Kommunen ächzen unter hohem Finanzdruck. Eine wichtige Einnahmequelle in diesen Zeiten ist die Gewerbesteuer. Doch welche Kommune ist im Verhältnis wie wirtschaftsstark?
Sie wird von Kämmerern traditionell konservativ kalkuliert und bietet dennoch einen wichtigen Anhaltspunkt dafür, was sich die Gemeinde finanziell leisten kann: die Gewerbesteuer. Im Schnitt macht sie in der südlichen Ortenau 19 Prozent der Einnahmen aus. Wer profitiert mehr, wer weniger vom Gewerbe? Ein Überblick.
Lahr: 34,5 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen stehen für 2026 im Lahrer Haushaltsplan. Bedeutet: 17,8 Prozent der Gesamteinnahmen der Stadt im Ergebnishaushalt stammen von Lahrer Firmen. Das entspricht in etwa dem Durchschnittswert. Pro Kopf weist Lahr mit 675 Euro Gewerbesteuereinnahmen pro Einwohner den dritthöchsten Wert in der südlichen Ortenau auf. Der Hebesatz liegt in Lahr bei 420 Prozent (Höchstwert).
Seelbach: Mit 2,3 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen von Julabo und Co. lief 2025 deutlich besser als erwartet für Seelbach. Die Kalkulation für 2026 liegt dennoch vorsichtig bei 1,6 Millionen Euro, was rund zehn Prozent der Gesamteinnahmen entspricht. Der Hebesatz liegt bei 350 Prozent. Pro Kopf gerechnet sieht man, dass Seelbach eine der finanzschwächeren Gemeinden ist. Mit 329 Euro liegt Seelbach auf dem vorletzten Platz.
Friesenheim hat niedrigen Pro-Kopf-Wert
Schuttertal: Nicht wesentlich besser steht Schuttertal da: Der Gemeinderat hat im Oktober eine Erhöhung der Hebesätze auf 360 Prozent beschlossen, die Verwaltung kalkuliert nun mit 1,13 Millionen Euro Gewerbesteuer. Das ergibt pro Kopf 357 Euro, der Anteil an den Einnahmen beträgt 12,6 Prozent.
Friesenheim: Auch Friesenheim zählt in diesem Vergleich zu den eher finanzschwächeren Gemeinden. 4,5 Millionen Euro sind zwar rund vier Mal so viel wie Schuttertal, pro Kopf ergibt sich jedoch mit 325 Euro der zweitniedrigste Wert dieser Auflistung. Auch beim Anteil an den Einnahmen liegt Friesenheim mit 11,6 Prozent im Hinterfeld. Der Hebesatz liegt bei 370 Prozent.
Neuried: Neuried liegt in ähnlichen Gefilden. Die Gewerbesteuereinnahmen von 3,8 Millionen Euro (383 Euro pro Kopf) machen 12,5 Prozent der Einnahmen aus. Der Hebesatz liegt bei 360 Prozent.
Meißenheim: Finanzstärker zeigt sich Meißenheim: Mit kalkulierten zwei Millionen Euro von den Betrieben bei einem Hebesatz von 340 Prozent geht die Verwaltung ins Haushaltsjahr. Pro Kopf (482 Euro) liegt die Gemeinde damit im Mittelfeld, beim Anteil an den Einnahmen sogar auf Platz drei (18,4 Prozent).
Schwanau: Wenig überraschend ist Schwanau die finanzstärkste Gemeinde im Ried. Vor allem Dank der Firma Herrenknecht kalkuliert die Gemeinde mit 7,1 Millionen Einnahmen durch die Gewerbesteuer (Hebesatz 250 Prozent) – mehr als 1000 Euro pro Kopf und mehr als ein Drittel der Gesamteinnahmen. Die Zahlen liegen deutlich über dem Schnitt. Nur eine Gemeinde übertrifft sie.
Ruster Zahlen übertreffen alles
Rust: Das ist selbstverständlich Rust. Die Zahlen belegen eindeutig, wie die Gemeinde finanziell vom Europa-Park profitiert. Mit sage und schreibe 15,5 Millionen Euro Gewerbesteuer kalkuliert Rust. Der Pro-Kopf-Wert ist mit 3186 Euro mehr als dreimal so hoch wie der Schwanaus und fast fünfmal so hoch wie der Lahrs. Die Gewerbesteuer macht mehr als die Hälfte (50,2 Prozent) aller Einnahmen der Gemeinde aus. Der Hebesatz ist mit 320 Prozent sogar der niedrigste in der südlichen Ortenau.
Mahlberg: Im Südbezirk kann keine Kommune mithalten, am nächsten heran kommt Mahlberg. Hier macht die Gewerbesteuer in Höhe von drei Millionen Euro 17,7 Prozent aller Einnahmen aus. Pro Kopf liegt Mahlberg mit 571 Euro im vorderen Mittelfeld. Der Hebesatz liegt bei 350 Prozent.
Ettenheim: Die Nachbarstadt Ettenheim liegt im Pro-Kopf-Wert (547 Euro) sowie im Anteil (16,4 Prozent) knapp hinter Mahlberg, in absoluten Zahlen aber natürlich darüber: Über den Hebesatz von 370 Prozent rechnet die Stadt mit 7,5 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen. Interessant ist hier ein Vergleich zu Friesenheim: Bei ähnlicher Einwohnerzahl nimmt Ettenheim drei Millionen Euro mehr ein.
Kippenheim: 2,5 Millionen Euro stehen für Kippenheim im Plan. Mit 450 Euro pro Kopf und einem Anteil von 16,5 Prozent steht die Gemeinde jeweils unspektakulär im Mittelfeld. Der Hebesatz beträgt 340 Prozent.
Ringsheims Haushalt ist trotz geringer Einnahmen positiv
Kappel-Grafenhausen: Bei ähnlicher Einwohnerzahl wie Kippenheim ist die Finanzkraft in Kappel-Grafenhausen geringer. Mit zwei Millionen Euro Einnahmen rechnet die Doppelgemeinde, das ergibt einen Anteil von 13,3 Prozent und einen Pro-Kopf-Wert von 381 Euro. Der Hebesatz: 350 Prozent.
Ringsheim: Am konservativsten kalkuliert Ringsheim die Gewerbesteuer. 400 000 Euro stehen im Plan, wenngleich vor zwei Jahren mehr als doppelt so viel anfiel, wie der Abschluss zeigt. Trotz des geringen Pro-Kopf-Werts (151 Euro) und des geringen Anteils (4,7 Euro) ist Ringsheims Haushalt ausgeglichen. Der Hebesatz liegt bei 340 Prozent.
Fazit
Die Auflistung zeigt, wie Gemeinden mit starker Wirtschaft weniger abhängig von finanziellen Zuweisungen vom Land sind. Schwanau erhält 2026 etwa 2,075 Millionen Euro an Schlüsselzuweisungen vom Land, in Schuttertal sind es dagegen 2,708 Millionen Euro. Dabei muss man jedoch ins Verhältnis setzen, dass große Unternehmen wie Herrenknecht oder der Europa-Park wiederum spezielle Anforderungen mitbringen, die finanzielle und personalle Ressourcen in der Verwaltung binden. Spannend auch: Trotz des riesigen „Startklahr“-Areals ist Lahr von der Wirtschaftskraft her nicht viel besser aufgestellt als der Rest der Gemeinden.