Göllsdorf lädt am 9. Mai zum ersten Dorfflohmarkt ein. Neben 41 weiteren Verkaufsständen zeigt ein 500 Jahre altes Haus seine Schätze.
Göllsdorf lädt zum ersten Dorfflohmarkt. Zwischen 10 und 15 Uhr verwandelt sich der Ort in eine lebendige Begegnungsstätte. Insgesamt 42 Bürger öffnen ihre Höfe, Einfahrten und Scheunen, und die Hälfte der Teilnehmer bietet neben Trödel auch Verpflegung. Mitten im Geschehen steht ein ganz besonderes Zeugnis der Dorfgeschichte: das im Jahr 1490 an der Böhringer Steig erbaute Haus von Anita Eichenseher.
Wer durch die niedrigen Türrahmen des ältesten Hauses im Ort tritt, merkt sofort: Hier atmet jeder Balken Geschichte. Ursprünglich das landwirtschaftliche Herz der Familie der Mutter Julie Biehler, begann hier 1946 ein neues Kapitel, als ihr Mann Wilhelm Biehler aus der russischen Kriegsgefangenschaft heimkehrte und in den historischen Mauern seine Ofenbauer-Werkstatt gründete.
In der urigen Bauernstube zeugt noch heute ein kunstvoller Kachelofen von seinem Können. Als Hommage an seine alte Heimat im Schwarzwald arbeitete Wilhelm Biehler dort ein Bild seines Elternhauses direkt in die Kacheln ein.
Tradition lebt fort
Sein Wirken ging jedoch weit über die Werkstatt hinaus. Nach dem Krieg restaurierte er eigenhändig den zerstörten Kreuzweg in Göllsdorf und gab den Bildnissen ihre Form zurück. In seinem Ruhestand widmete er sich intensiv der Töpferei, fertigte Zunft- und Gemeindewappen, kirchliche Bildnisse, Tiergestalten und im Jahr 1948 Tonschweinchen für die Saukirbe an.
Diese Tradition lebt fort: Die alten Original-Gussformen übergab Anita Eichenseher erst jüngst an den Künstler Christoph Zeitz, der die „Tonschweinchen“ nun in seinem Atelier für die Saukirbe 2026 wieder aufleben lässt.
Ehemaliger Dorfladen ist ein Erlebnis
Ein Erlebnis für die Besucher wird der ehemalige Dorfladen sein, den Julie Biehler ab 1958 führte und den Anita Eichenseher später mit Leidenschaft weiterbetrieb. Von Haushaltsartikeln bis hin zu den Matchbox-Autos, für die die Dorf-Buben ihr Taschengeld sparten, gab es hier alles.
Das Prunkstück ist die historische Verkaufstheke. Hinter kleinen Glasscheiben und in vielen Schubladen verbargen sich Schätze, die zum Dorfflohmarkt wieder ans Tageslicht kommen. Alte Göllsdorf-Andenken sind ebenso darunter wie unzählige Postkarten von der Gemeinde, Schreibwaren und nostalgischer Schmuck.
Atmosphäre bis heute erhalten
Obwohl der Laden 1988 schloss, ist die Atmosphäre bis heute erhalten geblieben. Anita Eichenseher ist mit großer Begeisterung dabei und freut sich auf die vielen Gäste.
Für sie und die anderen 41 Mitstreiter ist der 9. Mai eine Gelegenheit, Fundstücke in wertschätzende Hände abzugeben. „Im Haus ist noch so viel erhalten geblieben“, sagt sie mit Blick auf die Schätze und die Töpferwerkstatt, in der selbst die alte Handwerksschürze des einstigen Meisters noch am Haken hängt.