Das Gravel-Bike liegt auch 2026 im Trend – für gemeinsame Ausflüge oder als Alltagsrad (Symbolbild). Foto: Jan Woitas/dpa

Die Lust aufs Radeln steigt mit wärmeren Temperaturen. Zwar ist die Nachfrage nach den Trendrädern E- und Gravel-Bikes ungebrochen, doch der Markt hat seine Tücken.

Die ersten Sonnenstrahlen und wärmere Temperaturen machen wieder Lust aufs Radeln. Für die Fahrradhändler im Landkreis Lörrach ein Grund zur Freude: Das Geschäft brummt, Menschen strömen in die Läden und haben jede Menge Beratungsbedarf zu den Trends für 2026. Doch diesen positiven Effekt des nahenden Frühlings isoliert zu betrachten, wäre wohl zu kurz gedacht. Das Geschäft mit dem Fahrrad hat seit Jahren seine Tücken.

 

Nach dem Fahrradboom während der Corona-Pandemie in den Jahren 2020 bis 2022 geriet die Radindustrie wirtschaftlich unter Druck: volle Lagerbestände und eine spürbar geringere Nachfrage prägen bis heute die Lage. Dennoch zeigen sich die Händler im Landkreis Lörrach von optimistisch bis gelassen und erfreut über sonniges Wetter, das die Verkaufszahlen zu steigern vermag.

Michael Kuttler, Geschäftsführer des Ekone E-Bike-Shops in Binzen, zeigt sich im Gespräch mit unserer Zeitung optimistisch: „Der Start ins Jahr 2026 war sehr gut, mit zweistelligen Wachstumsraten.“

E-Bikes aller Couleur gingen über die Ladentheke aber auch Gravel-Bikes seien gefragt. „Viele wollen sich fit halten“, erklärt Kuttler und setzten deshalb auf die Bio-Variante, obwohl es sämtliche Fahrradtypen auch als E-Bike gebe. Kuttler selbst nutze beides: „Mit dem E-Bike ist der Aktionsradius in derselben Zeit doppelt so groß , im Vergleich zum Bio-Fahrrad, das allein mit menschlicher Muskelkraft betrieben wird.“

Zugleich sei das E-Bike ein Dauertrend, der sich stetig weiterentwickelt bei bisher ungebrochenem Interesse, da sind sich die Inhaber der Radgeschäfte Diana Sorzio von Sorzio-Bikes Schopfheim, Michael Kuttler von Ekone in Binzen, Joachim Bregger von Bike Supply in Weil am Rhein und Anreas Bieg von Radsport Bieg in Lörrach ebenso einig wie beim Dauerbrenner Gravel-Bike, den es ebenso in „Bio“ und mit E-Antrieb gibt.

Mehr E-Bikes als herkömmliche Fahrräder

Das E-Bike hat sich in Deutschland seit 2010 etabliert, als serienreife Motoren auf den Markt kamen. Seither zeigen die Verkaufszahlen stetig nach oben. Im Jahr 2023 sind in Deutschland erstmals mehr E-Bikes als herkömmliche Fahrräder verkauft worden.

Im Frühling zieht es die Menschen wieder nach draußen für kleine oder größere Touren mit. Mit E-Antrieb lassen sich bequem weitere Wege zurücklegen. Foto: Hans Harbig/Pixabay

Vom Aussterben bedroht sei das Bio-Fahrrad trotzdem nicht, wie Joachim Bregger von Bike-Supply erklärt. Allerdings bliebe die Nachfrage nach analogen Mountainbikes (MTB) weit hinter der mit E-Antrieb zurück.

Zudem habe das Gravel-Bike, mit und ohne Motorverstärkung, das klassische MTB überholt, weil es laut Bregger flexibler nutzbar und im Alltag – unabhängig von der Bodenbeschaffenheit – schneller sei. Und auch das Rennrad mit Motorverstärkung eröffne neue Möglichkeiten. Selbst ist Bregger am liebsten „Bio“ unterwegs. Für „Strom statt Kondition“ sei er noch nicht bereit, wie er scherzhaft meint.

Diana Sorzio von Sorzio Bikes in Schopfheim zeigt sich im Gespräch mit unserer Zeitung erfreut über die ersten Frühlingsanflüge dieser Tage: „Sobald die ersten Sonnenstrahlen rauskommen, geht es wieder los.“ Deshalb herrscht auch an diesem Mittwochnachmittag reger Betrieb in ihrem Geschäft.

Mit Pflege und Reparaturen längst mittendrin

Was Pflege, Kontrollen oder Reparaturen angehe, sei der Familienbetrieb mit seiner Werkstatt aber ohnehin längst mittendrin, denn viele bereiteten sich nach dem Winter auf den Start der Radsaison vor. Die Nachfrage nach E-Bikes sei ungebrochen, ob von Ausflüglern oder Berufspendlern. Aber auch das Interesse an Gravel-Bikes mit oder ohne E-Antrieb sei groß.

Bei Inhaber Andreas Bieg vom Radsport-Geschäft Bieg in Lörrach, das er seit 1994 betreibt, „interessiert das E-Bike am meisten“. Damit sei auch das Thema Fahrradleasing über den Arbeitgeber eng verbunden: „Das macht jeder Händler, das ist Standard, das muss man anbieten“, sagt Bieg im Gespräch mit unserer Zeitung.

Rasante technische Entwicklung

Aber auch das Geschäft mit den Bio-Rädern ziehe wieder an. Ebenso sei der Trend Gravel-Bike ungebrochen, unter dem das analoge MTB zwar leide, aber vor allem hinter seiner E-Variante zurück bleibe.

Die technische Entwicklung der E-Bikes beobachtet Bieg mit Interesse. Diese sei rasant und schon heute sei aus dem Fahrradmechaniker ein Mechatroniker geworden. Für 2025/2026 zeichnen sich Trends ab, die höhere Reichweiten, mehr Leistung, geringeres Gewicht und smarte KI-Funktionen in den Fokus rücken.

Was die aktuelle Wirtschaftslage betrifft, zeigt sich Bieg gelassen. Die Chance sei in der Branche groß, dass wieder bessere Zeiten kämen: „Der Mensch wird immer Fahrrad fahren.“ Zudem habe er schon einige Krisen mitgemacht und meint: „Das Fahrrad war bisher nie der große Verlierer.“