Jede Menge Publikum hatte sich am Sonntagvormittag im Grenzacher Familientreff eingefunden. Foto: Rolf Rombach

Das Familienzentrum Rheinfelden koordiniert an seinen Standorten in Grenzach und Wyhlen generationenübergreifende Angebote in einem neuen Projekt.

Es gibt Menschen, die brennen so sehr für ihre Leidenschaften, dass sie mit dem Feuer sofort andere anstecken. Ein Paradebeispiel hierfür ist Birgitt Kiefer, seit 2018 Geschäftsführerin des Familienzentrums Rheinfelden mit seinen beiden Zweigstellen in Wyhlen und Grenzach. Mit einem Brunch und zahlreichen Gästen feierte der Verein am Sonntag den erfolgreichen Start des neuen Projekts „Quartiersimpulse“, und Kiefers Vortrag weckte in vielen den Wunsch, direkt mitzumachen.

 

Erst zuhören, dann agieren

Knapp 60.000 Euro erhält die Gemeinde Grenzach-Wyhlen hierfür von der Allianz für Beteiligung, die die Gelder des Landes Baden-Württemberg verteilt. „Ein daumendicker Antrag musste hierfür erstellt werden“, berichtete Kiefer, die das gemeinsam mit Judith Koppold von der Sozialabteilung der Gemeinde bewältigte. Neben einer Teilzeitstelle für das Projekt wurde auch eine externe Beratung ermöglicht. Dies übernahm Kiefers Vorgängerin Ilona Fritz-Schild, die später erste Seniorenbeauftragte der Gemeinde wurde. „Es war gut, einen Blick von außen zu erhalten von jemandem, der auch die inneren Abläufe versteht“, erläuterte Kiefer.

Seit Juli läuft das Projekt, das in vier halbjährige Phasen aufgeteilt ist. „So lange du selbst redest, erfährst du nichts Neues“, zitierte die FamZe-Geschäftsführerin einen Kalenderspruch, der den Auftakt perfekt beschrieb. An sechs Terminen hörten die Verantwortlichen in verschiedenen Treffs zunächst nur zu, was 85 Menschen bewegte. Daraus wurden die ersten vier konkreten Unter-Projekte gestartet. „Gehört und gesehen werden. Teil einer Gemeinschaft sein. Einen Ort haben“ wurde der Leitsatz.

Von Bürgern für Bürger

Kerstin Brutschin von der Schulkindbetreuung hatte beklagt, dass Kinder immer weniger Brettspiele spielten. In der „Alten Post Wyhlen“ treffen sie nun auf Erwachsene und Senioren, die ihnen Klassiker wie Halma, Mensch ärgere Dich nicht und Co. beibringen.

Im Sonntagstreff sollen Gruppentänze angeboten werden. Hierfür werden noch Anleiter gesucht.

Zwei Kooperationen mit der Bürgerstiftung runden das erste Angebot ab. Für die ersten beiden Augustwochen soll mit einem mobilen Kaffeestand am Spielplatz Kapellenbach ein offener Treff im Freien angeboten werden.

Ab dem 22. Mai ist freitags ab 15 Uhr unter dem Titel „Eltern lernen Deutsch“ ein niederschwelliges Konversationstraining möglich. Zwei Trainerinnen leiten es an, während im Nebenraum eine Kinderbetreuung angeboten wird. „Hier geht es auch um die Vorbildfunktion. Die Eltern sind Lernverstärker für ihre Kinder“, erläuterte Kiefer.

Breite Beteiligung vor Ort

Formell musste der Gemeinderat dem Projekt zustimmen. Einige Mitglieder waren entsprechend am Sonntag ebenfalls anwesend und nutzten den Austausch mit den verschiedenen Akteuren. Wie Judith Koppold ausführte, werden für die weiteren Phasen neue Ideen für Projekte gesucht. Sie dankte den Beteiligten für ihr großes Engagement, das Teilhabe und Begegnungen ermögliche.

Dem konnte Bürgermeister Tobias Benz nicht mehr viel hinzufügen. „Es ist eine tolle Leistung, das Ehrenamt so in unserer Gemeinde zu verzahnen. Auch Gutes kann noch besser werden.“ Der Rathauschef erinnerte daran, wie der Treff in der Alten Apotheke in Grenzach während der Corona-Zeit gestartet war. „Es ist eine nicht selbstverständliche Erfolgsgeschichte daraus geworden“, lobte er. Dabei habe Herzblut manche finanzielle Lücke ersetzen können. „Das bringt viel Mehrwert für die Gemeinde.“