Während der Black Week locken Händler und Unternehmen mit großzügigen Rabatten. (Symbolfoto) Foto: Oliver Berg/dpa

Sparen oder Scheinrabatte? Zur Black Week warnen Verbraucherschützer vor sogenannten „Mondpreisen“, Druckmethoden und irreführenden Rabatten – und erklären, wie man echte Deals erkennt.

Wenn Ende November die Black Week startet, überschlagen sich Händler mit Rabatten, Countdowns und Sondereditionen. Die versprochene Ersparnis wirkt oft spektakulär. Doch wie viel davon stimmt wirklich? Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg beobachtet seit Jahren die Preisgestaltung rund um den Black Friday – und kommt zu einem ernüchternden Fazit.

 

Schon vor Beginn der großen Rabattwochen wird an den Preisen gedreht. „Gerade vor Rabattaktionen erhöhen viele Anbieter die Preise, um dann in der Rabattaktion vermeintlich einen höheren Rabatt zu gewähren“, erläutert Oliver Buttler, Abteilungsleiter Telekommunikation, Internet und Verbraucherrecht. Beschwerden dazu sind für die Beratungsstelle keine Ausnahme, sondern ein wiederkehrendes Muster.

Hohe Verwechslungsgefahr in der Rabattschlacht

Buttler warnt, dass Verbraucher in dieser Phase besonders leicht getäuscht werden können. „Das Risiko ist sehr hoch, da falsche Angebote von echten durch die Intensität der Werbemaßnahmen nicht immer leicht zu unterscheiden sind.“ Mit anderen Worten: Je lauter die Werbung, desto schwerer fällt der Durchblick.

Nicht alle Kategorien sind gleichermaßen anfällig für Tricksereien. Bei Spielwaren oder im stationären Handel gebe es laut dem Experten tatsächlich ehrliche Preissenkungen. Dennoch rät die Verbraucherzentrale hier ebenso zur Vorsicht, denn der Markt sei keineswegs durchgehend verlässlich. Buttler verweist vor allem auf den Technikbereich: „Vermeintliche Elektronikschnäppchen sind nicht unbedingt echte Schnäppchen.“

Typische Tricks: alte UVPs, künstlicher Druck, irreale Ausgangspreise

Die Preisgestaltung folgt oft klaren Mustern. Händler werben mit besonders hohen Rabatten, die sich auf Preise beziehen, die real nie verlangt wurden oder längst keine Marktrelevanz mehr haben.

Buttler beschreibt diese gängigen Methoden deutlich: „Manipulative Techniken sind unter anderem das Werben mit einem sehr hohen Rabatt, wobei der ursprüngliche Preis nicht real ist. Entweder gibt es diesen Ursprungspreis überhaupt nicht, oder aber der Marktpreis ist ein anderer.“

Hinzu komme das Arbeiten mit unverbindlichen Preisempfehlungen, die „möglicherweise schon jahrealt und damit nicht repräsentativ sind“.

Im Netz werde der Druck zusätzlich künstlich erhöht: Countdown-Timer, angeblich knappe Lagerbestände oder Hinweise darauf, was andere Kunden soeben gekauft haben. „Auch führen Zugaben teilweise dazu, dass Käufer aufgrund des ‘Geschenks’ den eigentlichen Kauf nicht mehr kritisch beleuchten und durch die Zugabe ‘geblendet’ sind“, so Buttler.

Sein Fazit zur Wirkung solcher Mechanismen fällt deutlich aus: „Käufer sind durch ‘riesige Ersparnisse’ oder ‘Geschenke’ in der rationalen Entscheidungsfähigkeit stark beeinflussbar.“

Neue Preisvorgaben – aber alte Probleme

Seit der Überarbeitung der Preisangabenverordnung müssen Händler bei Preisnachlässen eigentlich den niedrigsten Preis der letzten 30 Tage angeben. Doch auch diese Vorgabe wird häufig ignoriert. Buttler äußert sich dazu eindeutig: „Nach wie vor beziehen viele Anbieter ihre Rabatte auf irgendwelche unverbindlichen Preisempfehlungen oder Mondpreise.“ Das sind künstlich überhöhte, nicht gerechtfertigte Preise, die dafür genutzt werden, eine scheinbar hohe Rabattierung vorzutäuschen und den Eindruck eines Schnäppchens zu erwecken.

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg habe „bereits in zahlreichen Verfahren gegen Anbieter erfolgreiche Verfahren geführt, bei denen die Preisauszeichnung unlauter war“. Die Pflicht, den echten 30-Tage-Preis anzugeben, sei deshalb weiterhin „immer wieder Gegenstand von unseren juristischen Verfahren“.

Wie Verbraucher echte Angebote erkennen können

Wer in der Black Week tatsächlich sparen möchte, sollte vorbereitet sein. Die Verbraucherzentrale rät ausdrücklich zu einer sorgfältigen Produktrecherche. „Man sollte sich gut über sein Wunschprodukt informieren: was brauche ich und was muss mein Wunschprodukt für Eigenschaften haben?“, meint Butler. Wichtig sei zudem, den realen Marktpreis zu kennen, denn „Rabatte werden gerne auf die UVP gegeben und sind keine echten Rabatte“.

Auch der Anbieter sollte geprüft werden: „Gibt es den Anbieter und ist dieser auch seriös?“ Gerade beim Onlinekauf könnten Zusatzkosten oder „Sondereditionen“ den vermeintlichen Vorteil zunichtemachen.

Am wichtigsten aber bleibt Disziplin: „Am Ende sollte man nur das kaufen, was man auch wirklich benötigt und sich nicht durch ‘Schnäppchen’ zu anderen Käufen verleiten lassen“, rät Buttler. Wer Kompromisse bei Farbe, Ausstattung oder Technik eingeht, bereue den Kauf oft nachträglich.

Die Black Week

Der Zeitraum
Die Black Week läuft offiziell vom 24. bis 30. November, der Black Friday fällt auf den 28. November. Einige Anbieter haben bereits früher mit der Rabattwoche gestartet. Der Cyber Monday und die Cyber Week locken vom 1. bis zum 7. Dezember mit Angeboten, bei denen vor allem Haushaltsgeräte und Elektronik im Fokus stehen.

Die Herkunft
Der Black Friday hat seinen Ursprung in den Vereinigten Staaten und fällt traditionell auf den Freitag nach dem amerikanischen Thanksgiving-Feiertag. Viele Amerikaner nutzen diesen Tag, um ihr Weihnachtsshopping zu beginnen, weshalb die Geschäfte mit besonders großen Rabattaktionen werben. Ursprünglich war der Black Friday vor allem ein Tag für den stationären Handel, inzwischen haben aber auch Online-Shops enorme Bedeutung erlangt.