Tier und Mensch suchen Vermisste: Die DRK-Rettungshundestaffel Villingen-Schwenningen arbeitet ehrenamtlich – und leistet bei Einsätzen Beeindruckendes.
Vermisste Menschen im Gelände oder in Trümmern finden – das ist das erklärte Ziel der Rettungshundestaffeln. Auch beim Kreisverband Villingen-Schwenningen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) haben sich Mensch und Tier dieser Aufgabe verschrieben.
Dabei gibt es zweierlei Einsatzmöglichkeiten: mit Personenspürhunden – oder großräumig in Wald und Feld mit Flächenhunden. Auch bei Verschüttungen, zum Beispiel durch Gasexplosionen, können in der Trümmersuche ausgebildete Teams herangezogen werden. Welche Anforderungen die Hunde erfüllen müssen? Dirk Winterberg, der stellvertretende Staffelleiter, erklärt’s: „Die Hunderasse ist grundsätzlich erst mal egal. Von ihrem Wesen her müssen sie geeignet, gesund und körperlich leistungsfähig sein.“
Allerdings ist, so erzählt er weiter, zu beachten: Flächensuchhunde sind viel im Wald unterwegs. „Über umgestürzte Bäume zum Beispiel sollten sie schon drüber kommen – und durch dichte Brombeersträucher, da braucht es Masse und Kraft“, erklärt der Fachmann hier. Für einen Mops oder eine französische Bulldogge wird’s zudem mit ihren speziellen Nasen schwierig, Fährten korrekt aufzunehmen.
Ein ganzer Anforderungskatalog
Einen geeigneten Geruchssinn sollten die Tiere haben und auch unter Belastung arbeiten. Sie sollten möglichst temperamentvoll sein, lernfreudig und gut motivierbar. „Der Hund muss es auch wollen“, sagt Dirk Winterberg, „wenn er keine Lust hat, dann nützt es nichts.“
Zudem sollten die Tiere ein „verlässlich entwickeltes Sozialverhalten“ gegenüber Artgenossen und Menschen haben. Ein hupendes Auto zum Beispiel darf sie nicht aus der Ruhe bringen. Und auch ein EU-Heimtierausweis oder ein Impfausweis wird verlangt, und sie müssen über einen dokumentierten Mikrochip eindeutig identifizierbar sein.
Viel Idealismus ist dabei
Und die Anforderungen an den Hundeführer? Da braucht’s vor allem Motivation und auch eine ordentliche Portion Idealismus. Denn neben dem zeitlichen Aufwand ist auch noch einiges mehr an Eigenleistung gefordert. Dirk Winterberg nennt ein Beispiel: Obligatorisch ist nämlich eine Haftpflichtversicherung, die der Hundeführer haben muss. „Wir müssen im Prinzip alles selbst zahlen“, berichtet der Vize-Staffelleiter. Einzige Ausnahme: Wenn dem Hund im Einsatz etwas zustößt, werden etwa die Tierarztkosten anderweitig getragen. Die Hundeführer müssen im Übrigen aktiv einer DRK-Bereitschaft angehören, im Fall der VS-Staffel ist das vor allem der Ortsverein Schwenningen.
„In den Einsatz darf nur das geprüfte Team“, erzählt Dirk Winterberg weiter. Zunächst ist das Bestehen der standardisierten Begleithundeprüfung erforderlich. Hier werden Gehorsam, Sozialverträglichkeit und ein sicheres Verhalten in der Öffentlichkeit getestet. Die Hunde müssen mindestens 16 Monate alt sein, wenn sie schließlich in die Rettungshundeteamprüfung gehen – und ihre Hundeführer müssen etliche theoretische Module absolviert haben – von der Grundausbildung Sanität über Erste Hilfe am Hund und Sprechfunkausbildung bis hin zur Einsatztaktik.
Enorme Leistungen
Manche Hunde schaffen es, sowohl die Mantrailer- als auch die Flächenhunde-Ausbildung erfolgreich zu absolvieren. Angestrebt wird aber schon eher eine Spezialisierung. Die Prüfung selbst ist für die Flächensuchhunde extrem herausfordernd: Sie haben ein riesiges, 45 000 Quadratmeter großes Gelände abzusuchen – und sie haben nur 30 Minuten Zeit, hier zwei versteckte Personen aufzustöbern. „Das ist eine enorme Leistung der Hunde“, sagt Dirk Winterberg, „und auch der Hundeführer muss fit sein.“
Auch die Mantrail-Prüfung hat es in sich: Hier verfolgen die Prüflinge eine bis zu 1,8 Kilometer lange und mindestens zwölf und bis zu 30 Stunden alte Spur, und sie haben maximal eine Stunde Zeit, fündig zu werden. Dafür bekommen sie einen Gegenstand unter die Nase gehalten, der nur den Geruch der gesuchten Person trägt.
Die Ausbildung bis dahin ist intensiv und dauert zwei bis drei Jahre. Die Hunde sind auf menschlichen Geruch spezialisiert und zeigen nur Menschen an, die sich nicht mehr bewegen. Sie sind aber keine Leichenspürhunde und werden auch nicht für die Strafverfolgung eingesetzt, sondern rein für Rettungseinsätze. Derer 16 hatte die VS-Kreisstaffel im vergangenen Jahr und in diesem auch schon mehrere. Angefordert werden die Hund-Tier-Teams stets und ausschließlich durch die Polizei.
Alles im Ehrenamt
„Ein Sucheinsatz kann schon mal sechs Stunden dauern, manchmal findet er nachts oder bei schlechtem Wetter statt“, erläutert Dirk Winterberg weiter. Er und seine Mitstreiter sind alle ehrenamtlich tätig – was heißt: Nach einem nächtlichen Einsatz, und dauert er auch noch so lange, müssen sie anderntags in der Regel wieder ganz normal zur Arbeit. Anders als bei der Feuerwehr fällt ihr Bereich nicht unter das Katastrophenschutzgesetz, was dazu führt, dass bei Dienstausfällen durch Einsätze die meisten Arbeitgeber zwar verständnisvoll sind, aber Fehlzeiten in der Regel nachgearbeitet werden müssen.
Wie die Hunde einen Fund anzeigen, ist Veranlagungssache: Die einen verbellen, andere sind sogenannte Bringselhunde, die eine Kordel zwischen die Zähne nehmen, wenn sie fündig geworden sind, und die sogenannten Rückverweiser pendeln zwischen Fund und Hundeführer eifrig hin und her. Ihr aller Ziel ist nicht das Lob, sondern die Belohnung, entweder eine Runde ausgiebiges Spielen oder ein feines Leckerchen.
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Die Staffel des Kreisverbands
Die Rettungshundestaffel des DRK-Kreisverbands ist unter rettungshundestaffel@drk-vs.de erreichbar. Ihr Materiallager hat die Staffel seit einiger Zeit in ihrem Depot im Schwenninger Kugelmoos. Sie kann auf bewährte Kräfte zählen. Aktuell verfügt die Staffel über drei geprüfte Teams im Flächensuchebereich (und zehn in Ausbildung) und über zwei im Bereich Mantrail (und zwei in Ausbildung). Training ist immer dienstags um 17 Uhr und samstags um 9.30 Uhr. Hinzu kommen mitunter auch noch separate Übungseinheiten für Mantrailer-Hunde.
Der Bus
Angewiesen ist die Staffel im Übrigen auf Spenden. Der Bus, in dem die notwendigen Materialien und auch die Teams transportiert werden, ist über 20 Jahre alt. Hierfür läuft eine Sammelaktion unter https://gofund.me/62b83e0c. Die Sucheinsätze sind kostenfrei. Einnahmen werden auf diese Weise nicht generiert.