Der Schulverbund am Deutenberg wird Schritt für Schritt saniert – und das schon seit mehr als drei Jahren. Seither sind Schüler und Lehrer auf drei Standorte verteilt. Ist ein Ende der Dauerbaustelle endlich in Sicht?
Als im September 2021 der Startschuss für die Generalsanierung gefallen ist, hatte wohl keiner geahnt, dass mehr als drei Jahre später die mehr als 1100 Schüler und 88 Lehrer des Schwenninger Schulverbunds am Deutenberg sich immer noch in einer Interims-Situation befinden – und keiner weiß genau, wie lange noch.
Das Konzept des Amtes für Gebäudewirtschaft und Hochbau greift nach wie vor: Während in einem Gebäudeflügel gewerkelt, gebohrt und geschraubt wird, sind die betroffenen Schüler im Gebäude auf der Hallerhöhe sowie im Containerbau, der seit der Generalsanierung des benachbarten Gymnasiums am Deutenberg am Rande des Sportplatzes steht, ausgelagert.
Im zweiten Bauabschnitt
Der erste Bauabschnitt, der rund 7,5 Millionen Euro gekostet hat, ist inzwischen abgeschlossen, so dass der Schulbetrieb in diesem frisch sanierten Bereich seit Anfang des Schuljahres 2023/24 wieder stattfinden kann, wie Madlen Falke, Pressesprecherin der Stadt Villingen-Schwenningen, berichtet. Ursprünglich war die Stadt allerdings davon ausgegangen, bereits nach einem Jahr mit dem ersten Bauabschnitt fertig zu sein.
Derzeit ist alles im Kostenrahmen
Die Arbeiten im zweiten Bauabschnitt verliefen derweil wie geplant und im Kostenrahmen. Die Sanierungskosten hatten sich jedoch Anfang des Jahres gegenüber dem ursprünglichen genehmigten Bedarf von 5,3 auf 8,5 Millionen Euro erhöht. Der Grund für die hinzukommenden 3,2 Millionen Euro, die der Gemeinderat im Februar genehmigt hatte, unter anderem: die komplette Beleuchtung und die Sicherheitstechnik in der Decke mussten entgegen der ursprünglichen Pläne erneuert und der Sicherheitsgrad für die Amokalarmierung aufgestockt werden.
Diverse Gewerke seien derzeit im zweiten Bauabschnitt tätig, erklärt die Pressesprecherin: In den Fluren und Klassenzimmern wird alles vorbereitet, um neue Kabel für Strom, Netzwerke, digitale Medien und die Brandmeldeanlage verlegen zu können. So werden auch die Klassenräume mit digitalen Tafeln ausgestattet.
Es wird gewerkelt
Im gesamten Gebäude werden die WC-Anlagen mit neuen Leitungen und Sanitäreinbauten ausgestattet. In den Klassenzimmern werden die Waschbecken und Werkraumbecken erneuert, hinzu kommt im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss ein barrierefreies WC.
Die Heizungsanlage wird ertüchtigt, die Steuerungsanlage komplett erneuert. In den innenliegenden Sanitäranlagen wird eine neue Abluftanlage installiert.
In Sachen Brandschutzertüchtigung finden finden derzeit Trockenbauarbeiten statt. Zur Bildung von Brandabschnitten werden entsprechende Feuerschutz-Wände ausgebildet und Trockenbau-Stürze in den Flurbereichen zur Vorbereitung für die neuen Brandschutztüren aus Glas eingebaut.
Europaweite Ausschreibung
Für die neuen abgehängten Decken in den Fluren und Klassenräumen sei eine europaweite Ausschreibung veröffentlicht worden, deren Ergebnis noch in diesem Jahr vorliegen werde, so Madlen Falke.
Die darauffolgenden Ausschreibungen würden derzeit von der Verwaltung vorbereitet und Stück für Stück veröffentlicht, unter anderem die Brandschutzelemente in den Flurbereichen, Bodenbelags-, Maler- oder Schreinerarbeiten.
Die Lage vor Ort
Und wie ergeht es Schülern und Lehrern derzeit im Schulgebäude? Mit dem sanierten ersten Bauabschnitt, in dem seit September 2023 wieder Normalbetrieb herrscht, sei man zufrieden, wie Bernd Ellinger, Rektor des Schulverbunds am Deutenberg, im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet. „Die Leute sind gerne in den neuen Räumen.“ Während die Mehrzahl der Klassen sei wieder im Hauptgebäude unterrichtet wird, befinden sich die Verwaltung, die Schulsozialarbeit, Fachräume für Technik und Naturwissenschaften sowie zwei Klassenstufen im großen Containerbau . Auf der Hallerhöhe sind unter anderem die Jahrgangsstufe zehn und die Vorbereitungsklassen untergebracht.
Klar sei von vornherein gewesen: Ohne eine Auslagerung gibt es keine Sanierung. Und auf eine Sanierung des teils maroden Gebäudes hatte die Schule bereits vor vielen Jahren gepocht.
Eine Geduldsprobe
Doch dass sich die Sanierung und damit die Aufteilung der Schule auf drei verschiedene Standorte so lange hinzieht, zehre an den Nerven aller Betroffenen. „Es beeinflusst das Schulleben und tut allen nicht gut“, sagt der Schulleiter. Und das habe schließlich Auswirkungen auf Arbeit und Kommunikation.
Zunächst die Corona-Pandemie, dann die Sanierung mit Auslagerung: „Wir hecheln von einer Extremsituation in die andere.“ So warte man dringlich darauf, dass die Schüler zurück ins Hauptgebäude ziehen können – „gerne so früh wie möglich.“
Problem Hallerhöhe
Wann die Sanierung des Schulverbunds aber komplett fertig sein wird, ist derweil noch nicht klar. Fakt ist: Zum kommenden Schuljahr 2025/26 muss das Gebäude auf der Hallerhöhe auch der neu zu schaffenden gleichnamigen Grundschule zur Verfügung stehen. Diese soll - nach derzeitigem Stand – dann nämlich mit zwei ersten Klassen den Betrieb aufnehmen. So geht Bernd Ellinger davon aus, dass es zumindest zeitweise eine Parallelbelegung von Grundschule und Schulverbund auf der Hallerhöhe geben wird.
Umzug während des Schuljahres?
Zudem hofft der Schulleiter, dass die Stadt die Schule so früh wie möglich über einen möglichen Umzugszeitpunkt informieren wird, um mit Vorlauf planen zu können. Die Umzugsvorbereitungen benötigten entsprechend Zeit, der Umzug durch eine Umzugsfirma dauere rund zwei Wochen und sei somit theoretisch nicht nur in den langen Sommerferien möglich, signalisiert Ellinger Richtung Stadt, dass die Schule auf eine Fertigstellung noch während des nächsten Schuljahres hofft.
Noch mehr Abschnitte
Doch wenn der zweite Bauabschnitt und Rück-Umzug abgeschlossen sind, ist die Generalsanierung noch immer nicht fertig. Es wird also immer noch keine Normalsituation am Schulverbund einkehren. In einem dritten – weniger aufwendigen – Abschnitt sollen die Naturwissenschaftsräume, in einem vierten Schritt die Gebäudefassade saniert werden. Das Wort Generalsanierung möchte Rektor Ellinger dabei gar nicht in den Mund nehmen. Vielmehr sei der Schulverbund nach einer kompletten Fertigstellung grundlegend saniert, was die Ausstattung und Endergebnis betrifft. In Sachen Umfang und Auswirkungen auf das Schulleben fühle es sich aber an wie Generalsanierung.