Kopfschütteln im Bodelshäuser Rathaus: Es wird nichts Neues gebaut, sondern Altes saniert.
Die Endelbergtrasse. Vier Spuren, die sich durch die Grünflächen zwischen Ofterdingen und Mössingen schlängeln. Die umstrittene Ortsumfahrung zwischen Nehren und Bodelshausen soll irgendwann einmal die Blechlawinen des Steinlachtals zerstreuen. Der geplante Aus- und Neubau der B 27 erhitzt weiterhin die Gemüter und zieht den Groll von Anwohnern und Naturschützern auf sich. Von einem Verstoß gegen nationales und europäisches Umwelt-, Natur- und Klimaschutzrecht ist vonseiten der Naturschutzverbände Nabu und BUND die Rede.
Bereits in den 1970ern begann die Planung einer „Neuen B 27“ auf dem Streckenabschnitt. Der erste Baggerbiss wurde aber wieder und wieder verzögert und verschoben. Diesen Spätsommer soll sich nun endlich etwas tun auf der Strecke zwischen Bodelshausen und dem Ortseingang Ofterdingen. Sehr zum Unmut von Bodelshausens Bürgermeister Florian King.
Nabu und BUND reichten Anfechtungsklage ein
Denn die Sanierungsarbeiten an der Fahrbahndecke auf einer Länge von rund 3,2 Kilometern, die das Regierungspräsidium (RP) Tübingen am vergangenen Montag in einer Pressemitteilung ankündigte, könnten aus seiner Sicht das Projekt Endelbergtrasse erneut infrage stellen. Betrachte man den langjährigen Einsatz der Gemeinde Bodelshausen für eine Neutrassierung der B 27, sei die geplante Investition in den bestehenden Streckenabschnitt „nicht nachvollziehbar“, erklärte King in einem offenen Brief an das Planungsteam B 27 und das RP. „Vielmehr entsteht hier doch der Eindruck, dass durch die Sanierung des Bestands Fakten geschaffen werden, die eine Realisierung der Neutrassierung weiter in die Zukunft verschieben oder faktisch infrage stellen.“
Im Februar vergangenen Jahres reichten Nabu und BUND eine Anfechtungsklage gegen die Endelbergtrasse beim Verwaltungsgerichtshof (VGH) Mannheim ein, unterstützt von dem „Bündnis nachhaltige Mobilität Steinlachtal“ und dem Landesnaturschutzverband (LNV). Die Auswirkungen der Trasse auf besonders geschützte Lebensräume, Biotope und Tierarten seien gravierender, als die Planer annehmen, hieß es in der Kritik.
Auch soll die Planungsbehörde den Naturverlust unterschätzt haben. Wälder und Böden, die bislang CO2 speichern, würden dauerhaft versiegelt, ohne ausreichenden Ausgleich. „Die Auswirkungen auf Flora und Fauna wären bei Umsetzung der favorisierten Trasse katastrophal und der Verlust an Natur unwiederbringlich“, erklärte damals Peter Fischer, zweiter Vorsitzender des „Bündnis nachhaltige Mobilität Steinlachtal“.
Darüber, dass es in Mössingen, Ofterdingen und Nehren einer Verkehrsentlastung bedarf, waren sich sowohl Gegner als auch Befürworter des Projektes einig. Und sind es wohl heute noch. Allerdings sei die Variante Endelbergtrasse im Hinblick auf Umweltbelange die schlechteste, und alternative Lösungen wie Tunnel sollten bevorzugt werden.
Verändertes Abwägungsgefüge?
Doch zurück zu der für Juli geplanten Fahrbahndeckenerneuerung. Bodelshausens Bürgermeister befürchtet, dass sich durch die Sanierung das Abwägungsgefüge verändern könnte. „Zustandsbedingte Verbesserungen bei Lärm und Verkehrsfluss könnten dazu führen, dass die Verhältnismäßigkeit zugunsten der bestehenden Trasse neu bewertet werden muss. Dies würde die ohnehin bereits verzögerte Neutrassierung weiter entwerten und letztlich ihre Realisierungschancen erheblich reduzieren.“
„Aus Sicht der Gemeinde Bodelshausen ist es wichtig, dass ein im Bundesverkehrswegeplan als vordringlich eingestuftes Projekt weiterhin mit der entsprechenden Priorität verfolgt wird und parallel dazu keine Maßnahmen entstehen, die dessen Umsetzungsperspektive erschweren könnten“, heißt es weiter.
King bat in seinem Brief auch um ein Statement seitens des RP bezüglich der Auswirkungen der Maßnahmen auf die Neutrassierung, den aktuellen Stand und die Zukunft des Projektes. Florian King und das RP Tübingen wurden um Stellungnahme zum Sachverhalt gebeten. Antworten stehen aus.