In wenigen Monaten steht in Calw ein riesiger Umzug an: vom alten ins neue Krankenhaus. Doch was geschieht mit dem Altbau? Darauf gibt es jetzt eine Antwort. Zumindest fast.
Ein wichtiges Kapitel der Calwer Stadtentwicklung beginnt: Die Stadt Calw übernimmt das ehemalige Krankenhausareal vom Landkreis Calw. Das haben Stadt und Landkreis am Freitagmorgen in einer Pressemitteilung bekanntgegeben.
Nach dem Umzug der Klinik auf den neuen Gesundheitscampus wird die Stadt die rund vier Hektar große Fläche samt der bestehenden Gebäude vollständig übernehmen und eigenverantwortlich weiterentwickeln.
Neues Stadtquartier soll auf Krankenhaus-Areal entstehen
Ziel ist es, auf dem markanten Gelände oberhalb der Innenstadt ein neues Stadtquartier zu schaffen. Die Stadt hat bereits Förderanträge beim Land Baden-Württemberg gestellt, um das Areal als Sanierungsgebiet auszuweisen.
Damit soll eine finanzielle Unterstützung im Rahmen der Städtebauförderung gesichert werden. Diese Unterstützung soll sicherstellen, dass die umfangreichen Aufgaben, von Abbruch und Erschließung bis zur Schaffung neuer Wohn- und Grünflächen, finanziell tragfähig umgesetzt werden können.
Oberbürgermeister Florian Kling sieht in der Übernahme einen historischen Schritt: „Die Übernahme des Krankenhausareals ist ein großer Schritt für Calw. Wir übernehmen hier eine enorme Verantwortung. Die Entwicklung dieses besonderen Areals wird uns über Jahre fordern. Gleichzeitig ist es aber eine einmalige Chance, mitten in der Stadt neuen Wohnraum und zusätzliche Lebensqualität zu schaffen.“
Der Prozess werde mit Sorgfalt und breiter Bürgerbeteiligung gestaltet. Mit Unterstützung durch die Städtebauförderung sei er zuversichtlich, dieses Großprojekt erfolgreich umsetzen zu können, das zu einem „Vorzeigeprojekt für nachhaltige Stadtentwicklung“ werden könne. Aber: „Ohne die Rückendeckung des Landes könnten wir ein solches Vorhaben finanziell nicht stemmen.“
Kreishaushalt soll entlastet werden
Landrat Helmut Riegger begrüßt die Vereinbarung ebenso: „Für den Landkreis ist der Verkauf des alten Krankenhausareals die logische Konsequenz nach dem Umzug auf den neuen Gesundheitscampus. Die Stadt Calw kann als Planungsträgerin am besten eine sinnvolle Nachnutzung im Stadtzentrum sicherstellen.“
Zudem entlaste dieser Schritt nach den großen Investitionen in den Gesundheitscampus und die Krankenhäuser Calw und Nagold den Kreishaushalt. „Der Landkreis und die Stadt haben eine faire Grundstücksvereinbarung getroffen.“
Die Stadt Calw hat die Nachnutzung des Areals bereits intensiv vorbereitet. Gemeinsam mit der Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH wurden verschiedene Gutachten und eine erste Machbarkeitsstudie erarbeitet. Sie legt die Leitlinien für die künftige Entwicklung fest: neue Wohnangebote für mehrere hundert Menschen, generationengerechtes Wohnen, Grün- und Freiflächen sowie die Schaffung einer lebendigen Quartiersstruktur mit kurzen Wegen sind geplant.
Ein zentrales Ziel sei die bessere Anbindung des Quartiers an die Innenstadt und den öffentlichen Nahverkehr. Vorgesehen sind neue Fuß- und Radwege, die das Gelände direkt mit dem ZOB, der Hermann-Hesse-Bahn-Haltestelle und der Altstadt verbinden.
Ergänzt werden soll dies durch klimaangepasste Bauweisen, Energieeffizienz, Begrünung und ein nachhaltiges Mobilitätskonzept. Ebenso wichtig sei die Anpassung an den demografischen Wandel, zum Beispiel durch barrierefreie Wege und generationengerechtes Wohnen. Die nächsten Schritte sind die Aufstellung eines Bebauungsplans, eine städtebauliche Konzeption und die Festlegung des neuen Sanierungsgebiets durch den Gemeinderat.
Das alte Krankenhaus wurde 1913 errichtet und über Jahrzehnte erweitert. Aufgrund der steilen Topografie, der alten Gebäudestruktur und moderner Anforderungen war eine Weiterentwicklung am Standort kaum mehr möglich.
Nachnutzungen für Krankenhaus-Gelände schon 2013 untersucht
In einer Machbarkeitsstudie 2013 untersuchten Stadt und Planer mögliche Nachnutzungen, kamen jedoch zu dem Ergebnis, dass die bauliche Struktur einer modernen Nutzung im Wege steht. Der Neubau des Klinikums auf dem Gesundheitscampus in Stammheim war daher der konsequente Schritt.