Im Orchid Botanic Garden in Singapur geraten Stefan und Andrea Klumpp ins Staunen. Foto: Stefan Klumpp

Auf ihrer Aida-Weltreise sind Stefan und Andrea Klumpp aus Eutingen unterwegs in Vietnam, Singapur und Taiwan. Abseits der Touristenströme erleben sie das echte Asien.

„Das auch nur einigermaßen zu beschreiben, was wir erlebt haben, als wir aus dem Touri-Strom ausgeschert sind, würde Seiten füllen“, schreibt der Eutinger Stefan Klumpp in einer E-Mail an unsere Redaktion. Gemeinsam mit seiner Frau Andrea ist er seit November auf dem Schiff Aidadiva auf einer Reise rund um den Globus. In den vergangenen Wochen ging das Ehepaar in verschiedenen Häfen Südostasiens von Bord – sie erkundeten Vietnam, Taiwan und Singapur.

 

Eine E-Mail von Stefan Klumpp erreicht uns aus Vietnam. Er berichtet, was die Eutinger in der nordvietnamesischen Küstenstadt Ha Long erleben: „Ich muss gestehen, dass mich Ha Long total geflasht hat, vor allem, weil es in keiner Weise dem entsprach, was wir erwartet hatten. Ein sozialistisches Land, Plattenarchitektur, dreckig und laut, der ’Hinterhof’ Südostasiens, so wurde es teilweise von den ’erfahrenen’ Weltreisenden kolportiert. Dass man auf 90 Prozent von deren Geschwätz nichts geben darf, weiß ich schon länger“, schreibt er.

Stefan Klumpp nimmt uns mit in seine Erlebnisse in Ha Long: „Auf einem Parkplatz hinter dem Cruiseterminal trafen wir auf Viet, einen 36-jährigen Familienvater mit einem neuwertigen Mitsubishi-SUV, der uns seine Stadt zeigte und zwar an den Orten, an denen keine Touristen sind. Wir haben Dinge gesehen, die uns nur noch mit offenem Mund staunen ließen. Von tausendjähriger buddhistischer Kultur über glitzernde Riesen-Malls bis zu ohrenbetäubenden Beats mit halb nackten Tänzerinnen auf der Partymeile am Strand.“ Allgegenwärtig seien die roten Plakate und Flaggen des von einer sozialistischen Einheitspartei regierten Landes. Klumpp berichtet: „Ich frage Viet, was er davon hält. Die Antwort ist kurz: Nichts.“

Traumstrände mit Villen

„Ansonsten stehen an den Traumstränden die Prunkvillen der Millionäre und Milliardäre, aber eben derer in US-Dollar. In Vietnam reichen 33 Euro zum Millionär, wenn man sie in Vietnamesische Dong umtauscht“, schreibt er. Vietnam sei ein Einkaufsparadies, auch für die Crew, denn hochwertige T-Shirts oder Sneaker seien für 150.000 bis 1 Million Dong (5 bis 35 Euro) zu haben, berichtet Klumpp.

Einzigartige Einblicke genießen die Eutinger auch in Taiwan. Über die Fahrt nach Taiwan, offiziell die „Republik China“, berichtet Klumpp: „Mit Einlaufen in die Hoheitsgewässer der Republik, nach der der autoritär regierte große „Bruder“ Volksrepublik immer aggressiver die Finger ausstreckt, musste Aidadiva den Zugang zum Starlink-Internet abschalten.“ Das Ehepaar trifft sich mit einer Touristenführerin. „Die kleine Frau vergisst keine Minute, die Unabhängigkeit Taiwans von der Volksrepublik zu unterstreichen, die Unterschiede zwischen dem guten System in Taiwan und dem bösen der Volksrepublik herauszustellen und stets zu wiederholen, dass man sich dem Zugriff durch den übermächtigen Nachbarn, der Taiwan als abtrünnigen Teil seines Staatsgebiets ansieht, mit allen Mitteln entziehen wird“, erzählt Klumpp.

Wolkenkratzer Taipei 101

Ein Highlight ist Taipei 101. „Der 508 Meter hohe Wolkenkratzer wird durch ein Pendel erdbebensicher gemacht. Die Basis bis zum fünften Stock ist riesig und beherbergt zahlreiche (Nobel-) Geschäfte, Restaurants, Grünoasen. Die Pendelkugel im Taipei 101 wiegt 660 Tonnen. Dieses massive Pendel, bestehend aus 41 Stahlplatten, hängt zwischen dem 87. und 92. Stockwerk und dient als Schwingungsdämpfer, um das 508 Meter hohe Gebäude bei Taifunen und Erdbeben zu stabilisieren. Sie reduziert die Gebäudebewegung um bis zu 40 Prozent“, berichtet Klumpp.

Die Bahn ist verlässlich

Beeindruckt sind die Eutinger auch von den Zügen in Taiwan. Klumpp schreibt: „Kaohsiung im Südwesten von Taiwan haben wir mit der Bahn erkundet. Wenn man die U-Bahn-Systeme in Asien mal begriffen hat, ist es kinderleicht und billig. Für umgerechnet 8 Euro kann man 24 Stunden nach Belieben durch die Millionenstadt Kaohsiung fahren. Die Züge sind sekundenpünktlich und fahren je nach Auslastung alle 3 bis 5 Minuten. Die meisten vollautomatisch, ohne Bahnpersonal.“

Schwitzen in Singapur

Ganz schön ins Schwitzen sind die Weltreisenden in Singapur gekommen: 32 Grad und 95 Prozent Luftfeuchtigkeit erleben sie dort. „Man kann kaum so schnell trinken, wie man schwitzt“, berichtet Klumpp. Doch um Singapur zu beschreiben, fehlten sogar ihm die Worte, schreibt Klumpp. „Chinatown, die Marina Bay (Formel-1-Circuit) natürlich der Marina Bay Park, das weltgrößte Glasgewächshaus, die faszinierende Supertree-Show, die Bankentürme, das weltberühmte Marina Bay Sands Hotel, die Universal Studios und die Filmkulisse von „Waterworld“ mit Kevin Costner (1995) auf Sentosa Island, Singapur ist für den Schwaben unfassbar.“

Auf dem Seeweg nach Phuket/Thailand muss die Aidadiva dann von ihrer geplanten Route abweichen. Ein Containerschiff, der Frachter Sealloyd Arc mit knapp 300 Containern an Bord, war kurz zuvor vor der Insel Phuket gesunken. Trotzdem erreicht die Aidadiva ihr nächstes Ziel, Sri Lanka, pünktlich. Klumpp teilt unserer Redaktion mit: „Wir hatten keine Zeitverzögerung durch die Havarie der Sealloyd. Wir sind außen rum und ein wenig schneller gefahren.“