Baden-Württembergs Umweltministerin Thekla Walker weiht Anlagen ein.
Die Windkraftanlage Typ „Nordex N-149“ wirkt gigantisch. Die Nabenhöhe von 164 Metern ist schwindelerregend. Die Rotorblätter haben eine Länge von 72,4 Metern und ein Gewicht von 21,5 Tonnen.
Symbolisch nahmen Baden-Württembergs Umweltministerin Thekla Walker (Grüne), Andreas Hornig, Geschäftsführer der BayWa r.e. Wind GmbH, Sylvia Felder, Regierungspräsidentin von Karlsruhe, der Fachbereichsleiter von ForstBW, Michael Thies, sowie die Ersten Landesbeamten Hilde Neidhardt (Enzkreis) und Frank Wiehe (Calw) die erste Anlage in Betrieb.
Bremsen gelöst
Eine gewisse „Restspannung“ war beim Start nicht zu übersehen. Die Ehrengäste steckten einen großen Stecker in die entsprechende Steckdose. Damit wurden die Bremsen der Rotorblätter gelöst.
Wenn alle vier Windräder am Netz sind, produzieren die Anlagen rund 46 500 Megawatt Ökostrom, der den durchschnittlichen Verbrauch von 14 300 Haushalten decken kann. Der ausgewählte Standort Langenbrander Höhe/Hirschgarten liegt nach Angaben des Betreibers mehr als 1200 Meter von den umliegenden Wohngebieten weg. Profitieren werden von den Windrädern neben der BayWa r. e. Wind GmbH die Gemeinden Schömberg, Engelsbrand, Höfen und Neuenbürg mit je 0,2 Cent je vergüteter Kilowattstunde, die Anwohner, die sich für 5,5 Prozent Zinsen auf sieben Jahren mit Beträgen von 500 bis 20 000 Euro beteiligen konnten, sowie die angrenzenden Anwohner mit einem um zehn Prozent günstigeren Ökostromtarif im Vergleich zum regionalen Grundversorger.
Beitrag zur Energiewende
Als Verpächter der Windparkfläche tritt ForstBW auf. „Jedes siebte Windrad steht im Staatswald, landesweit aktuell 110 Windräder. Wir sind als Unternehmen stolz auf diesen Beitrag zur Energiewende“, erklärte der Fachbereichsleiter von Forst BW, Michael Thies.
Für Andreas Hornig, Geschäftsführer der BayWa r. e. Wind GmbH, war es ein ganz besonderer Tag. Auch weil es gelungen sei, Akzeptanz und Wertschöpfung in der Region erfolgreich voranzubringen. Schon vor Baubeginn hätten alle Verantwortlichen auf Augenhöhe nach Wegen gesucht, um den Windpark zu realisieren, so Hornig. Er lobte die kurze Genehmigungszeit und die konstruktive sachliche Art des Miteinanders. „Wir haben aus den Gesprächen Angebote entwickelt, die auf erfreuliche Zustimmung gestoßen sind. Jetzt freuen wir uns schon auf den zweiten Bauabschnitt.“ Sein zweiter Dank galt den Projektleitern und allen Mitarbeitern, die in einer schwierigen topographischen Lage große Herausforderungen gemeistert hätten.
Kein Selbstläufer
„Das Projekt war kein Selbstläufer. Es gab einige Hürden zu überwinden. Den guten Abschluss verdanken wir allen Beteiligen an diesem Projekt, die mit Engagement und Ausdauer am Ball geblieben waren“, ging Thekla Walker, Ministerin für Umwelt, Energie und Klimaschutz, auf die Widerstände im Vorfeld ein.
Das Projekt habe tiefe Gräben aufgerissen. Das werde lange dauern, bis diese zugeschüttet seien, war aus der Mitte der zahlreichen Gäste zu hören. Die Umweltministerin stellte die vielseitigen Beteiligungsmöglichkeiten für die Bevölkerung – auch an den Erträgen – heraus. Für Thekla Walker sind die vier Anlagen aus dem ersten Bauabschnitt regenerative Quellen, die zu einer klimaneutralen, sicheren und bezahlbaren Energieversorgung beitragen.
Flora und Fauna geschont
Bei den Planungen wurde auf einen nachhaltigen Umgang mit Flora und Fauna geachtet und einige besondere Maßnahmen umgesetzt. Unter anderem Bruthabitate für die scheuen Waldschnepfen und rund 100 Fledermaus- und Spechtkästen beschafft.
30-jährige Erfahrung
Der Projektentwickler wird den Windpark selbst betreiben. Das Unternehmen ist eine Tochter der BayWa AG und konnte bislang knapp 80 Windparks mit 279 Windrädern realisieren. Zehn davon stehen in Wäldern. Sechs entstehen in Kooperation mit Bürgerbeteiligungsgesellschaften. Davon sind drei in Betrieb genommen worden. Die BayWa r. e. Wind GmbH baut auf deine 30-jährige Erfahrung und beschäftigt 5400 Mitarbeiter.