Zuerst Traditionsgaststätte, später Tabledance-Lokal, dann folgte der Leerstand – nun nach 120 Jahren der Abriss: Die Tage des historischen Hölzlekönigs in VS sind gezählt.
Es ist sehr ruhig geworden um den Hölzlekönig – mitten im „Grenzbereich“ zwischen dem badischen Villingen und dem schwäbischen Schwenningen. Die Zeiten, in denen rund um das ehemalige Lokal reichlich Trubel herrschte, sind fast vergessen.
In seiner jüngeren Vergangenheit hatte sich der Hölzlekönig insbesondere als Tabledance-Lokal einen Namen gemacht. Bis in die frühen Morgenstunden war das Traditionslokal Anlaufpunkt für Nachtschwärmer mit Vorliebe für Striptease, Tabledance und Go-Go-Shows. Die „Rotlicht-Ära“ fand jedoch ein Ende – zuletzt gab es dort Balkanpartys, während auf dem Grill bis spät in die Nacht Cevapcici zubereitet wurden.
Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Seit dem Frühjahr 2023 steht das Gebäude in direkter Nachbarschaft zum Holiday Inn und dem Schwarzwald-Baar-Klinikum leer. Der letzte Pächter hatte Insolvenz anmelden müssen – von Mietschulden war in diesem Zusammenhang ebenfalls die Rede.
Zum Zeitpunkt der Schließung des Hölzlekönigs war ohnehin längst entschieden: Das historische Gebäude wird weichen. Entsprechende Ankündigungen gibt es seit bald zehn Jahren. Der Grund ist insbesondere der marode Zustand des Gebäudes, der sich allenfalls mit einer aufwendigen Generalsanierung beheben lässt. Zudem hatte das Landesamt für Denkmalschutz im Jahr 2017 erklärt, dass für den Hölzlekönig kein Denkmalschutz besteht. Es wurde festgestellt, dass das Gebäude in so großen Teilen umgebaut worden ist, dass ursprüngliche Eigenschaften nicht mehr erkennbar sind.
An Rückbauplänen nichts geändert
Seit Jahren heißt es zudem, dass nach der Eröffnung des Holiday Inn in der Umgebung eine entsprechende Entwicklung vollzogen werden soll. Diese Ankündigungen hatten zur Folge, dass um den Erhalt der Traditionsgaststätte – erbaut im Jahr 1906 – gekämpft wurde. Denn: An dieser Stelle, der Grenze zwischen Villingen und Schwenningen, wurde mit einer Zeremonie im Jahr 1972 die Vereinigung der heutigen Doppelstadt gefeiert.
Grund genug, das Gebäude doch noch stehen zu lassen? Nein. An den Rückbauplänen hat sich nichts geändert. Das erklärt Hagen Rebholz, Geschäftsführer der Rebholz Immobiliengruppe aus Bad Dürrheim, auf Anfrage unserer Redaktion. Er ist gleichzeitig Geschäftsführer der SBK-Ärztehaus GmbH & Co. KG, die Eigentümerin des Gebäudes ist.
Fläche für Nachnutzung vorbereiten
„Aktueller Plan ist, dass das Gebäude zeitnah abgerissen wird, um die Fläche für eine Nachnutzung vorzubereiten“, erklärt er dazu. Der derzeitige Zeitplan sehe vor, dass der Rückbau noch in diesem Jahr in Angriff genommen wird. Was auf diesem Gelände realisiert werden könnte, steht allerdings noch nicht fest. Ursprünglich war einmal angedacht gewesen, die Fläche zu schottern, um weitere Parkmöglichkeiten zu schaffen.
Rebholz erklärt, dass es derzeit noch keine festen Ideen gibt: „Wir sind aktuell auf Konzeptsuche und entsprechend noch offen.“ Für diese prominente Stelle an der wichtigen Verkehrsachse zwischen Villingen und Schwenningen gibt es also bald neue Entwicklungsmöglichkeiten.
Geschichte des Hölzlekönigs
Viele Veränderungen über die Jahre
Das Gasthaus „Zum Hölzlekönig“ wurde 1906 vom Schwenninger Gastwirt Johannes Müller erbaut – allerdings auf Villinger Gemarkung, nachdem Schwenningen die Genehmigung verweigert hatte. Die Lage an der damaligen Landesgrenze zwischen Württemberg und Baden ist bis heute sichtbar.