Aus der Zeit der Stadtgründung ist neben einem Rest der Stadtmauer heute noch der Storchenturm sichtbar – er war bekanntlich einst Teil der ehemaligen Tiefburg. Foto: Stadt

Verwaltungsintern bereiten bereits ein Projektteam und eine Arbeitsgruppe das Jubiläum vor, das 2028 ansteht. Auch ein Bürgerrat soll einbezogen werden.

Die Geburtsstunde Lahrs schlug genau genommen bereits 1218, als die Geroldsecker am Ausgang des Schuttertals mit dem Bau einer Burg begannen. Lang dauerte es indes nicht, bis daraus etwas noch Größeres erwuchs: Das Stadtarchiv geht davon aus, dass sich aus der Bauhandwerkersiedlung in nur zwei Generationen die Stadt Lahr mit eigenem Stadtrecht entwickelte. Das erhielt die Siedlung Lahr „mit großer Wahrscheinlichkeit“ im Jahr 1287, wird in der Vorlage für die kommende Gemeinderatssitzung am Montag, 26. Januar, ab 17 Uhr hervorgehoben.

 

Schriftlich überliefert seien zwar erst die Rechte von 1279, doch seien dies Erweiterungen, aus denen hervorgehe, dass es eine ältere Stadtrechtsvergabe gegeben haben muss. Dies sei nach heutigem Wissenstand nach dem Tod des Stadtherrn Walter von Geroldseck (gestorben 1277) geschehen, wohl im Sommer 1278, heißt es in der Ratsvorlage weiter. „Somit kann Lahr im Jahr 2028 auf seine 750-jährige Stadtrechtsverleihung zurückblicken“, wird betont.

Projektteam will Schulen und Stadtteile in die Planungen einbeziehen

Dieses Jubiläum will man im Rathaus nicht achtlos vorüberziehen lassen. Denn es biete die Chance, „sowohl die Geschichte der Stadt zu würdigen als auch das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Bürgerschaft zu stärken“, so die Ratsvorlage. Es gibt auch bereits ein erstes, allgemeines Konzept, dem der Gemeinderat am kommenden Montag zustimmen soll. Damit einhergehend soll das Gremium Haushaltsmittel von 20 000 Euro für die Vorbereitung des Jubiläums genehmigen.

Es hat sich auch schon ein Projektteam unter Federführung von Bürgermeister Guido Schöneboom gebildet. Mit dabei sind seine Büroleiterin Josie Giedemann, Amtsleiterin Senja Dewes, Museumsleiterin Silke Höllmüller sowie Stadthistoriker Thorsten Mietzner. Der Gemeinderat soll dem Projektteam nun sein Okay geben, die nächsten Planungsschritte einzuleiten.

Für dieses Jahr ist demnach vorgesehen, Schulen, Ortsteile und weitere relevante Akteure, zu denen verwaltungsintern auch das Kulturamt und Hauptamt gezählt werden, zu kontaktieren und zu ihren Vorstellungen zum Stadtjubiläum zu befragen. Dabei soll auch bereits über erste Veranstaltungsformate und Projekte gesprochen werden.

Spannend wird es im Jahr 2027, wenn ein Bürgerforum bei den Planungen mitmischen soll. Es wird aus 75 zufällig ausgewählten Lahrern bestehen, die die bis dahin formulierten Vorschläge zum Jubiläum sichten und bewerten, aber auch eigene Ideen erarbeiten sollen. „Die Zufallsauswahl stellt sicher, Personen und Milieus zu erreichen, die ansonsten bei solchen Veranstaltungen außen vor bleiben“, heißt es aus dem Rathaus.

Tja, und 2028 werden die Überlegungen dann in die Tat umgesetzt, wird das Jubiläum groß gefeiert.

Gemeinschaftsgedanke soll beim großem Jubiläum im Vordergrund stehen

Es liegt zwar noch wenig Konkretes vor, den Ratsunterlagen kann man aber schon entnehmen, wie man sich im Rathaus das Großereignis vorstellt. Demnach soll das Jubiläum nicht nur unter historischen Gesichtspunkten begangen werden, indem man auf die Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner zurückblickt.

Vielmehr soll es vor allem genutzt werden, um das Zusammengehörigkeitsgefühl der Lahrer zu stärken. „Wenn Menschen sich aktiv an diesen Anlässen beteiligen und einen gemeinsamen Bezugspunkterleben, entsteht Gemeinschaft – eine Chance für ein nachhaltiges Miteinander in der Zukunft“, heißt es dazu. Ziel ist demnach ein gemeinschaftsorientiertes Jubiläum, das unter dem Leitgedanken „Aus 750 wird WIR“ stehen soll.

Das Projektteam soll eng mit einer verwaltungsinternen Arbeitsgruppe zum Stadtjubiläum zusammenarbeiten, der Experten der jeweiligen Fachämter und -abteilungen angehören. Die Arbeitsgruppe, bestehend aus OB Markus Ibert, Guido Schöneboom und Vertretern der Ämter, habe entschieden, den „gemeinschaftlichen Aspekt in den Mittelpunkt der Jubiläumsveranstaltungen zu rücken“, heißt es in der Vorlage.

Ausschlaggebend sei der Gedanke, „dass die Stadt Lahr in einer Zeit sehr dynamischer Bevölkerungsentwicklung gemeinschaftsstiftende Momente braucht“. Was in den 2010er-Jahren die Landesgartenschau gewesen sei, könne so – in einem viel kleinerem Maßstab – auch zur Aufgabe des Stadtjubiläums werden, wünscht man sich in der Verwaltung.

Die Römer waren zuerst da

Lahr war nicht der erste Ort der Region. Denn bereits im 1. Jahrhundert nach Christus gab es auf dem Gebiet des heutigen Dinglingen eine bedeutende römische Straßensiedlung an einer wichtigen Fernstraße.

Auch Burgheim, Mietersheim und Kuhbach sind laut der städtischen Internetseite älter als Lahr, das, einmal gegründet, aber schnell wuchs: Ende des 15. Jahrhunderts hatte die Stadt bereits ihre dritte Stadterweiterung hinter sich und besaß rund 1200 Einwohner. Das Zollprivileg machte Lahr zum Knotenpunkt der West-Ost-Verbindung ins Schuttertal, die Händler durch die Stadt führte.

Im 18. Jahrhundert gelang dem Ort der Aufstieg zur führenden Handelsstadt am Oberrhein. Besonders in der nördlichen Innenstadt zeugen entlang der Kaiserstraße und des Urteilsplatzes viele Handwerker- und Bürgerhäuser von diesem „goldenen Zeitalter“ der Lahrer Stadtgeschichte. Weitere Auskünfte zur Stadtentwicklung finden sich auf der städtischen Homepage.