Von Gardespagat über Dating-App-Parodie bis zu mitreißender Live-Musik bewiesen Vereine und Akteure, wie lebendig und kreativ die Fasnet in Bochingen gefeiert wird.
Zehn Gardemädchen, die sich in einen blitzsauberen Spagat fallen lassen und eine tänzerische Top-Leistung abrufen: Das brachte die Menge zum Jubeln. Um die gute Stimmung über mehrere Stunden hinweg im Flow zu halten, war im Vorfeld fleißig getextet, gebastelt, gesungen und geprobt worden.
Mit Gesang sowie Tanz- und Schunkelrunden bediente das „Amazonas Duo“ in humorvoller Art und überzeugte mit Spontaneität. Präsident Oliver Essel bewertete den Bürgerball als tolles Zusammenwirken der Bochinger Vereine und Gruppen – was am Beispiel des Turnvereins mehrfach deutlich wurde mit dem neuen Showtanz der Garde, dem Auftritt der „Dancing Queens“ und der Gruppe „Reloaded“, die allesamt schon den Turnerball rockten und nun auch das Bürgerball-Publikum faszinierten.
Ihren Einstand als Moderatorin gab „Orakel Olga 5050“ (Kathrin Bihler), die sehr charmant und schlagfertig durch das Programm führte.
Zuallererst zwang sie die Elferräte in den Fünfer-Bob, um sie auf deren Fähigkeit zu prüfen, zielsicher durch die Bochinger Fasnet zu steuern.
Dass sie Multitalente sind und neben Fasnetsmusik auch Formel 1 können, bewies die „Schantle-car-pelle“ – von Olga perfekt ausgesprochen, vom Publikum erst verstanden, als sie in ihren so liebevoll designten Autos auf die Bühne fuhren.
Bürgerball-Duo mit Sprachfehler
Als Kundin in Harald Möhrles Narrenshop und als Helfer im Verkauf hatten Annette Wingerath und Gerhard Egeler, das beliebte Bürgerball-Duo mit Sprachfehler, auf Lokalkolorit par excellence gesetzt. Liebevoll karikierten sie, was inzwischen in ganz Baden-Württemberg bekannt ist, nur die Ladenhüter-Kiste mit D-Mark Preisen wurde vor dem SWR-Fernsehteam versteckt.
Kultstatur haben sich die „Brühlbachlerchen“ ersungen, die auch heuer wieder die Männer ins Visier nahmen, die sich so gar nicht verhalten, wie eine Frau das gerne hätte.
Eigentlich ein schwerer Stand für das einzige Mannsbild in der Gruppe, doch Reiner Zündel kennt seinen Wert, sind die Vögel Gabi Minder, Sabine Burger, Heike Roth und Susanne Haizmann doch auf seine musikalische Begleitung angewiesen.
Tinder in Bochingen
Danach machte sich eine attraktive Frau in den besseren Jahren mittels Dating-App auf Partnersuche. Profilfotos und Infos hatten bemerkenswerte Ähnlichkeiten mit Bochinger Bürgern, und so entschied sie sich für einen Bochinger Fußballer und „Schalke“-Fan, der sie auch gleich ins „Lamm“ einlud. Dort zog es ihn aber mehr zu seinen Kumpels von der „SpVgg aktiv“ als zur neuen Flamme, die nun wohl den Suchkreis erweitern muss oder den Ausschluss von Boll rückgängig machen.
Dann kam sie, die Kapelle „Trotzdem“, die ihre Musik so leidenschaftlich präsentierte. Die Musiker sorgten für Wow-Effekte und mussten selbst im Gang weiterspielen, weil das Publikum auch nach der Bühnenshow noch nicht genug hatte.
Gut gefülltes Narrenblättle
Immer unter den Akteuren auch das Narrenblättle-Team, das sich zur Aufgabe gemacht hatte, das Bennerrössle und seine Treiber in schwäbisch-englisch international bekannt zu machen. Ob diese aber tatsächlich verstanden, was das „verrückte Ross“ ausmacht, das an der Fasnet durch die Bochinger Straßen getrieben wird, mag bezweifelt werden. Unmissverständlich aber war der anschließende Verkauf des Bochinger Narrenblättle, das wieder mit ganz viel Herzblut und „jedem zur Freud – niemand zum Leid“ gefüllt wurde.