Die Hebelmusik Hausen um Dirigent Maximilian Schaffrinna leitete den Abend ein. Foto: Ines Bode

Alle Jubeljahre gibt die Hebelmusik ein Doppelkonzert, zum jüngsten waren die Zeller Stadtmusikanten geladen, wie Hebelmusik-Vorsitzende Sandra Boos formulierte.

So präpariert legten die Hebelmusiker ohne Vorwarnung los. Zu Gehör kam „A Huntington Celebration“, eine kontemporäre kurze Ouvertüre, die indes vor Abwechslung strotzte. Mit Jacob de Haan, der quasi die halbe Welt vertont hat, gings im Anschluss nach Virginia. Der US-Staat ähnele einem schiefen Dreieck, ein Ansatz, der sich in der Partitur mit drei Epochen widerspiegelte. Lebhafte Passagen wechselten mit wuchtigen und solchen, die Wärme ausstrahlten.

 

Als Schlager der Blasmusikliteratur ließe sich der Titel „The Journey Notebook“ bezeichnen, ein melodiöses Werk, das direkt ins Gehör geht. Ein Stück für die Virtuosität des Tenorhorns, genauer gesagt für zwei Tenorhörner, gab der Egerländer Ernst Hutter mit „Zwei Weggefährten“ heraus. In Hausen glänzten Leon Bieri und Patrick Greiner bei dem emotionalen Duett, das satten Orchesterklang umgab.

„Verdammt lang her“, hieß ein Hit von BAP, und die Botschaft passte dann auch zur „80er Kult(tour) 2“. Vor verdammt langen vierzig Jahren wurden Heinz Rudolf Kunze, Nena und Peter Schilling bejubelt. Dirigent Maximilian Schaffrinna verpasste völlig losgelöst seinen Bläsern das Tempo, das Major Tom für seine Höhenflüge benötigte.

Die Zeller Gäste bestreiten die zweite Halbzeit

Nach der Zugabe bevölkerte die Zeller Stadtmusik die Bühne der Halle. Oblag die Moderation der ersten Halbzeit Kim Boos und Alena Schwald, versorgte nun Klara Hochstatter das Publikum mit Hintergrundwissen. „Attacke“ lautete wohl das Motto des Dirigenten Thomas Schmid. Wie erwähnt setzte das Orchester auf pure Energie mit „Euregio“, ein Stück, das einem Dreiländereck gewidmet ist, dessen es bekanntlich mehrere gibt. Gemessen am strahlenden Klangbild sicher eine Reise wert.

Der Auftritt der Stadtmusik Zell um Dirigent Thomas Schmid war ein weiterer Höhepunkt im Jubiläumsjahr. Foto: Ines Bode

Danach führten die Register tonal in die Heimat des smarten James Joyce und des frechen Oskar Wilde, sprich nach Dublin. Bilder der alten Universitätsstadt mit den verwinkelten Pubs, wo das Bier in Strömen fließt, zeichneten die Sätze. Inbegriffen die Bandbreite an Klangfarben des Orchesters. Nicht fehlen durfte die Flöte als typische Vertreterin irischer Volksmusik. Wenn das Wort „Paso“ fällt, sind die Anhänger gleich wach. Mit „Domingos Barros“ erklang eine frische Version des spanischen Nationaltanzes. Hatten sich die Hebelmusiker für mehrere Popkünstler entschieden, setzten die Zeller bei ihrem Pop-Ausflug einzig auf Coldplay. Material genug boten die Hitgaranten. Zum Einsatz kam ein Teil namens Dämpfer, der den Trompeten einmalig schöne Klänge entlockt. Die Einen denken an Ferien, andere an Krimipflaster – die Rede ist von Venedig. Der „Venezia-Marsch“ erfreute das Publikum mit seinem volkstümlichen Tonmuster als Kontrast.

Noch mehr Genrewechsel bot „The third Man Theme“. Die wohl weltbekannte Wiener Melodie arrangierte der Japaner Toshio Mashima für Blasorchester, ein gelungener Schlusspunkt – vor den Zugaben versteht sich.

Ein Fässchen zum 180. Geburtstag

Mittendrin tauchte ein Bierfass auf, als Jubiläums-Mitbringsel „180 Jahre Stadtmusik Zell“, überreicht von den Vorsitzenden Daniel Kummerer, Philipp Kaiser und Karl Martin Welte. Sandra Boos erlaubte sich hinzuweisen, das Fässchen reiche nicht für alle.