Die neue Tourist-Info im Bad Liebenzeller Rathaus. Foto: Wallburg

Alles hell und freundlich und zentral gelegen. Und trotzdem sind nicht alle restlos begeistert. Warum ist das so?

Die Tourist-Information in Bad Liebenzell zieht zum 1. Juni aus der historischen Trinkhalle in den ehemaligen Lesesaal im Rathaus um. Am Mittwoch fand die offizielle Eröffnung statt. Das Projekt startete im Februar 2026. Die Freizeit und Tourismus Bad Liebenzell GmbH (FTBL) möchte damit kürzere Wegen, klare Strukturen und ein modernes Konzept umsetzen. Die Bündelung von Service und Marketing soll der Verbesserung der Servicequalität dienen.

 

Dass dieser Schritt in der Bevölkerung wie auch bei Gästen der Kurstadt kontrovers diskutiert wurde, dürfte an den gegensätzlichen Vor- und Nachteilen der beiden Standorte wie auch unterschiedlicher Interessen gelegen haben.

Neuer Standort im Bürgerzentrum

Der neue Standort im Bürgerzentrum wird die bisherigen Splitter-Standorte von Trinkhalle und Rathaus-Büro im ersten Stock zu einer barrierefreien, zentralen Anlaufstelle zusammenführen, sagte Sina Gehring, Geschäftsführerin der FTBL bei der Eröffnung. Der ehemalige Lesesaal wurde dafür komplett geräumt und biete nunmehr ausreichend Raum für digitale Info-Counter, Ausstellungsregale sowie fünf Arbeitsplätze. Im hinteren Back-Office-Bereich sitzen künftig vier und im Front-Office am Counter vorne permanent eine Mitarbeiterin. Einwohner und Touristen haben ab jetzt eine zentrale Anlaufstelle.

Laut Alexandra Nußbaumer, Leiterin Tourismus bei der FTBL, umfassen die Aufgaben bei der neuen Tourist-Info sowohl Besucherberatung, Informationsausgabe, Unterkunftsvermittlung wie auch Ticketverkauf, Souvenir-Shop und Kassenführung. Die Produktentwicklung und Kooperation wie auch Marketing und Qualitätsmanagement erfolgen im Back-Office.

Die neue Tourist-Info ist vom Kurhausdamm aus gut sichtbar und die Folien auf den Fensterflächen mit roten Hinweisen, der Liebenzeller Stadtkulisse und Schwarzwälder Symbolen als Blickfang ansprechend gestaltet.

Die Räumlichkeiten sind freundlich und in warmen Grüntönen gehalten, das Mobiliar teils aus heimischen Hölzern hergestellt. Der Toilettenbereich bleibt weiterhin öffentlich zugänglich.

Warum sind trotzdem nicht alle begeistert?

Der begehrte Lesesaal in seiner alten Form steht der Öffentlichkeit nicht mehr zur Verfügung. Ihm trauern einige Liebenzeller Bürger nach. Ein zentraler Treffpunkt für den sozialen Austausch und ein Rückzugsort, um in Ruhe etwas zu lesen oder auch nur ein paar Minuten auszuruhen, ging verloren.

Viele Gäste kamen zur offiziellen Eröffnung. Foto: Wallburg

Zwar wanderten Zeitschriften und eine Tageszeitung zu einer kleine Sitzecke in der ohnehin schon beengten Stadtbibliothek auf der anderen Straßenseite. Die Örtlichkeiten und begrenzten Öffnungszeiten der Bibliothek seien aber als alternativer Treffpunkt, Austausch- oder Rückzugsort eher ungeeignet.

Außer Betracht, so weitere Stimmen, würde auch gelassen, dass sich Park- und Lesesaal für Veranstaltungen bisher ideal kombinieren ließen. Möglichkeiten für größere Empfänge, Ausstellungen oder Workshops in Kombination mit dem Parksaal als Vortragssaal seien nunmehr dort nicht mehr möglich.

Was soll aus der Trinkhalle werden?

Der Charme der Trinkhalle gilt als architektonischer Höhepunkt und Herzstück für die Bürger der Stadt und ihre Gäste. Die Trinkhalle steht nun leer. Was folgt, wenn die Tourist-Info den lichtdurchfluteten Glaspavillon jetzt verlassen hat?

Gehring teilt dazu mit, dass die Verantwortung für die weitere Verwendung der Trinkhalle bei der Stadt und nicht bei der FTBL läge. Diverse Vorschläge habe man inzwischen dem Hauptamt gemacht.

Man könne sich durchaus ähnlich gelagerte Verwendungen wie beim bisherigen Lesesaal vorstellen. Dies bestätigte auch der bisherige stellvertretende Bürgermeister Sebastian Kopp.

Kopp sagte weiter, ihm sei es aber wichtig, dass die Entscheidung über die weitere Verwendung der Trinkhalle im Kontext mit dem Gesamtensemble des Kurhauses samt Terrasse und Oleanderbar zu sehen sei und diese Entscheidung dann der neue Bürgermeister herbeiführen könne.