Clemens Tangerding (links), Gerhard Mengesdorf und Ute Scholz beim ersten Treffen von „Das Dritte Reich und wir“ Foto: Christel Paskal

In seinem Buch „Rückkehr nach Rottendorf“ blickt Historiker Clemens Tangerding auf die Zeit zurück, in welcher er in ganz Deutschland das Projekt „Das Dritte Reich und wir“ betreut hat. Auch Hintergründe zum St. Georgener Teilprojekt schildert er.

Historiker Clemens Tangerding ist in St. Georgen kein Unbekannter mehr. Ab Juni 2022 – damals fand das erste Treffen der St. Georgener Projektgruppe „Das Dritte Reich und wir“ statt – war Tangerding als Vertreter der Universität Gießen öfter in der Bergstadt zu Gast. So auch bei der Abschlussausstellung „Verdrängt, verdeckt, vergessen. St. Georgen im Nationalsozialismus“ im St. Georgener Rathaus im März 2023.

 

Und nicht nur in St. Georgen war der Historiker in dieser Art und Weise zu Gast: Tangerding war nahezu vier Jahre lang in der ganzen Bundesrepublik unterwegs und hat in 14 Einzelprojekten mit Bürgern die Zeit des Nationalsozialismus aufgearbeitet. In seinem nun veröffentlichten Buch „Rückkehr nach Rottendorf“ blickt er unter anderem auf diese Zeit zurück.

Wenn er es mit Vereinsmitgliedern zu tun hatte, stellte Tangerding fest, dass hier die „Macher“ am Werk waren. Da musste nicht viel geredet werden. Vielmehr schritt man gleich zur Tat, schildert er.

Netzwerk reicht nach Berlin

Lobend wird hier auch der Turnverein St. Georgen mit seinen Netzwerken erwähnt. Ein Beispiel hierfür ist die Beziehung zu Ralf Biller, der aus der Bergstadt stammt und nun in Berlin lebt. Als es um die Gestaltung der Abschlussausstellung ging, war er zur Stelle.

Zur Geschichtsaufarbeitung in der Bergstadt wird der von Filmemacherin Stephanie Kiewel gedrehte Film „Funkenflug“ zum Stadtbrand im Jahr 1865 angegeben. Dieser vermittelt aus Sicht von Tangerding sehr viel zur Geschichte der Stadt, was in anderen Gemeinden oft mühsam recherchiert werden musste.

Blick auf Persönlichkeiten

Tangerding würdigt in seinem Buch auch die Verantwortlichen der Projektgruppe. Im Buch ist zu lesen: „Wegen der Beständigkeit ihres Engagements sind die Verantwortlichen in den Vereinen der Kleinstädte und Dörfer hoch angesehene Persönlichkeiten. Gerhard Mengesdorf, ein inzwischen pensionierter Schulrektor aus St. Georgen, leitet den dortigen Turnverein seit 36 Jahren.“ Der Turnverein selbst sei eine Anlaufstelle für Familien, für leistungsbereite Sportler und für die Älteren, bei denen die Begegnung mit Gleichgesinnten im Fokus steht.

Ebenfalls hoch bewertet wird der Einsatz von Ute Scholz, welche das St. Georgener Einzelprojekt von „Das Dritte Reich und wir“ zusammen mit Mengesdorf leitete. Mit ihrem Engagement bei der Produktion des Films „Funkenflug“ im Jahr 2014 habe sie sich größten Respekt verdient. Sie stellte unter anderem eine Filmpremiere auf die Beine, die einen Hauch von Hollywood in die Kleinstadt brachte.

Blick in die Historie

Auch inhaltlich geht Tangerding auf die Arbeit der St. Georgener Projektgruppe ein: Im Kapitel „St. Georgen und der Rechtsruck“ wird die Schule der Schutzstaffel (SS) erwähnt. Nahezu alle Absolventen fanden nach Abschluss der Kurse eine Stelle in einer Behörde, die der SS unterstand.

Am Ende ist Tangerdings Fazit klar: In seinen Projekten habe er viel erfahren und dazugelernt – auch durch die Engagierten in St. Georgen.

Und jetzt? Nach vier Jahren ständiger Abwesenheit von Zuhause zog Tangerding zurück aufs Land – genauer gesagt nach Luckenwalde. Doch durch seine Erfahrungen hat Tangerding – wie der Titel seines Buchs sagt – immer wieder das Gefühl, nach Rottendorf zurückzukehren, wo er als Kind lebte.