Der Europa-Park ist der beliebteste Freizeitpark Deutschlands und gehört zu den besucherstärksten Parks der Welt. Jean-David Lidy und sein kleines Team aus Freiwilligen haben den Park im Sandbox-Computerspiel „Minecraft“ nachgebaut. Das Beste daran: Er ist funktionsfähig und für die Spieler kostenlos begehbar.
Die Idee dazu wurde im Jahr 2015 geboren, als Gründer Jean-David Lidy seine zwei Leidenschaften vereinen wollte: das Computerspiel Minecraft und den Europa-Park. Zuerst begann der Franzose damit, seine Heimatstadt Colmar und das Schloss Hogwarts - bekannt aus den Harry-Potter-Filmen - nachzubauen. Aber was dann? Auf der Suche nach einer neuen Herausforderung rief der 22-Jährige das „EPM“ ins Leben – das „Europa-Park Minecraft Resort.“
Sein Ziel: den Europa-Park so realgetreu wie nur möglich nachzubauen. Von den Attraktionen und Achterbahnen, über die kleinen Shops, großen Themenhotels bis hin zu den vielen Shows.
Nach und nach bildete sich ein Team um Lidy, bestehend aus gleichgesinnten und enthusiastischen Spielern, die das Projekt gemeinsam mit ihm realisierten. Mittlerweile arbeiten über 20 Menschen aus der ganzen Welt am Klötzchen-Park – vor allem Franzosen, aber auch Deutsche, Schweizer, Belgier, Spanier und Dänen. Die Arbeit sei laut Lidy aufgeteilt nach den Fähigkeiten der einzelnen Personen und der Art der Aufgabe.
Aufgrund der verschiedenen Sprachen und sei es teilweise schwierig, alle gleichzeitig zusammenzubringen, wie der Gründer erzählt. Das Team stehe jedoch für ein Europa ohne Grenzen und das gemeinsame Projekt repräsentiere diese Einstellung und Vision perfekt.
Fiktion vermischt mit Original
Seit neun Jahren sitzt die Gruppe nun an dem Projekt, und noch ist kein Ende in Sicht. „Wir wissen nicht sicher, wann wir es fertigstellen können, da sich sowohl der Europa-Park als auch der Minecraft-Server ständig weiterentwickeln“, erklären Gründer Lidy und Manager Antonin Heiss. Es werde versucht, eine Balance zu finden zwischen originalgetreuer Nachbildung und eigener Kreation. „Es ist für uns beispielsweise schwierig, eine Show genau so zu reproduzieren, wie sie im realen Park ist. Also versuchen wir, eine fiktive Show zu kreieren und gleichzeitig möglichst nah am Original zu bleiben.“
Um den Park so realistisch nachbauen zu können, nutzt das Team neben Fotos und Videos auch Satellitenbilder von Google Earth und anderen Internetplattformen. Außerdem werde mit Konstruktionsplänen von MACK Solutions gearbeitet, herausgegeben vom Europa-Park. Seit 2020 baut das Team um Lidy nicht nur den Europa-Park, sondern zusätzlich auch die Wasserwelt „Rulantica“ nach.
Ein Jahr dauert das Bauen einer Attraktion
„Wir arbeiten im Durchschnitt rund sechs Monate an einer einzigen Attraktion, die meisten komplexeren Bauten können aber bis zu einem Jahr dauern.“ Besonders anspruchsvoll seien die „Wodan“-Achterbahn und die „Blue Fire“ gewesen. „Diese beiden Achterbahnen überlappen sich in Island und „Wodan“ kreuzt zusätzlich die „Atlantica SuperSplash“ in Portugal“, erklärt Lidy.
Weiterhin erzählt er, eine der beliebtesten Attraktionen im fiktionalen Europa-Park-Resort sei „Piraten in Batavia“ – sowohl für die Mitarbeiter während der Bauzeit, als auch jetzt für die Spieler. „Es hat uns sehr getroffen, als das Feuer 2018 die Attraktion und den skandinavischen Bereich komplett zerstörte“, meint Lidy. „Es war ein ganz besonderer Moment, als wir „Piraten in Batavia“ im Spiel eröffnen konnten.“ Viele Menschen hätten an der Attraktion mitgearbeitet und die Spezialeffekte entwickelt, und auch für die Spieler sei es anschließend etwas Besonderes gewesen.
Fanprojekt schlägt keinen Profit
Etwa 10.000 Besucher seien seit dem Start des Projekts auf Lidys Minecraft-Server gewesen. Jedes Jahr werden es mehr. Aber trotz wachsendem Team und Interesse der Spieler ist der Europa-Park-Minecraft-Resort nach wie vor ein Fanprojekt. „Wir möchten keinen Profit aus dem Projekt schlagen und wir haben auch keinen freien Eintritt in den Europa-Park“, stellen Lidy und Heiss klar. „Wir machen das privat und aus eigenem Interesse, sind also kein offizieller Partner des Europa-Parks oder von Rulantica.“
Ob und wie viel noch kommen wird, könne Lidy noch nicht sagen. „Wir haben so viele Ideen und es gibt viele Möglichkeiten, diese umzusetzen.“ Jedoch gebe es auch einige Hürden und Einschränkungen, wie das durch das Feuer im österreichischen Themenbereich oder auch die Betreibungskosten des Servers.
„Voltron Nevera“ soll pünktlich zum Jubiläum fertig sein
Aktuell arbeite das Team laut Lidy daran, Österreich mit „The Magical Valley of Diamonds“ neu aufzubauen und hofft, die Achterbahn „Voltron Nevera“ und Kroatien in 2025 eröffnen zu können – pünktlich zum zehnjährigen Bestehen des Projekts.
Hinweis der Redaktion: Die Unterhaltung wurde mit Gründer Jean-David Lidy und EPM-Manger Antonin Heiss auf Englisch geführt und ins Deutsche übersetzt.
Das Spiel
Das Computerspiel „Minecraft“ besteht aus einer aus würfelförmigen Elementen erbauten Welt, in welcher der Spieler Ressourcen sammelt, um Gebäude zu errichten und gegen Monster zu kämpfen. Verschiedene Modi und nutzergenerierte Inhalte erweitern das Spiel. Mit 140 Millionen monatlich aktiven Nutzern ist es das Computerspiel mit den meisten aktiven Spielern weltweit.