses Unbehagen, weil die Muslime mit breiter Brust und mit einer Selbstverständlichkeit zum gemeinsamen Beten gehen und ihren Glauben selbstbewusst leben. Es steht hier angesichts sinkender Mitgliederzahlen der Amtskirchen die Frage im Raum, ob sich die Christen zu sehr angepasst und ihre alten Rituale vernachlässigt haben. Es ist noch nicht so lange her, als auch bei der Heiligen Messe Männer und Frauen getrennt in der Kirche saßen.