Private Hausbälle halten die Tradition der Kappenabende lebendig. Zwei Rottweiler Familien erzählen, was es damit auf sich hat und wie es funktionieren kann.
Während draußen in der Stadt die Fasnet ihren Lauf nimmt, wird in manchen Rottweiler Wohnzimmern ebenfalls kräftig gefeiert. Private Hausbälle und Kappenabende haben hier eine lange Tradition – und erleben seit einigen Jahren eine stille Renaissance.
Zwei Familien zeigen, wie die Fasnet jenseits von Sälen und offiziellen Veranstaltungen im Privaten weiterlebt.
Für Gunther Wilde ist die Idee eines Hausballs eng mit Kindheitserinnerungen verbunden. Aufgewachsen in der Rottweiler Altstadt kennt er private Kappenabende bereits aus den 1980er-Jahren. Seine Eltern feierten damals mit befreundeten Familien in den eigenen vier Wänden. Als Ende der 1980er-Jahre viele Saalfasnachten und Vereinsbälle in Rottweil eingestellt wurden, entwickelte sich diese Form des Feierns für viele zur Alternative.
Fasnet jenseits von Sälen
Nach dem Erwerb ihres Hauses in der Rottweiler Innenstadt Anfang der 1990er-Jahre griff die Familie Wilde diese Tradition auf und veranstaltete zunächst kleine Kappenabende im Freundeskreis. Über die Jahre kam es durch andere Termine und Verpflichtungen zu Pausen.
Die Tradition lebt auf
Die Idee, die Tradition wieder aufleben zu lassen, entstand schließlich bei einem Geburtstag. 2022 wurde daraus erstmals ein offizieller Hausball – möglich gemacht durch die Renovierung der eigenen „Narrenstube“.
Seither wird zunächst ein Motto festgelegt, dann folgen Einladungen und Dekoration. Geschmückt wird das ganze Haus, abgebaut erst nach der Fasnet.
Rund 30 bis 35 Gäste feiern verteilt in den Räumen. Für die Getränke sorgt die Familie selbst, finanziert wird das Fest über eine Spendenkasse. Gegessen wird gemeinschaftlich, die Gäste steuern etwas dazu bei.
„Eine kleine Einstimmung auf die Fasnet“
„Harter Alkohol kommt nur auf den Tisch, wenn das Essen zu fettig war“, sagt Gunther Wilde augenzwinkernd. Manchmal ergeben sich kleine Auftritte, gelegentlich schaut auch eine Kapelle vorbei. Im Mittelpunkt stehen jedoch Geselligkeit, Musik und Gespräche. Es sei, so Wilde, „eine kleine Einstimmung auf die Fasnet“.
Die Tradition lebt über Generationen hinweg
Auch bei der Familie Englerth-Hansmann hat das private Feiern zur Fasnet eine lange Geschichte. Seit mehr als 20 Jahren finden dort Hausbälle statt. Bereits in den 1970er- und 1980er-Jahren gab es im Haus der Großeltern Englerth Kappenabende, die bis in die frühen Morgenstunden dauerten. Die heutige Form entstand, als die beiden Töchter noch klein waren. Nach einem gemeinsamen Fasnetsabend in einer Rottweiler Wirtschaft kam man auf die Idee, selbst wieder einen Hausball zu veranstalten.
Es wächst und wandelt sich
Was mit rund zehn Gästen begann, wuchs im Laufe der Jahre auf über 30 Einladungen. Es habe sich „einfach eingebürgert“, erzählt Karsten Hansmann. Gäste wechselten, und immer wieder sorgen Überraschungsgäste oder spontane musikalische Einlagen für besondere Momente. „Sowas lebt vom Machen, nicht vom Berieseln lassen – das geht auch spontan, es reichen ein paar Leute, es muss kein Aufwand sein“, sagt Hansmann.
Die Vorbereitung sei inzwischen Routine: Ein Vormittag reiche meist aus, erklärt die Familie. Auch das Aufräumen gehe schnell, wenn alle mit anpacken – oft in etwa einer halben Stunde. Um das Inventar zu schützen, wird das Wohnzimmer während der närrischen Tage mit einem großen Teppich ausgelegt.
Immer wieder etwas Besonderes
Beim Motto „Olympische Winterspiele“ wurde die Wohnzimmerwand kurzerhand mit Lippenstift zur Biathlon-Zielscheibe umgestaltet, da sie nach der Fasnet ohnehin renoviert werden sollte. Ein anderes Mal sorgte ein Gast beim Motto „Strandurlaub“ für eine Überraschung, als er schon am Vormittag Sand im Garten abkippte. So entstand dort mitten im Februar eine Strandbar.
Spontanität darf nicht verloren gehen
Der Abend selbst soll bewusst ungezwungen bleiben. „Man muss es einfach laufen lassen – wenn man keine Restspontanität hat, macht es keinen Spaß“, sagt Hansmann.
Die Hausbälle zeigen, dass die Rottweiler Fasnet nicht nur auf Straßen und in Wirtschaften lebt, sondern auch in Wohnzimmern, Narrenstuben und im gemeinsamen Tun. Ohne großen Aufwand, dafür mit viel Herzblut und Spontanität.