Maria und Jürgen Kistner aus Vollmaringen gaben sich vor 50 Jahren das Ja-Wort. Ortsvorsteher Daniel Steinrode (rechts) gratulierte. Foto: Daniela Steinrode

Ein halbes Jahrhundert voller Liebe, Engagement und gelebter Gemeinschaft: Jürgen und Maria Kistner aus Vollmaringen feierten goldene Hochzeit.

Aus diesem Anlass gratulierte Ortsvorsteher Daniel Steinrode dem Ehepaar im Namen des Vollmaringer Ortschaftsrates. Er überreichte die Ehrenurkunde des Landes Baden-Württemberg sowie ein Präsent der Ortsverwaltung und würdigte das außergewöhnliche Wirken der beiden für die Ortschaft Vollmaringen.

 

Die Feier zum 50-jährigen Bestehen der Ehe begannen mit einer feierlichen Andacht in der Kirche – ein für das Paar besonders bedeutungsvoller Moment, denn der christliche Glaube und die Verbundenheit mit der Kirchengemeinde prägen ihr gemeinsames Leben seit Jahrzehnten.

Für diese Zeit miteinander sind die beiden Eheleute sehr dankbar. Maria Kistner formulierte es selbst mit bewegten Worten: „Wir fühlen viel Dankbarkeit, dass man das erleben darf.“

Kennengelernt haben sich Jürgen und Maria in der Silvesternacht 1969 – bei einem Fest in der Baisinger Straße in Vollmaringen. Noch vor der Hochzeit bauten sie gemeinsam ihr Haus.

Jürgen Kistner blickt auf eine beeindruckende Lebensleistung zurück: 49 Jahre lang arbeitete er beim Finanzamt. Parallel dazu engagierte und engagiert er sich noch immer überaus intensiv ehrenamtlich – besonders in den Bereichen Inklusion, Sport und Lebenshilfe. Er war Gründungskraft und ist langjähriger Motor einer Kooperation zwischen Sportverein und Lebenshilfe, die 1986 begann und im kommenden Jahr ihr 40-jähriges Bestehen feiert.

Insgesamt organisierte Jürgen in seiner aktiven Zeit Förderprojekte, durch die rund 2,5 Millionen Euro an Zuschüssen für die Lebenshilfe und den Sportverein gewonnen werden konnten – ein wahrer Meilenstein im sozialen Miteinander der Region und für die Ortschaft Vollmaringen.

Engagement mit Verdienstkreuz gewürdigt

Mehr als 17 Jahre war Jürgen Kistner Vorsitzender beziehungsweise Vorstandssprecher des Sportvereins, zeitweise in einer Doppelspitze, danach kommissarisch, um im Anschluss noch einmal das Amt des Vorstandssprechers zu übernehmen – bis er 2004 zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde. In dieser Zeit wuchs die Mitgliederzahl von 350 auf mehr als 800, ein bemerkenswerter Erfolg. Auch der Bau der Gemeindehalle fällt in diese Amtszeit.

Sein Engagement wurde 2016 mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt. Doch auch danach blieb er in beratender Funktion etwa bei der Lebenshilfe aktiv – stets an seiner Seite: Ehefrau Maria. Sie war über viele Jahre hinweg in der Tagespflege der Lebenshilfe tätig und ebenfalls treibende Kraft im Ehrenamt.

Maria Kistner engagierte sich ab 1991 als Kirchengemeinderätin und war ab dem 1. Januar 2000 als Sekretärin in der katholischen Kirche in Vollmaringen tätig – bis heute hilft sie dort ehrenamtlich. Beruflich begann sie in der Näherei, wechselte später zur Volksbank und war zuletzt in der Geschäftsstelle in Gündringen tätig.

Inklusion ist ihnen eine Herzensangelegenheit

Eine Herzensangelegenheiten war die Initiative „Aktion Einfach Macher“ des Württembergischen Landessportbunds, bei der gemeinsam mit der Lebenshilfe Barrierefreiheit im Verein geprüft wurde. Als praktisches Ergebnis entstand unter anderem ein Treppenlift im Sportheim Vollmaringen, und im vergangenen Jahr wurde der Inklusionsspielplatz auf dem Vollmaringer Sportgelände eingeweiht.

Neben all diesem Engagement kommt auch das Private nicht zu kurz: Jürgen und Maria haben einen Sohn, Matthias, und zwei Enkelkinder. Auch mehrere Vollmaringer Patenkinder gehören zur eng verbundenen Familie.

Mit einem Augenzwinkern erzählen die beiden, wie Jürgen in Vollmaringen oft „der Lutherische“ oder „der Reformierte“ genannt wurde – in Anspielung auf seine protestantische Herkunft aus Iselshausen in einem damals stark katholisch geprägten Ort. Noch heute leben die Eheleute Kistner genau diese Vielfalt und Offenheit vor – im Alltag, im Ehrenamt und in ihrer Ehe.