Die Narrenzunft Deißlingen gibt bei Umzügen stets ein spektakuläres Bild ab. Foto: Archiv Reinhardt

Mit inzwischen mehr als 100 Jahren Vereinsgeschichte zählt die Narrenzunft Deißlingen zu den traditionsreichsten und lebendigsten Narrenzünften der Region.

Die Zunft, liebevoll auch „Hageverwürger” genannt, ist heute nicht nur Herzstück der Deißlinger Ortsfasnet, sondern auch ein prägender kultureller Faktor für die gesamte Gemeinde – und weit darüber hinaus. Die Wurzeln der Zunft reichen bis ins Jahr 1924 zurück.

 

Der Übername „Hageverwürger” ist einzigartig und stammt von einem amtlich dokumentierten Ereignis aus dem Jahr 1910: Damals kam ein Jungbulle im Gemeindestall zu Tode, als ihm ein Nasenring eingezogen werden sollte.

Der „Hagen“ (Zuchtbulle) wehrte sich mit aller Macht gegen diese Prozedur, und so kamen die Helfer auf die Idee, den Kopf des jungen Bullen mit einem Seil durch die Futterlade zu ziehen. Sie schafften es, der junge Bulle wurde ruhiger. Aber als sie losließen, fiel er nur noch zu Boden. Sie hatten ihn „verwürgt“, was den Helfern natürlich höchst unangenehm war. Statt die peinliche Geschichte geheim zu halten, verbreitete der Schwenninger Metzger, der das Fleisch des Bullen verkaufte, den Schwabenstreich weiter.

Vier markante Figuren

Dieses Geschehen wurde zum Gründungsmythos der späteren Narrenzunft und prägt bis heute Identität und Symbolik des Vereins. Die Zunft präsentiert sich mit vier markanten Hauptfiguren: dem Hageverwürger, dem Hoarn, dem Hannes und der Res. Der Hageverwürger – mit seinem charakteristischen Fell und der handgeschnitzten Holzmaske – steht dabei im Mittelpunkt.

Das Hoarn, eine Figur mit Hornkranz und Futterkorb, sowie Hannes und Res – als bäuerliche Charaktere für ältere Mitglieder geschaffen – ergänzen das bunte Bild der Deißlinger Fasnet. Die Gestaltung der Häser nimmt Bezug auf die Historie des Ortes und die Werte des Zusammenhalts.

Über Generationen hinweg

Besonders hervorzuheben ist die generationenübergreifende Ausrichtung der Zunft: Auch ältere Mitglieder finden mit den Figuren Hannes und Res ihren festen Platz im närrischen Treiben. Gemeinschaft und Engagement Mit nahezu 1500 Mitgliedern – davon mehr als 500 als aktive Kleidlesträger – ist die Narrenzunft Deißlingen eine der größten Vereine im Ort, hebt Zunftmeister Rainer Schmeh hervor.

Und: „Der Verein lebt vom ehrenamtlichen Engagement und einer starken Verwurzelung in der Bevölkerung.“ Ob beim traditionellen Narrenbaumstellen oder beim legendären Bürgerball; das ganze Jahr über prägen viele Veranstaltungen und Feste das Dorfleben. Der unverwechselbare Narrenruf „Hage – Muh!” schallt in der Fasnetszeit durch die Straßen und erinnert an den Ursprung der Zunft.

Beim Zunftmeisterempfang der Narrenzunft Deißlingen. Foto: Reinhardt

Der Verein ist Mitglied im Narrenfreundschaftsring Schwarzwald-Baar-Heuberg und hat sich einen festen Platz in der regionalen und überregionalen Fasnet erarbeitet. Das 100-jährige Bestehen feierte die Narrenzunft Deißlingen im Januar 2024 mit einem großen Festwochenende, das die Geschichte und die Zukunft des Vereins eindrucksvoll miteinander verband.

Stolz auf die Geschichte

Mit Stolz auf ihre Geschichte, Offenheit für neue Generationen und einem starken Gemeinschaftsgeist bleibt die Narrenzunft Deißlingen ein unverzichtbarer Teil des kulturellen Lebens. Die „Hageverwürger” werden auch in Zukunft das Herz der Deißlinger Fasnet schlagen lassen.