Seit dem 1. Januar 2024 versammeln sich auf dem Altensteiger Marktplatz jeden Sonntag 70 bis 90 Menschen, um ihre Verbundenheit mit den israelischen Geiseln zum Ausdruck zu bringen. Foto: Dušica C.

Mit Böllern und Feuerwerkskörpern griffen Unbekannte am Sonntag eine Solidaritäts-Kundgebung für israelische Geiseln auf dem Altensteiger Marktplatz an. Die Veranstaltungsleitung vermutet einen antisemitischen Hintergrund. Der Staatsschutz ermittelt.

Seit dem 1. Januar 2024 versammeln sich auf dem Altensteiger Marktplatz jeden Sonntag Menschen, um ihre Solidarität mit den nach wie vor von der radikalislamistischen Hamas in Gaza festgehaltenen israelischen Geiseln zu bekunden. Während am vergangenen Sonntag die Namen der Verschleppten verlesen wurden, explodierte in unmittelbarer Nähe der Veranstaltungsleiterin Gerlinde Hezel ein Feuerwerkskörper – so nahe, dass die Detonation Spuren auf ihrer Jacke und auf der eines weiteren Teilnehmers hinterließ.

 

Außerdem sei etwa 20 Meter von der Versammlung entfernt eine Feuerwerksbatterie gezündet worden, teilt Hezel weiter mit. Verletzt worden sei niemand, doch seien die Anwesenden „sichtlich schockiert“ gewesen. Die Täter – nach Hezels Beschreibung Jugendliche – hätten sofort die Flucht ergriffen. Die umgehend alarmierte Polizei habe Ermittlungen aufgenommen und die Täter identifizieren können.

Silas Lindörfer von der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit des Polizeipräsidiums Pforzheim will nicht ganz so weit gehen: Er bestätigte, dass der Staatsschutz, eine Abteilung der Kriminalpolizei, ermittle. Die Identität der Täter und Hintergründe der Tat seien Gegenstand dieser bislang nicht abgeschlossenen Ermittlungen.

Neue Eskalationsstufe

Die Organisatoren der Solidaritätskundgebung äußerten sich besorgt über den Vorfall: „Wir müssen sowohl von einem bewussten antisemitischen Anschlag als auch von einem gezielten Angriff auf die Veranstaltungsleiterin ausgehen.“

Seit Beginn der Versammlungen am Neujahrstag 2024 sei es immer wieder zu Störungen gekommen, berichtet Gerlinde Hezel. Hupende Autofahrer auf der direkt angrenzenden Poststraße, Rufe wie „Free Palestine“ und „From the River to the Sea“ sowie offen zur Schau gestellte Hitlergrüße seien keine Seltenheit. Der Einsatz von Feuerwerkskörpern stelle allerdings eine neue Eskalationsstufe dar.

Versammlungen sollen fortgesetzt werden

Die Kundgebungen sollen trotz des Vorfalls fortgesetzt werden, so lange sich noch israelische Geiseln in der Gewalt der Hamas befinden. Wie die Tagesschau am vergangenen Samstag unter Berufung auf israelische Quellen meldete, handelt es sich dabei um 59 Personen – 24 davon könnten noch am Leben sein.

Am 7. Oktober 2023 hatten Kämpfer der Terror-Miliz die israelischen Grenzanlagen überwunden, mehr als 1200 Menschen – überwiegend Zivilisten – ermordet und mehr als 200 nach Gaza verschleppt.