Drei Stunden Zeit nahm sich ein illustrer Kreis von Wissenschaftlern um das Atomkellermuseum in Haigerloch zu besichtigen. Foto: Fechter/Birgit Fechter

Unter der Überschrift „Ein neuer Blick der Wissenschaft auf das deutsche Uranprojekt 1939 bis 1945“ fand ein Symposium der Heisenberg-Gesellschaft im Empfinger Hof statt. Natürlich machte die Gruppe auch einen Abstecher ins Atomkellermuseum.

Hochrangige Physikprofessoren aus ganz Deutschland, aus den Niederlanden und aus den USA hielten entsprechende Vorträge im Rahmen des dreitägigen Symposiums.

 

Den Auftaktvortrag hielt Alexander Blum, Professor am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin mit dem Thema „Die Grundlagen des Uranium-Clubs im Spiegel der theoretischen Physik“. Manfred Popp, Physikprofessor und ehemaliger Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Karlsruhe, widmete sich als wissenschaftlicher Koordinator der gesamten Veranstaltung den experimentellen Grundlagen des Uranvereins.

Piet de Klerk aus den Niederlanden betrachtete anschließend die Besonderheiten des deutschen Uranprojektes. Johannes Bluemer, Professor am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), und Präsident der Heisenberg-Gesellschaft, erweiterte den Rahmen mit einem Vortrag über Werner Heisenbergs Arbeiten über die kosmische Strahlung.

Im Atomkellermuseum drei Stunden verbracht

Am zweiten Tag stand dann das Atomkellermuseum in Haigerloch im Mittelpunkt. Als Vorbereitung auf den Besuch hielt Egidius Fechter, der das Museum in seiner heutiger Form eingerichtet hat, einen Vortrag zur Geschichte des Museums, in dem er die Verlagerung des Forschungsinstituts von Berlin nach Haigerloch zum Ende des Zweiten Weltkriegs beleuchtete, aber auch die Entstehung des Atomkellermuseums in den 1970er Jahren und dessen Eröffnung im Jahr 1980. Für den anschließenden Besuch des Museums nahmen sich die Wissenschaftler drei Stunden Zeit.

Haigerlocher Reaktor mit neuesten Simulationen durchgerechnet

Bürgermeister-Stellvertreter Markus Gauss begrüßte im Namen von Bürgermeister Heiko Lebherz die internationale Runde im Museum. In kleinen Gruppen wurden die unterschiedlichen Aspekte der Uranforschung diskutiert, der Reaktor vor allem aus heutigen physikalischen Gesichtspunkten betrachtet und die Experimente neu bewertet.

Michael Thorwart, Professor am Physikalischen Institut der Universität Hamburg, der an seinem Institut eine Masterarbeit betreut, in dem der Haigerloch Reaktor mit neuesten Computersimulationen durchgerechnet wird, konnte auch erste Ergebnisse präsentieren.

Wissenschaftler auch in der Schlosskirche

Die Wissenschaftler ließen es sich auch nicht nehmen, einen Blick in die Schlosskirche direkt oberhalb des Atomkellermuseums zu werfen und waren auch von der Haigerlocher Schlossanlage sehr angetan, aber auch ein bisschen enttäuscht, dass die Tagung nicht wie ursprünglich geplant im Schloss stattfinden konnte.

Am Nachmittag richtete sich der Blick über den Atlantik auf das „Manhattan Project“. Bruce Cameron Reed, Physiker und Professor am Alma College in Michigan, hielt einen Vortrag über die Entwicklung des amerikanischen Atombombenprojektes. Joseph McCauley, Professor für Physik an der Universität von Houston, verglich dann die Berechnungen von Heisenberg, die er im August 1945 in der Internierung deutscher Atomwissenschaftler in Farm Hall über die kritische Masse gemacht hatte, mit den Ergebnissen des Manhattan-Projekts.

Diskussion mit Historikern und Journalisten

Ron Dagan, Professor am KIT, betrachtete schließlich die Experimente von Hartek und Heisenberg in den 1940er Jahren im Lichte der modernen Reaktorphysik. Am dritten Tag gab es eine zweistündige Abschlussdiskussion zwischen Wissenschaftshistorikern, Wissenschaftsjournalisten und den Referenten.