Bühler’s Marktplatz in Ottenbronn schließt zum 29. Juli. Foto: Jeanette Tröger

Aus wirtschaftlichen Gründen schließt der Dorfladen in Ottenbronn. Doch es gibt Hoffnung auf eine Nachfolge.

Vor einem Jahr herrschte in Ottenbronn große Freude. Die bisherige Ladenbetreiberin wollte nach 30 Jahren in den Ruhestand gehen. Die wichtige Nahversorgung im Althengstetter Ortsteil Ottenbronn konnte jedoch nahtlos unter der neuen Firmierung Bühler’s Marktplatz weiterbestehen. Aus wirtschaftlichen Gründen beendet das junge Betreiberpaar sein Engagement nun wieder, der Laden ist letztmalig am 29. Juli geöffnet.

 

Die Hiobsbotschaft machte zuerst in den sozialen Medien die Runde. Unsere Redaktion hat mit dem Ladenbetreiber Benedikt Bühler wie auch mit Althengstetts Bürgermeister Rüdiger Klahm gesprochen.

Rückblick

Die Ottenbronner konnten sich glücklich schätzen, hatten sie doch in den vergangenen 30 Jahren stets einen Laden im Ort, der die Nahversorgung sicherstellte. Als Aysel Gutekunst, die Inhaberin und, man kann es so sagen, die Seele dieses Anlaufpunktes in der Ortsmitte, ankündigte, dass sie in den Ruhestand gehen wollte, war naturgemäß die Aufregung groß. Wie geht’s dann weiter? Denn für die großen Ketten sind kleine Dorfläden nicht attraktiv. Umso glücklicher schätzten sich die Ottenbronner und mit ihnen der Ortschaftsrat und die Althengstetter Verwaltung, dass sich mit Benedikt Bühler und Marie-Sophie Kirchherr ein junges Paar mit Wurzeln in Gechingen und Althengstett gemeldet hat, das diesen Laden weiterführen wollte. Anfang Juni 2024 wurde die Eröffnung mit zahlreichen offiziellen Gästen und Kunden gefeiert.

Was sagt der Ladeninhaber?

Benedikt Bühler betreibt in Pforzheim, Weissach und Aidlingen drei Rewe-Supermärkte. „Wir haben für den Betrieb des Ottenbronner Ladens gemeinsam ein eigenes Unternehmen gegründet“, berichtet Bühler im Gespräch mit unserer Redaktion. Kirchherr ist Vollzeit anderweitig berufstätig, er selbst verantwortet die drei Supermärkte mit 80 Mitarbeitern, heißt, beide können nicht ständig in Ottenbronn vor Ort sein. Eine Teilzeitkraft und neun Aushilfen bilden den Personalstamm im Dorfladen, Bühler selbst ist mehrmals in der Woche auch vor Ort.

„Wirtschaftlich lässt sich’s nicht dauerhaft darstellen“, nennt er den wichtigsten Grund für den Entschluss, das Engagement in Ottenbronn zu beenden. „Wir wollten nicht Millionär werden, aber es sollte sich tragen. Ein tragfähiges Kosten-Nutzen-Verhältnis ist jedoch nicht gegeben.“ Da müsse aus betriebswirtschaftlicher Sicht die Reißleine gezogen werden. „Ins Geschäft geht man nicht, um Geld mitzubringen, eine kleine Aufwandsentschädigung muss schon drin sein.“

Was bietet der Laden?

Der Laden ist ein kleiner Supermarkt. „Man kann hier seinen Wocheneinkauf erledigen“, hatte Bühler bei der Eröffnung gesagt. Rund 6000 Artikel umfasst das Sortiment. Backwaren eines Bio-Bäckers und Althengstetter Fleischwaren sowie weitere regionale Erzeugnisse sind erhältlich. „Wir haben neben der Reinigungsannahme weitere Dienstleistungen dazu genommen, die Paketannahme und -abholung oder die Lotto-Stelle, aber all das hat nicht so gezündet, wie wir es erhofft oder gebraucht haben.“

Es gibt viele bedauernde Stimmen wie auch Verständnis in der Bürgerschaft und natürlich teils heftige Kritik. 90 Prozent der Kunden tue es einfach leid, dass der Laden schließt, so die Einschätzung von Bühler. „Es tut auch uns weh, ist für uns auch ein emotionales Thema“, gesteht er – vor allem mit Blick auf die älteren Bürger, die nicht mehr mobil sind und auf eine fußläufig erreichbare Nahversorgung angewiesen sind. „Wir haben mit Bürgermeister Rüdiger Klahm und dem stellvertretenden Ortsvorsteher Jürgen Walz gesprochen, bevor wir unseren Entschluss öffentlich gemacht haben“, sagt Bühler. Er versichert, dass den Kunden bis zum Ende das ganze Sortiment zur Verfügung steht. Mit einem eventuellen Nachfolger könne auch eine Regelung zur Inventarübernahme getroffen werden und die Teilzeitkraft werde in einen anderen Markt seines Unternehmens wechseln, so Bühler.

Nachfolge ist Chefsache

Bürgermeister Rüdiger Klahm hat die Nachfolge-Suche zur Chefsache gemacht und bestätigte das Gespräch mit Bühler im Vorfeld. Die gute Nachricht vorneweg: „Es gibt zwei Interessenten, mit denen wir nächste Woche Gespräche führen“, sagte Klahm. Aus dem Gespräch mit Bühler, aber auch aus Rückmeldungen der Ottenbronner Bürger wisse er, dass es nicht nur einen Grund für Bühlers Entscheidung gebe. „Ich bin nicht bös’ drum, er ist Kaufmann“, zeigt Klahm Verständnis.

Er macht jedoch auch klar, was bei der Auswahl eines Nachfolgers, einer Nachfolgerin Priorität haben muss: „Er oder sie muss präsent sein vor Ort und im Laden, die Familie muss dahinterstehen.“ Genau das, die Verwurzelung im Ort, war unter anderem, wie vielfach zu hören ist, das Erfolgsrezept von Aysel Gutekunst über die 30 Jahre. Denn der Dorfladen dient nicht nur der Versorgung mit dem alltäglichen Bedarf, sondern ist auch ein nicht zu unterschätzender Anlauf- und Treffpunkt für die Einwohnerschaft. „Es könnte nach den Sommerferien weitergehen“, so Klahm optimistisch, wenn einer der beiden Interessenten die Vorstellungen der Verwaltung erfüllt, selbst gewillt ist und letztlich der Ortschaftsrat seine Zustimmung gibt.