Die Entscheidung ist gefallen: Das neue Rathaus der Stadt Schömberg wird das Stuttgarter Büro HaasCookZemmrich planen. Dessen Entwurf war einer von zwei Sieger des Planungswettbewerbs.
Der Schömberger Gemeinderat hatte in seiner Sitzung am Mittwochabend eigentlich keine andere Wahl als dem Urteil des Entscheidergremiums zuzustimmen. Das Entscheidergremium, dem sechs Mitglieder des Gemeinderats angehören, hat sich in nichtöffentlicher Sitzung nochmals mit den überarbeiteten Wettbewerbsentwürfen beschäftigt und anhand einer Bewertungsmatrix eine Entscheidung getroffen – und die sieht anders aus, als man im vergangenen Sommer erwartet hätte.
Am Standort des alten Rathauses wird der Entwurf des Planungsbüros HaasCookZemmrich aus Stuttgart verwirklicht. Dieses hat im Planungswettbewerb, den die Stadt Schömberg im vergangenen Jahr ausgelobt hatte, gemeinsam mit dem Entwurf des Büros pfeiffer.volland.michel.architekten GmbH den ersten Platz belegt.
Empfehlung lautete anders
Das alte Gemeinderatsgremium wollte die Entscheidung, welcher Entwurf umgesetzt wird, dem neuen Gremium überlassen und gab diesem in seiner letzten Sitzung im Sommer 2024 lediglich eine Empfehlung mit auf den Weg. Eindeutig favorisierte das Gremium den Entwurf von pfeiffer.volland.michel.architekten, allerdings mit ein paar Änderungswünschen.
570 von 600 möglichen Punkten
Bürgermeister Karl-Josef Sprenger erklärte in der Sitzung am Vorabend des „Schmotzigen“, warum nun der Siegerentwurf des Stuttgarter Büros zur Abstimmung steht. Die Mitglieder des Entscheidungsgremiums, das vom Gemeinderat bestimmt wurde, gingen Schritt für Schritt die vorgegebenen Zuschlags- und Eignungskriterien unter Berücksichtigung der Gewichtung der einzelnen Wertungsmerkmale durch – diese seien im Vorfeld des Planungswettbewerbs bereits festgelegt worden. Der Entwurf des Stuttgarter Architekturbüros erhielt mit 570 von möglichen 600 Punkten die beste Bewertung. Auf das zweitbeste Büro entfielen 540 Punkte.
Zustimmung – sonst Schadensersatz
Am Mittwochabend musste der Gemeinderat die Auswahl des Entscheidergremiums bestätigen – ansonsten könnte nämlich das ausgewählte Büro Schadenersatzansprüche geltend machen.
Gemeinderat Frank Polich stellte dieses Vorgehen in Frage: „Ich habe wahnsinnige Probleme damit, dass wir die Entscheidung bestätigen müssen.“ Im sei nicht klar gewesen, dass nur eine kleine Abordnung des Gemeinderats, die Mitglieder im Entscheidergremium sind, die finale Entscheidung treffen und nicht der gesamte Gemeinderat. „Formal gesehen hat der Gemeinderat das letzte Wort, doch real gesehen nur eine kleine Abordnung“, resümierte Polich – zumal der Gemeinderat im Sommer noch ein ganz anderes Gebäude favorisiert hatte.
Bewertungsmatrix
Gemeinderat Sven Kuhnert erklärte, dass die Entscheidung keineswegs aus dem Bauch heraus getroffen wurde: „Es war keine freie Entscheidung, sondern wir arbeiteten uns entlang der Bewertungsmatrix ab“. Sein Ratskollege Marc Schwarz, der ebenfalls dem Entscheidergremium angehört hat, äußerte sich dankbar über die Bewertungsmatrix. Das Gremium habe sich viele Stunden mit den Entwürfen befasst und sei dabei von Architekten beraten worden. „Es war anhand dieser Matrix ein eindeutiges Ergebnis, es ist nicht umsonst das Verfahren eingeleitet worden“, meinte Schwarz.
Schadensersatz könnte hoch ausfallen
Sprenger zeigte Verständnis für Polichs Unmut, doch betonte, dass es eine demokratische Entscheidung im Rahmen des VGV-Verfahrens war. Dr. Hüttinger, der den Prozess rechtlich begleitet hat, betonte, dass die Entscheidung immer noch beim Gemeinderat liegt – doch zeigte auch die Konsequenzen verschiedener Abstimmungsszenarien auf. Er erklärte auch, dass sich die Höhe des Schadensersatzes am entgangenen Gewinn des Architekturbüros bemisst – und das könnte durchaus sechsstellig ausfallen.
Letztendlich stimmte der Gemeinderat einstimmig der Auswahl des Entscheidergremiums zu und damit auch der Auftragsvergabe an das Büro HaasCookZemmrich.
Zweitplatziertes Büro will Entscheidung nicht hinnehmen
Sprenger informierte die Gemeinderäte darüber, dass das zweitplatzierte Büro die Entscheidung des Entscheidergremiums allerdings so nicht hinnehmen möchte. „Aber wir sind der Meinung, dass wir korrekt vorgegangen sind im Vergabeverfahren“, meinte Sprenger – schließlich sehe auch Hüttinger keinerlei Fehler im Vergabeprozess.
Als nächster Schritt wird ein Ortstermin mit HaasCookZemmrich und dem Institut Berghof stattfinden, um zu schauen, ob sich Materialien aus dem alten Rathaus wiederverwenden lassen. Auf dieser Grundlage erstellt dann das Institut Berghof ein Leistungsverzeichnis für den Gebäudeabbruch. „Für uns steht dabei auch im Fokus, die Entsorgungskosten möglichst gering zu halten“, erklärte Sprenger.