Auch am Abend nach der Explosion sind noch viele Kräfte im Einsatz. Foto: Jannik Nölke

Tragisches Unglück in der Tailfinger Josefstraße: Eine dreiköpfige Familie stirbt bei einer Gasexplosion. Rund 200 Einsatzkräfte sind beteiligt. So lief der Großeinsatz ab.

Es muss ein ohrenbetäubender Knall gewesen sein, der halb Tailfingen am Donnerstagmorgen gegen kurz nach fünf Uhr geweckt hat: In der Josefstraße ist es in einem Gebäude nach derzeitigem Kenntnisstand zu einer Gasexplosion gekommen. Die Feuerwehr Albstadt wurde mit dem Stichwort „F5_Gasexplosion“ alarmiert. Das höchstmögliche Alarmstichwort, das die Feuerwehr erreichen kann. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte war das Gebäude bereits vollends eingestürzt; eine Brandstelle hatte sich gebildet.

 

Vor Ort bot sich den insgesamt mehr als 200 Einsatzkräften von Feuerwehr, DRK, Polizei und THW ein Bild der Zerstörung. An der Unglücksstelle lagen zahlreiche Trümmerteile, die sich zu einem großen Haufen aus Holzresten, Möbelteilen und weiteren haushaltsüblichen Materialien aufgetürmt hatten. Der Einsatzort wurde von der Polizei großräumig abgesperrt.

Wie Oberbürgermeister Roland Tralmer in einer rasch einberufenen Pressekonferenz am Vormittag in der Technologiewerkstatt mitteilte, sind in dem betroffenen Haus drei Personen – eine Familie – gemeldet. Und weiter: „Wir haben Anlass zu der Annahme, dass sich zum Zeitpunkt der Gasexplosion diese Personen auch im Haus befunden haben könnten.“

Trümmerhunde im Einsatz

Gegen 13.30 Uhr bestätigte ein Polizeisprecher, was zu befürchten war: Drei tote Personen wurden von den Einsatzkräften unter den Trümmern gefunden. Man müsse davon ausgehen, dass es sich um die Bewohner des Hauses handele. Noch seien die Leichen aber nicht identifiziert. Nach Polizeiangaben hat in dem Gebäude eine junge Familie gelebt. Der Vater 33 Jahre alt, die Mutter 30 Jahre alt, das Kind sechs Jahre alt.

Kurz darauf verbreitet die Stadtverwaltung eine Presseinformation. In dieser heißt es: „In tiefer Trauer müssen wir mitteilen, dass die drei bislang vermissten Personen nach dem Explosionsunglück und dem völligen Zusammensturz des Wohngebäudes in der Josefstraße in Albstadt-Tailfingen nur noch tot geborgen werden konnten. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen, den Freunden und der Familie der Opfer.“

Wie Markus Haas, Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Zollernalb, erklärte, sei mit Hochdruck nach den Personen gesucht worden. Im Einsatz waren auch speziell ausgebildete Trümmerhunde.

Explosion mit großer Wucht

Stadtbrandmeister Thomas Daus ergänzte, dass die Bergungsarbeiten eine große Herausforderung darstellten. Weil nicht gesichert war, ob sich die Bewohner des Hauses tatsächlich unter den Trümmern befanden, mussten die Einsatzkräfte äußerst behutsam vorgehen und zunächst auf große Gerätschaften beim Bewegen der Trümmerteile verzichten.

Pressekonferenz am Donnerstagvormittag in der Technologiewerkstatt: (von links): Markus Haas, Geschäftsführer DRK-Kreisverband Zollernalb, Stadtbrandmeister Thomas Daus, Erster Bürgermeister Roland Schmidt, Katja Miller vom Amt für Katastrophenschutz im Landratsamt, Oberbürgermeister Roland Tralmer, Regierungspräsident Klaus Tappeser, Polizeisprecher Michael Schaal und Bürgermeister Steve Mall. Foto: Roth

Die Wucht der mutmaßlichen Gasexplosion wird durch teils erheblich beschädigte Nachbargebäude verdeutlicht. Wie Roland Schmidt, Erster Bürgermeister, erläuterte, mussten Bewohner von sieben bis neun der umliegenden Häuser evakuiert werden. Unter anderem Fenster sind zerborsten.

Gebäude werden untersucht

Am Donnerstagvormittag zeigten sich Tralmer und Schmidt optimistisch, dass die Nachbargebäude keine strukturellen Schäden davongetragen haben und diese zeitnah bewohnbar gemacht werden können. Zu diesem Zeitpunkt stand eine weitergehende Untersuchung durch Sachverständige aus. Nachmittags sollten Handwerker die Gebäude zumindest provisorisch wieder bewohnbar machen. Am frühen Abend informierte die Polizei, dass zwei der benachbarten Wohnhäuser vorübergehend nicht mehr bewohnbar seien, die restlichen Gebäude im näheren Umfeld könnten nach Prüfung durch Statiker und Feuerwehr jedoch wieder betreten werden.

Gaszufuhr unterbrochen

Die Gaszufuhr der Häuser in der betroffenen Straße sei nach dem Unglück unterbrochen worden. Für die Rettungskräfte habe während der Bergungsarbeiten keine Gefahr bestanden. Eine Spezialeinheit habe dies durch ständige Gasmessungen sichergestellt.

Insgesamt rund 200 Einsatzkräfte bündelten ihre Kräfte am Donnerstag in Albstadt. Foto: Roth

Die rund 30 Nachbarn und Angehörige wurden während des Einsatzes in einer nahe gelegenen städtischen Turnhalle versorgt und bei Bedarf auch psychosozial betreut. Wie Markus Haas vom DRK-Kreisverband informierte, habe es in der Halle und im Umfeld der Unglücksstelle drei Verletzte zu versorgen gegeben. Eine davon habe einen Kollaps, vermutlich wegen der psychischen Belastung, erlitten.

„Plan B“ für Nachbarn

In der Halle hatte sich Bürgermeister Steve Mall ein Bild von der Lage gemacht und mit den Betroffenen gesprochen. Er sicherte zu, dass die Stadt Albstadt – sollten die Gebäude bis in die Abendstunden nicht bewohnbar sein –, sich um Unterkünfte für die Nachbarn kümmern werde. Die Stadt habe, so Mall wörtlich, einen „Plan B in der Tasche“.

Die Einsatzstelle war weiträumig abgesperrt. Foto: Roth

Das Ausmaß der Katastrophe zeigte sich auch darin, dass nicht nur Einsatzkräfte aus Albstadt, Balingen und dem weiteren Zollernalbkreis vor Ort waren. Angerückt sind auch Einheiten der Feuerwehren aus dem Landkreis Sigmaringen und Tuttlingen. Sowohl OB Tralmer als auch Klaus Tapesser, Präsident der Regierungspräsidiums Tübingen, lobten die sogenannte Blaulichtfamilie: „Die Zahnräder der Rettungsorganisationen greifen ineinander“, betonte Tappeser. Und Tralmer ergänzte: „Die Bevölkerung kann sich auf die Einsatzkräfte verlassen.“

Kripo ermittelt

Die Ermittlungen zur konkreten Ursache der Explosion dauern an. Die Kripo vom Kriminalkommissariat Balingen ermittelt und die Spurensicherung überprüfte unter anderem angrenzende Gärten nach Hinweisen, die Aufschluss über die Tragödie geben könnten.

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