Urkomisch: Johannes F. Kretschmann und Hanna Stauß im K3 Foto: Karina Eyrich

Das ist Bildungsfernsehen, ohne die Glotze einschalten zu müssen: „Schwäbisch vom Feinschda“ haben Johannes F. Kretschmann und Hanna Stauß dort fortgeschrieben, wo sie einst ihre erste szenische Lesung mit „Dichtung – Drama – Deftigem“ hielten.

Wer seine eigene Mundart neu entdecken oder überhaupt erst einmal lernen will, ist im K3 richtig: Doch nicht nur für Hochdeutsch-Schwaben – manche können’s eben doch! – , sondern auch für Dialekt-Fans dozieren im Winterlinger Theater zwei Mundart-Profis über „Schwäbisch vom Feinschda“.

 

Johannes F. Kretschmann, der JFK von Laiz, und die Inneringer Schauspielerin Hanna Stauß haben vor anderthalb Jahren im K3 begonnen, die Erfolgsgeschichte dieses amüsanten Programms mit Werken schwäbischer Autoren – darunter auch JFK selbst – zu schreiben. Seither schreiben sie diese auch inhaltlich fort, entdecken bei Lesungen in Stadt und Land immer wieder neue Perlen.

„Südlich des Bauchnabels“ unterwegs

Etwa die Autorin Ingrid Koch, die laut Stauß „entlarvt, warum der Schwabe quasi zweisprachig aufwächst, aber rein bildungstechnisch nichts davon hat“: Es geht um „Schwenglisch“, die englischen Begriffe im Schwäbischen Text, mit denen Koch ihre köstlichen Gedichte rund um Alltagssituationen würzt. Alkoholkontrolle nach der Geburtstagsfeier? Da gibt’s was zu lachen. Und die „Gleichberechtigung“ zäumt Koch an der Frage auf, ob Frauen sich heutzutage jüngere Geliebte leisten dürfen – wie die Männer seit ehedem.

Das Publikum durfte mitsingen – links vorne: Manfred Mai. Foto: Eyrich

Mit Hugo Brotzer und seinen „Schwäbische Schöpfonga“ bleiben die beiden „südlich des Bauchnabels“, wie Kretschmann süffisant ankündigt, wählen aber auch Sebastian Sailers Original „Die Schöpfung“, wenn sie den Sündenfall auf eine schwäbische Streuobstwiese verlegen, wo die Äpfel noch unwiderstehlicher sind als im Paradies.

Ein Komödiant ersten Ranges

Dass in Kretschmann, dem Literaturwissenschaftler, Autor und Kommunalpolitiker, ein Komödiant ersten Ranges steckt, entdecken die vergnügten Zuschauer spätestens, wenn er mit dem Apfel flirtet und nach mehreren Bissen gewahr wird, was er da angerichtet hat.

Wüste gegenseitige Beschimpfungen, wie sie zwischen Adam und Eva folgen, tragen den ganzen Abend über zum Gaudium des Publikums im voll besetzten K3 bei, denn Leckerbissen aus Taddäus Trolls „Schimpfwörterei“ – „Kreuzbieradackel!“, „Daube Mischde!“ – sind fester Bestandteil des sich ansonsten ständig wandelnden Programms, dem schon der nächste neue Einfluss bevorsteht:

Ein weiterer Promi mischt mit

Die Verabredung zwischen Stauß, Kretschmann und Manfred Mai, der im K3 mit den anderen Zuschauern lacht, ist schon getroffen, und Mai ist bekanntlich nicht nur ein europaweit bekannter Kinderbuchautor, sondern mehr und mehr auch Erzähler von Geschichten aus der Region. Diese Liaison verspricht besser zu funktionieren als jene Evas mit der Schlange.

Der Gsälzbär ist ein besonders Süßer

Einen Ausgleich zu den Schimpfwörtern, die noch komischer klingen, wenn zwei Ur-Schwaben sie auf Hochdeutsch erklären, sind übrigens die Kosenamen, die das Publikum auf Zetteln zuliefert: „An mi na Schlupferle“ ist ein besonders schöner, „Mei Schafferle“ ein besonders schwäbischer und „Mein Gsälzbär“ ein besonders süßer.

Schwäbisch und vegan? Das geht sogar mit Komik!

Im Werbeblock des Abends stellt Pantomime-Künstlerin Hanna Stauß das schwäbische und vegane Rezept ganz köstlich szenisch dar, das Kretschmann aus dem von ihm mitverfassten Kochbuch vorliest.

„Brot kaa schimmle, was kaasch Du?“ Diese Frage stellt den beiden quietschfidelen Darstellern am Ende von anderthalb überreichen Stunden keiner aus dem Publikum: Wer schwäbische Geschichte, Literatur und Heimatkunde, so schön verpackt, darf zu Recht von sich behaupten, „Schwäbisch vom Feinschda“ serviert zu haben.