Ein Vater nimmt nach Polizeiangaben seinem achtjährigen Sohn und sich selbst das Leben. Zurück bleiben die Mutter und die Geschwister. Für sie wurde nun ein Spendenaufruf gestartet.
„Wir trauen – fly high kleiner Milan“ (deutsch: „Fliege hoch, kleiner Milan“) steht über dem Spendenaufruf, den Sarah-Marie gestartet hat.
Ihren Nachnamen will sie nicht in der Zeitung lesen. Die Intention der 28-Jährigen, deren Sohn in dieselbe Klasse ging wie der verstorbene Bub: Zu all dem Unbegreiflichen sollen nicht auch noch finanzielle Sorgen kommen.
10 000 Euro sollen zusammenkommen, weit über 8000 Euro gingen bislang über die Plattform „Gofundme“ ein.
Es soll ein ganz besonderer Abschied werden
Sarah-Marie habe sich schon fragen lassen müssen, ob das denn nicht langsam genug Geld sei. „Nein“, sagt sie vehement. Denn es gehe nicht nur um die Bestattungskosten – Milan soll einen ganz besonderen Abschied bekommen, „so besonders, wie er im Leben war“ – sondern auch um Verbindlichkeiten der „mitverstorbenen Person“, wie Sarah-Marie es ausdrückt.
Konkret: Die Eltern waren noch nicht geschieden, unter anderem Versicherungen müssen weiter bedient werden, erklärt die junge Mutter.
Sarah-Marie stehe in engem Kontakt mit der Mutter des kleinen Milan. Für sie und auch die Geschwister sei alles noch „unbegreiflich“. Ob die Kinder jemals begreifen können, was mit ihrem Bruder geschehen ist? Sarah-Marie weiß es nicht.
Nach Familientragödie in Bisingen: Das Finanzielle soll keine Rolle spielen
Die Familie brauche nun vor allem eines: Ruhe. Deswegen hat Sarah-Marie sich entschieden, den Spendenaufruf zu starten. „Das ist das Mindeste, was wir tun können“, erklärt sie.
Kein Mensch könne einem anderen die Last abnehmen, aber man könne tragen helfen. Und somit dazu beitragen, dass die Mutter die Kraft finde, um für die verwaisten Geschwister da und möglichst stark zu sein. Der finanzielle Aspekt dürfe im Trauerprozess keine Rolle spielen.
Eigentlich wollte Sarah-Marie den Spendenaufruf anonym halten, denn es sei eigentlich egal, wer die Initiative ergriffen habe. Dann aber kamen Fragen von Spendern, wohin das Geld denn gehe. Also veröffentlichte sie ihren Namen – schließlich gehe es auch um Transparenz und Vertrauen, dass jeder Cent dort ankomme, wo er benötigt werde.
Der Junge war in der Schule beliebt
Noch einen Wunsch hat die junge Frau: Dass der Spendenaufruf möglichst oft geteilt werde. „Milan soll so noch einmal um die Welt fliegen.“
Sarah-Maries Sohn spreche oft über seinen Klassenkameraden, der zum neuen Schuljahr nicht ins Klassenzimmer zurückgekehrt ist. Besonders abends brodele es aus dem Jungen heraus. Dann erzähle er, dass Milan ein eher ruhiger Junge gewesen sei, der den Mitschülern immer geholfen habe. „Jeder mochte Milan“, berichtet Sarah-Marie.
Nach der Schule habe ihr Sohn zu Hause oft von seinem Klassenkameraden erzählt. Sensibel sei Milan gewesen und ganz vernarrt in das Tauschen von Pokémon-Karten und in den Superhelden „Sonic“.
Die junge Bisingerin habe ihren Sohn gefragt, was er mit Milan verbindet. Die Antwort des Jungen: „Er ist richtig witzig, manchmal wenn die Lehrerin zur Tafel gelaufen ist, hat er uns Grimassen gezeigt und alle mussten dann lachen.“