Die Lamellenturbine ist offiziell abgenommen. Damit kann Investor Joachim Zacher nach zehn Jahren endlich die Früchte seiner Geduld ernten. 27360 Kilowattstunden Strom hat das Wasserkraftwerk schon geliefert.
Er strahlt wie ein Horber, der gerade in der Sonne liegt. Dabei regnet es eklig am Neckar. Und die Mühle klappert hörbar am rauschenden Neckar. Joachim Zacher kann jetzt endlich Strom durch sein Wasserkraftwerk ernten.
Zacher lächelt: „Wir Wasserkraftler haben ein Motto: Es gibt gutes Wetter, und es gibt schönes Wetter.“ Die Lamellenturbine hinter ihm rauscht hörbar. Und jetzt kann der private Wasserkraftinvestor endlich ernten.
Viele Jahre Warten
Zacher: „Zehn Jahre hat es gedauert. Vier Jahre, ehe die Landesförderung durch war. Zwei Jahre Corona. Drei Jahre Wehrsanierung. Ein Jahr die Optimierung des Riemenantriebs. Doch dank der Firma Hutchinson habe ich einen Antrieb gefunden, der nicht aus Gummi ist, das zerfasert.“
Am 12. Januar ging Zachers Wasserkraftwerk am Marmorwerk dann endlich in Betrieb. Der Investor: „Die Anlage produziert 19 Kilowatt die Stunde. Sie läuft an durchschnittlich 340 Tagen in Jahr, wenn man die Hochwassertage mit einberechnet.“
Ein Kanal – zwei Räder
Am Dienstag waren Landratsamt, Stadt Horb und die Stadtwerke da. Die letzte Abnahme. Zacher: „Wenn ich die Bescheinigung habe, kann ich das Wasserkraftwerk bei der Bundesnetzagentur anmelden. Damit kann ich den eingespeisten Strom der EnBW in Rechnung stellen. Wenn der Bescheid da ist, dauert es nur ein paar Tage.
Und es hat alles funktioniert: Das benachbarte historische Zuppinger-Wasserrad am Marmorwerk dreht sich, obwohl das Wasserkraftwerk des Privat-Investors sich mit voller Power läuft. Zacher: „Das ist mir ganz wichtig, das auch die denkmalgeschützte Anlage weiter funktioniert.“
Fische bleiben am Leben
Er drückt auf ein Touch-Feld der Steuerung. Zacher zeigt stolz, wie der Rechen hochfährt und Holz aus den Tiefen des Flusses vor dem Stauwehr rausfischt. Zeigt auf die mächtigen Lamellen des „Wasserrades“: „Das zerhackt definitiv keine Fische. Und die Lamellen sorgen auch dafür, dass das Wasser mit Sauerstoff angereichert wird. Damit ist hier zukunftssichere Technologie in Horb installiert.“
Zacher wohnt in Horb
Joachim Zacher. 2018 verkündete er seine Pläne exklusiv der Redaktion. Damals arbeitete er beim Regionalverband Neckar-Alb in Mössingen und wohnte in Stuttgart. Als Verwaltungsmensch hatte er sich mit den Wasserkraftwerken in der Region beschäftigt. Die Technik hat ihn so begeistert, dass er sich entschlossen hat, selbst zu investieren. Im Rahmen der Gartenschau 2011 in Horb entdeckte er den Standort am Marmorwerk.
Zehn Jahre später „klappert“ endlich Zachers Mühle am Marmorwerk. Und der private Investor ist jetzt auch ein Horber geworden: „Ich wohne jetzt ganz in der Nähe. Wenn das Marmorwerk nicht im Blickfeld wäre, könnte ich von meiner Wohnung sogar mein Wasserkraftwerk sehen!“
Letzte Frage: Wie sieht die Ernte bisher aus? Man greift zum Rechner. 60 Tage zwischen Start und Abnahme. Das ergibt 1440 Stunden. Also sind es bisher 23 600 Kilowattstunden Strom, den das Wasserkraftwerk von Joachim Zacher bisher produziert hat.