Auch im heutigen Sulzer Teilort war der Holztransport über Wasser eine wichtige Einnahmequelle. Vom Neckar wurde in Fischingen sogar ein eigener Floßgang abgezweigt.
Angesichts des großen Holzbedarfs – sei es für Häuser, Schiffe, Kathedralen oder einfach für den allgemeinen Verbrauch – war auch der Neckar zu einem wichtigen Transportweg für Holz geworden. Über Jahrhunderte prägte die Flößerei den Fluß und die Gemeinden entlang seines Verlaufs.
Mit dem Bau und der Inbetriebnahme der Bahnstrecken verlor die gewerbliche Flößerei jedoch schnell an Bedeutung. Die Eisenbahn war schneller, zuverlässiger und häufig auch kostengünstiger, so dass die Flößerei zum Ende des 19. Jahrhunderts eingestellt wurde. Acht Männer auf einem Erinnerungsbild vom Oktober 1900 dokumentieren die allerletzte Floßfahrt vor 125 Jahren durch Fischingen.
Mitte der 19. Jahrhunderts fuhr, statistisch übers Jahr gesehen, alle zweieinhalb Tage ein Floß durch Fischingen: So waren es im Jahr 1860 noch 146 Flöße, im Jahr 1863 immerhin 170, 1864 gab es aufgrund eines trockenen Nachsommers mit nur noch 129 einen Einbruch, die Zahlt stieg dann im Folgejahr 1865 wieder auf 152 Flöße, die in Fischingen registiert wurden. Danach nahm die Zahl aber kontinuierlich ab – auf gerade mal noch 14 Flöße im Jahr 1892.
Mit dem Ende der Flößerei versiegte auch eine Geldquelle für die Gemeinde. Die Flöße gehörten zum Teil den Floßführern und zum Teil den Holzhändlern. 15 Kreuzer mussten pro Gestör – in diese kleineren Abteilungen gliederten sich die Flöße – an die Gemeindekasse gezahlt werden. Auf den Einbindeplätzen halfen unter anderem auch Dorfbewohner mit, im Gegenzug betätigten sich die Flößer dann im Winter als Holzmacher. War das Floß gebunden, musste das Wasser „geschwellt“, also angestaut, werden.
Fahrt auf dem Schwell
In Fischingen befand sich die „Schwäle“ oberhalb der Mündung des Mühlkanals. Mit langen Flößerstangen und harter Arbeit wurde das Floß dann mit dem „Schwell“, also auf der „Welle“, als die das angestaute Wasser flussab floss, in Bewegung gesetzt. Da die Tätigkeit der Flößer äußerst gefährlich war, mussten sie sich auf den teilweise tagelangen Fahrten auf einander verlassen können. Ihr Wissen, ihre handwerklichen Fertigkeiten sowie die Techniken zum Steuern der Holzflöße waren wie eine Art Lebensversicherung für die Flößer.
Ein bedeutendes Jahr für Fischingen in diesem Zusammenhang war 1829: Da wurde nicht nur der Neckar ab Rottweil floßbar gemacht, sondern Fischingen erhielt eine eigene Floßgasse. Eine Vorschrift vom 26. April 1877 bestimmte, dass ein Floß bis zu 344 Meter lang, aber nur 3,70 Meter breit sein durfte und mit vier bis sieben Flößern bemannt sein musste. Die Abfahrt war frühestens eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang erlaubt, am Abend musste spätestens eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang angelegt werden.
Mehrere Tage Vorbereitung
Ein Floß bestand meist aus sechs bis zehn Gestören, die an den Enden durchbohrt und mit Wieden fest verbunden wurden. Diese Arbeiten wurden auf dem Einbindeplatz unterhalb der Brücke in Fischingen auf dem Lagerplatz des Holzhändlers erledigt. Das Einbinden eines Floßes dauerte in der Regel acht bis 14 Tage. Da der Aufwand zum Herstellen der benötigten Wieden zu erheblich war, bezog man diese zum Teil aus dem Schwarzwald, wo sie in Wiedendrehereien in einem besonderen Ofen erhitzt und anschließend geschmeidig geklopft wurden.
Ein Floß benötigte damals bis Heidelberg vier bis fünf Tage, bis Mannheim sogar sieben bis acht. An Bord befand sich stets eine Hütte für Werkzeuge wie Säge, Axt, Bohrer oder Wendhaken. Die Mannschaft bestand aus dem Obmann als Steuermann, dem Fahrer, dem Sperrer, dem Wässerer und mehreren Floßknechten.
Da die Flößerei in der früherer Zeit in Deutschland angesichts eines hohen Holzbedarfs in allen Lebensbereichen der Gesellschaft eine herausragende Rolle gespielt hatte, wurde sie erst 2014 ins bundesweite Verzeichnis der Immateriellen Kulturgüter der UNESCO aufgenommen, Ende 2022 – und als eines der ersten Kulturgüter Deutschlands – in die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit.
Zum Abschied
Folgende Verse begleiteten das letzte Floß aus Fischingen:
„Leb wohl du schöner Neckarstrom
Viel Flöße hast getragen schon
Das Recht ist dir genommen
Wo viele haben Geld errungen“