Zu einem schwachen Erdbeben kam es am 4. Januar in Furtwangen. Über die Hintergründe informiert nun der Landeserdbebendienst.
Der Landeserdbebendienst vermeldete auf der Homepage des Regierungspräsidiums Freiburg, dass es am Mittwoch, 4. Januar, gegen 1.14 Uhr zu einem „sehr schwachen Erdbeben“ der Stärke 1,1 auf der Richterskala bei Furtwangen kam.
Die Gründe liegen in der Geologie, erklärt Andrea Brüstle vom Landeserdbebendienst. „Baden-Württemberg ist durch die Kollision der afrikanischen Platte mit der eurasischen Platte und der damit verbundenen Auffaltung der Alpen geprägt.“ Die Auswirkungen dieser Plattenkollision führten auch weiter nördlich, unter anderem in Baden-Württemberg, zu seismischer Aktivität.
Das Erdbeben vom 4. Februar in Furtwangen habe sich im Bereich der seismisch aktiven Freiburg-Bonndorf-Bodensee-Zone ereignet, die sich von der Freiburger Bucht bis an den westlichen Bodensee erstrecke. Dabei sei der Ausgangspunkt des Bebens nicht direkt, sondern ein paar Kilometer südwestlich von Furtwangen gelegen gewesen. Die Karte des Regierungspräsidiums (RP) setzt den Ausgangspunkt auf etwa zwei Kilometer südwestlich von Neukirch.
Ab wann ein Erdbeben zu spüren ist
Das RP sprach von einem Beben der Stärke 1,1. Ein solch schwaches Beben werde „in der Regel nicht von der Bevölkerung verspürt“, so Brüstle. Allgemein seien Erdbeben ab einer lokalen Magnitude von etwa 2 spürbar. Unter bestimmten Umständen könnten jedoch auch schon schwächere Ereignisse wahrgenommen werden oder stärkere Ereignisse unbemerkt bleiben. Das hänge unter anderem auch davon ab, in welcher Tiefe das Erdbeben stattgefunden habe: Je flacher das Beben – also je näher an der Erdoberfläche –, desto größer sei die Wahrscheinlichkeit, dass es an der Oberfläche wahrgenommen werde. Auch die Tageszeit spiele eine Rolle. In den ruhigen Abend‑ und Nachtstunden werde ein Beben leichter bemerkt als tagsüber, wenn Hintergrundlärm die Empfindung überlagere. Wenn man ein Erdbeben in Baden-Württemberg verspürt habe, dann sollte man dies auch dem Landeserdbebendienst beim Regierungspräsidium Freiburg melden, „damit diese Wahrnehmungen von uns wissenschaftlich ausgewertet werden können“, merkt Brüstle an.
„Im Schwarzwald-Baar-Kreis kommt es immer wieder zu Erdbeben“
Wie erdbebengefährdet ist die Region? Darauf antwortet die Expertin: „Im Schwarzwald-Baar-Kreis kommt es immer wieder zu Erdbeben, überwiegend entlang der Freiburg-Bonndorf-Bodensee-Zone. Meist sind das schwache Erdbeben, die von der Bevölkerung nicht verspürt werden. Allerdings sind besonders westlich und südwestlich von Furtwangen auch immer wieder einzelne Beben wahrgenommen worden, zuletzt ein Erdbeben bei St. Märgen im Mai 2024, das sehr vereinzelt gespürt wurde.“
Auf die Frage, wo in Baden-Württemberg es die meisten Beben gibt, fügt Brüstle hinzu: „In Baden-Württemberg sind die Zollernalb, der südliche Oberrhein und Schwarzwald sowie der westliche Bodensee-Bereich die Regionen mit der höchsten Erdbebenaktivität. Die meisten Erdbeben sind so schwach, dass sie nur mit den Erdbebenmessstationen aufgezeichnet werden können, aber nicht wahrgenommen werden. Aber es gibt auch immer wieder stärkere Erdbeben.“ Die Liste der aktuellen Erdbeben findet sich unter erdbeben.led-bw.de.
Keine Prognose fürs nächste Beben
Wann könnte sich das nächste Beben in Furtwangen oder dem Schwarzwald-Baar-Kreis ereignen? „Erdbeben können nicht vorhergesagt werden, deshalb gibt es auch keine Prognose“, stellt Brüstle klar.
Der Landeserbebendienst lokalisierte das Beben bei Furtwangen in einer Tiefe von zehn Kilometern unter der Erde. Wie die Tiefe bestimmt wird, erklärt Brüstle: „Es wird die Ankunftszeit des Erdbebensignals an den umliegenden Messstationen bestimmt, um die Entfernung der einzelnen Stationen zum Hypozentrum des Erdbebens zu bestimmen. Aus den gesammelten Entfernungen kann man dann Ort und Tiefe des Erdbebens ableiten.“
Fast 50 Messstationen in Betrieb
Der Landeserdbebendienst beitreibe zur Zeit fast 50 Erdbebenmessstationen in Baden-Württemberg, die über das gesamte Land verteilt seien. Darüber hinaus werde das Messnetz noch um Stationen der benachbarten Bundesländer (Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz) und Länder (Frankreich, Schweiz, Österreich) ergänzt. Brüstle weiter: „Im Schwarzwald-Baar-Kreis selbst gibt es keine Erdbebenmessstation. Von Furtwangen aus befinden sich die nächsten Messstationen in Kirchzarten, am Feldberg, bei Rottweil und bei Schiltach.“