Wie sicher sind die Entsperr-Code der Handys der Neuntklässler? Auch darum geht es beim Workshop. (Symbolfoto) Foto: dpa/Jens Kalaene

Ein Medienprojekt der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung macht den Nachwuchs fit für den Umgang mit dem Handy. Die Neuntklässer der Dom-Clemente-Schule lernten, manipulierte Nachrichten zu erkennen und selbst Bilder zu entwickeln.

Heutzutage hat praktisch jeder junge Mensch, auch in der Raumschaft Triberg, ein Handy. Was auf dem Handy zu finden ist, ist manchmal erstaunlich.

 

Das zeigte sich auch bei einem Workshop der neunten Klasse der Dom-Clemente-Schule Schonach. Haben die Nutzer heute neben normalen Inhalten wie Telefon oder Kommunikationskanälen wie Whatsapp doch auch sogenannte soziale Medien wie Facebook, Instagram oder Tiktok auf dem Smartphone.

Gerade auf den Social-Media-Kanälen werden vielerlei Nachrichten verbreitet. Manche unverfälscht, manche so verkürzt, dass sie manipulativ sind, manche gefährlich – und viele schlicht falsch, auch bekannt als „Fake News“, ein Begriff, den der ehemalige US-Präsident Donald Trump prägte.

Eigene kreative Medienprodukte entstehen

Beim neuen Medienprojekt der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (LKJ) Baden-Württemberg namens „Smart Detectives“, zu Deutsch etwa „findige Detektive“, werten Jugendliche Handydaten aus und erstellen daraus, mit Hilfe von KI-Tools, also Werkzeugen der künstlichen Intelligenz, eigene kreative Medienprodukte.

Jetzt nahmen die Schonacher Neuntklässler mit Klassenlehrerin Anja Schuler an einem entsprechenden zweitägiger Workshop teil. Medienreferentin Gabi Scheidl und ihr Kollege Andreas Harr waren an die Schule gekommen und gaben den Jugendlichen „Nachhilfe“, was auch das Knacken der Handycodes, den Datenschutz und das Thema Bildrechte betraf.

Detektivisch in die Welt der Daten eingetaucht

Ein Lob gab der Medienreferent: „Datenschutztechnisch seid ihr ganz gut drauf. Keines eurer Handys hat wirklich einen ganz einfachen Code – die Mehrzahl der Handys in Deutschland sind mit Codes wie 123456 ‚geschützt‘“, so Harr. Zuvor hatten die beiden Referenten die Schüler detektivisch in die Welt der Daten eintauchen lassen, die Menschen täglich hinterlassen.

In einer Art digitaler Schnitzeljagd wurden Fotos, Notizen oder Nachrichten einer fiktiven Person ausgewertet und kreativ mit KI-Tools bearbeitet. Anschließend konnten die Jugendlichen eigene Medienprodukte wie Bilder oder Videos erstellen und Geschichten erfinden, inspiriert vom Leben dieser Person. Dabei boten sich vielerlei Reflexionsmomente zum eigenen Umgang mit persönlichen Daten. Spielerisch wurden so Kompetenzen zu Mediennutzung, Datenschutz und Datensicherheit erworben.

Werkzeuge kennengelernt

Bei der eigenen kreativen Medienproduktion mit vorhandenen Daten lernten die Jugendlichen den Umgang mit Gestaltungsprogrammen und verschiedenen KI-Tools. Dabei lernten sie die vier „Stufen“ der KI kennen, von verbotenen wie „Social Scoring“, der Bewertung des Verhaltens nach einem Punktesystem, bis hin zur Ausnutzung menschlicher Schwächen, der Hochrisiko-KI, die unter bestimmten, restriktiven Voraussetzungen genutzt werden darf – das sind Anwendungen in der Medizin, bei der Polizei oder auch in Schulen.

Mundbewegung angepasst

Weiter nutzbar sei die Niedrigrisiko-KI, allerdings mit der Kennzeichnungspflicht verbunden – das bedeutet, dass bei einem mit künstlicher Intelligenz erzeugten Film oder auch einem Foto eindeutig klar sein muss, dass dies kein natürliches Erzeugnis ist.

Dazu zeigten die Referenten einen Ausschnitt einer Nachrichtensendung, bei welcher der bekannte Moderator Falschmeldungen verbreitete. „Sogar die Mundbewegungen sind an den falschen Text angepasst“, zeigte Harr auf – und das Video war nicht gekennzeichnet.

Andreas Harr und Gabi Scheidl klären die Neuntklässler der Dom-Clemente-Schule über die verschiedenen Stufen der Künstlichen Intelligenz auf. Foto: Hans-Jürgen Kommert

Letztendlich gebe es noch die Minimalrisiko-KI, die lediglich der freiwilligen Selbstkontrolle unterliege. Darunter fallen Spamfilter, Empfehlungssysteme und Videospiele.

Am Ende präsentierten Schüler ihre Eigenentwicklungen, bei der Bilder mit künstlicher Intelligenz bearbeitet worden waren, dazu wurden mit der Text-KI Chat-GPT die passenden Texte entwickelt. Dabei mussten Urheberrechte, Bildrechte und der Datenschutz berücksichtigt werden.

Mit viel Spaß bei der Sache

„Ihr habt viel Neues erfahren, erfreulicherweise aber habt ihr viele Dinge bereits gewusst“, resümierte Andreas Harr am Ende. Für die Schüler waren die zwei Tage nicht nur Abwechslung vom Unterricht. Sie waren mit viel Spaß bei der Sache und hätten nach eigenem Bekunden vieles gelernt, um Benachrichtigungen in sozialen Medien anders beurteilen zu können, war auf Nachfrage zu erfahren.