Über Jahrzehnte war im Nagolder Industrie- und Gewerbegebiet Wolfsberg Wachstum pur angesagt. Nun geht es an die letzten freien Flächen.
Keine Frage: Nagolds Industriegebiet der Zukunft ist der ING-Park. Das liegt in der Natur der Sache. Im ING-Park gibt es nämlich noch freie Flächen. Auf dem Wolfsberg dagegen ist bebaubares Land rar.
Aber es gibt noch welches. Und so geht das seit 2021 betriebene Bebauungsplanverfahren „Wolfsberg VIII, Teil A“ nun bald über die Ziellinie.
Die neue Fläche des Gewerbegebiets soll noch einmal 2,7 Hektar umfassen. Bis jetzt wird das Gebiet landwirtschaftlich genutzt und befindet sich nördlich der Liese-Meitner-Straße und südlich des Hohen-Baum-Wegs. Zur Verortung: Bestandsgebäude in direkter Nachbarschaft ist das Tec 21 und die IHK sowie auf der anderen Seite der Stall eines Schafzuchtbetriebes. Etwa 50 Prozent der Fläche soll als Industriegebiet genutzt werden, gut 33 Prozent als Gewerbegebiet.
In diesen Tagen steht für den Bebauungsplan im Gemeinderat der Satzungsbeschluss an. Im Technischen Ausschuss war das Ergebnis der Auslegungsphase schnell abgewogen. Der einfache Grund: Es gingen weder von Privatpersonen noch von öffentlichen Ämtern Stellungnahmen ein.
„Keine Einwände erhoben“
Das überrascht dann schon. Denn in der Ausschusssitzung im Dezember 2024, als man den Auslegungsbeschluss des Plans beraten hatte, wurden durchaus Befürchtungen geäußert, dass es Probleme mit der Nähe zu dem Schafstall geben könnte. Ein gewisses Konfliktpotenzial wurde da befürchtet.
Doch Ralf Fuhrländer, Chef des Stadtplanungsamtes, verdeutlichte explizit: „Ohne Namen zu nennen, aber auch jemand in der direkten Nachbarschaft hat keine Einwände erhoben.“
Der planerische Aufwand, für die offensichtlich letztlich dann doch ziemlich unstrittige Erweiterung, war dennoch groß. Am Rande machte Fuhrländer deutlich: „Zehn Prozent sind vielleicht Planungsrecht, 90 Prozent ist Umweltrecht.“ Eindrucksvoll spiegelt sich das in der Sitzungsunterlage wider, der ein etwa 50-seitiger Umweltbericht, eine gut 20-seitige „artenschutzrechtliche Relevanzprüfung“ und 16 Seiten einer „speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung“ hinzugefügt sind. Zudem wurde ein etwa 30-seitiges Fachgutachten zu den Geruchsimmissionen erstellt und eine schalltechnische Untersuchung in ähnlichem Umfang.
Bei all dem Aufwand, ist es immerhin tröstlich zu wissen, dass es laut Fuhrländer schon konkrete Interessenten für die Fläche geben soll.