Das trinationale Studium wird in den zwei Fachrichtungen Mechatronik und International Business Management angeboten. Foto: Theresa Buchen

Die trinationalen Studiengänge der DHBW Lörrach haben sich im Laufe von drei Jahrzehnten fachlich bewährt und kulturelle Brücken im Dreiland aufgebaut.

„Das ist unser unique selling point“, sagt Stephan Hess, der Dekan der Technischen Fakultät, über die trinationalen Studiengänge an der Dualen Hochschule Lörrach. Ein Studium absolvieren und drei Abschlüsse aus drei unterschiedlichen Ländern erhalten – das ist ein Alleinstellungsmerkmal für die Hochschulregion im Dreiländereck.

 

Die Kooperationspartner dafür sind neben der Dualen Hochschule Lörrach noch die Université Haute-Alsace in Mulhouse und Colmar sowie die Fachhochschule Nordwestschweiz. Das trinationale Studium wird in den zwei Fachrichtungen Mechatronik und International Business Management angeboten.

Einfach und brillant

Beim Start im Jahr 1997 – die Dualen Hochschulen hießen damals noch Berufsakademien - war das Model „in der Hochschulwelt einzigartig“, wie sich Stephan Hess erinnert. Die gemeinsame Ingenieursausbildung im Dreiländereck sei damals der einzige trinationale Studiengang gewesen.

Das Konzept war „einfach und brillant“, sagt Hess. Für jeden neuen Jahrgang besetzen seitdem die drei beteiligten Hochschulen zehn Plätze, so dass insgesamt 30 Studenten eine Kohorte bilden. „Dann beginnt der Wanderzirkus“, sagt Hess, denn die Theoriephasen erfolgen nach einem festen Schema abwechselnd in allen drei Ländern.

Für die Studenten bedeutet dies, dass sie ständig mit Kommilitonen aus den anderen beiden Ländern in den gleichen Kursen sind, pro Runde zweimal als Auswärtsspiel und einmal an der eigenen Hochschule. „Die Studierenden kommen aus dem interkulturellen Zusammenhang gar nicht heraus“, sagt Stephan Hess, der diesen Zustand sogar als „Immersion“ beschreibt. Bewährt hat sich auch der Austausch von Lehrkräften, sagt der Lörracher Professor, der sich während des Gesprächs über den Studiengang gerade für eine Lehrveranstaltung in Mulhouse aufhält. Die Dozenten unterrichten bei ihren Einsätzen an den Partnerhochschulen jeweils in ihrer eigenen Landessprache. „Es ist eben nicht nur ein Auslandsstudium oder ein Abkommen mit Doppelabschlüssen. Wir schicken nicht einfach die Studierenden ins Ausland, sondern wir haben in jedem Semester Lehrkräfte aus allen drei Ländern vor Ort“ so der Studiengangsleiter Mechatronik Trinational, Thomas Berger. Von einem normalen Studium, sei es im Inland oder im Ausland, unterscheiden sich die trinationalen Studiengänge auch durch die Tatsache, dass die Absolventen aus jedem der drei Länder einen Bachelor-Abschluss erhalten.

Duale Komponente

Weil das im Fall der deutschen Seite ein dualer Abschluss ist, müssen auch die Studenten aus Frankreich und der Schweiz eine duale Komponente nachweisen. Die von der DHBW gestellten Studenten haben einen Vertrag mit einem Ausbildungsbetrieb als Zugangsvoraussetzung und verbringen dort die regulären Praxissemester.

Teilnehmer des trinationalen Studiengangs, die über die Fachhochschule Nordwestschweiz oder über die Université Haute-Alsace kommen, müssen in diesen Zeiten verpflichtende Betriebspraktika absolvieren.

So bleiben die Anforderungen vergleichbar und so haben die Studenten aus allen drei Ländern die Möglichkeit, das in der Theorie Gelernte gleich in betrieblichen Projekten umzusetzen und umgekehrt Impulse aus den Unternehmen in den Hochschulalltag mitzubringen.

Die Partnerhochschulen hätten die Vorteile der dualen Komponente zwischenzeitlich auch für andere Studiengänge erkannt und würden in ihren Ländern ihrerseits solche Modelle anbieten, berichtet Stephan Hess. Wobei sie allerdings oft eine andere Taktung für den Wechsel von Theorie und Praxis anwenden.

Hohe Qualitätsmaßstäbe

Der trinationale Studiengang ist von der Deutsch-Französischen Hochschule Saarbrücken (DFH) gefördert. Dabei handelt es sich nicht um eine Universität mit eigenem Lehrbetrieb, vielmehr um eine Art Zentrum für deutsch-französische Hochschulkooperationen. Diese Einrichtung lege hohe Qualitätsmaßstäbe an. „Das ist für uns wie ein Ritterschlag“, sagt Stephan Hess. Außerdem steuert die DFH Infrastrukturmittel, Mobilitätsbeihilfen und Geld für Sprachkurse bei.

Apropos Sprache: Französisch bleibt für deutschsprachige Studenten eine Herausforderung. Die DHBW möchte deshalb „die Hürde klein halten“, wie Stephan Hess sagt. Es werde bewusst auf eine Eingangsprüfung verzichtet, vielmehr sollen die Teilnehmer während des Studiums „in die Sprache hineinfinden.“

International Business

Nach dem Modell der Ingenieursausbildung haben die drei Partner später auch noch einen trinationalen Wirtschaftsstudiengang aufgelegt. Stephan Hess bezeichnet das Studium International Business Management Trinational als die „jüngere Schwester“. Dieses Studium funktioniert nach dem gleichen Schema und es sind auch die gleichen Partnerhochschulen an Bord, wobei die Université Haute-Alsace ihre Wirtschaftsfächer am Standort Colmar angesiedelt hat.