Hartmut Ostertag ist einer der Fahrer des Bürgerautos. Foto: Jansen

Seit November gibt es in Wildberg ein Bürgerauto, etwa für Fahrten zum Einkaufen innerhalb von Wildberg oder Arztbesuche. Was es zu wissen und zu beachten gilt.

Der Körper und vielleicht die Augen machen nicht mehr so mit und eigentlich lohnt es sich nicht mehr, ein Auto mit allen Kosten zu unterhalten – vor allem ältere Menschen setzen sich damit auseinander, das Auto oder sogar das Autofahren ganz aufzugeben. Im ländlichen Raum dann aber zu Ärzten oder zum Einkaufen zu kommen, kann ohne Auto eine Herausforderung werden.

 

Diese Lücke füllt seit November der Stadtseniorenrat mit seinem neuen Bürgerauto. Montags bis freitags ist es jeweils von 8.30 bis 17.30 Uhr im Einsatz und fährt etwa zum Einkauf innerhalb von Wildberg. Arztbesuche sind auch außerhalb der Stadt möglich: In Calw, Nagold, Herrenberg, Deckenpfronn, Neubulach und Rotfelden. Angemeldet werden muss es einen Tag vorher.

Den Wunsch nach einem Bürgerauto gab es schon länger. Als Kreisseniorenrat-Vorsitzender Eberhard Fiedler im Auftrag der Stadt auf den Stadtseniorenrat zukam, wurde das Projekt dann auch in die Tat umgesetzt. Inspiration gab es viel: Etwa aus Neubulach, Ebhausen und Oberreichenbach, die schon länger ein Bürgerauto betreiben. Die Verantwortlichen konnten sich dort informieren, wie es dort funktioniert und Informationen und Ideen sammeln.

Mehr als 20 Fahrer sind mit an Bord und fahren nach festen Plänen. „Es läuft wie verrückt“, freut sich Fiedler. „Die Rückmeldungen sind nur positiv“, berichtet Stadtseniorenrat-Vorsitzender Erhard Wacker.

Allein im November gab es 50 Fahrten

Dass das Projekt gut angenommen wird, zeigen auch die Zahlen. Allein im November wurden 50 Fahrten gefahren, 28 davon in Wildberg, 22 gingen zu Ärzten außerhalb des Stadtgebiets. „Das wird gebraucht und mittlerweile auch geschätzt“, meint er.

Auch die ehrenamtlichen Fahrer haben Freude daran. „Es macht Spaß“, sagt Fiedler, der auch selbst hinterm Steuer sitzt. Fahrer Helmut Ostertag, den wir einen Tag später treffen, bestätigt das: „Die Leute freuen sich und sind zufrieden. Sie nehmen es gern in Anspruch.“

Zwei Euro pro Fahrt in Wildberg, vier Euro für außerhalb

Finanziell wird das Projekt von der Stadt getragen. Die Fahrgäste zahlen einen kleinen Beitrag von zwei Euro in Wildberg und vier Euro zu Zielen außerhalb des Stadtgebiet. Hin- und Rückfahrt gelten dabei als zwei Fahrten. Auch Spenden sind willkommen.

Denn das Bürgerauto kostet natürlich auch: Die Leasing-Rate, eine kleine Ehrenamtspauschale als Anerkennung für Fahrer und Disponenten, Sprit und die üblichen Nebenkosten fürs Auto, wie Versicherung.

Wer nicht genau weiß, wie lange der Arzttermin dauert, erhält eine Visitenkarte. Über diese Nummer kann dem Fahrer dann Bescheid gegeben werden, wenn der Termin beendet ist.

Gerufen werden kann das Bürgerauto nur über die zentrale Nummer: 0163/218 71 31, von Montag bis Freitag von 10 bis 12 Uhr. Dort nehmen sogenannte „Disponenten“ die Fahrten an. Die Fahrer selbst nehmen keine Fahrtaufträge entgegen. Dabei gilt auch: Es kann sein, dass es nicht klappt. Denn wenn das Bürgerauto schon zu einer Uhrzeit unterwegs ist, ist es ausgebucht.

Manchmal lassen sich Fahrten zusammenlegen, wenn das Ziel zu ähnlichen Uhrzeiten gleich ist. Aber: „Wir haben auch schon Nein sagen müssen“, stellt Fiedler klar. Denn Stress soll für die ehrenamtlichen Fahrer natürlich auch nicht aufkommen.

Rollator ja, Krankenfahrt nein

Auch wichtig: Das Bürgerauto kann keine Krankenfahrten machen. Wer auf einen Rollstuhl angewiesen ist oder nicht mehr selbstständig aus und einsteigen kann, kann leider nicht mitfahren. Rollatoren hingegen können verstaut werden.

Das Bürgerauto wird nun ein Jahr lang getestet. Danach wird Bilanz gezogen. Jedoch schon jetzt, nach einem Monat ist klar: Das Angebot würde wohl vermisst werden.