Der Schwenninger Sebastian Schweizer legt einen Stein bei der WM 2018 in Las Vegas. Foto: Richard Gray

Sebastian Schweizer war das Aushängeschild des CC Schwenningen. Nur der olympische Traum blieb unerfüllt. Was macht der Curler heute, glaubt er an einen Boom durch die neuen Stars?

Schon im Jahr 2003 nahm Sebastian Schweizer an einer Curling-WM teil, damals an der Seite von Andreas Lang, Rainer Beiter, Jürgen Beck und Jörg Engesser. Im kanadischen Winnipeg sprang der neunte Rang heraus.

 

Zahlreiche weitere Welt- und Europameisterschaften folgten. „Leider haben wir es 2018 nicht zu den Olympischen Spielen geschafft. Sonst habe ich aber fast alles erreicht“, blickt der 45-Jährige mit Stolz auf seine lange Karriere zurück.

Von 2014 an spielte der Schwenninger oft zusammen mit Marc Muskatewitz in einem Team. Muskatewitz war bei den Winterspielen in diesem Jahr der Skip der deutschen Curler, die zu den neuen „Popstars der Szene“ erkoren wurden. Wir haben mit Sebastian Schweizer gesprochen.

Sebastian Schweizer, wo erreichen wir Sie heute, was machen Sie derzeit?

Ich bin seit Ende 2024 in Köln, arbeite dort weiter für meine Firma, für die ich auch in Schwenningen unterwegs war. Ich kümmere mich um das globale Marketing der Firma. Mir geht es in Köln echt gut, mir gefällt es in der Großstadt. Aber ich bin auch weiter regelmäßig in Schwenningen – natürlich auch in der Curlinghalle.

Wie haben Sie die Olympischen Spiele verfolgt? Was sagen Sie zum Auftritt der deutschen Curler, die am Ende knapp das Halbfinale verpassten?

Ich habe bei den Winterspielen fast jeden Curling-Livestream verfolgt, nicht nur bei Spielen der deutschen Männer. Ich finde es einfach cool, dass Marc Muskatewitz und Co. so in den Fokus gerückt sind. Curling war schon bei den Winterspielen zuvor immer recht populär, aber es war eben lange kein deutsches Team mehr dabei. Deutschland hätte sogar noch mehr erreichen können. Das Halbfinale war drin. Aber wir haben ja ein sehr junges Team, dem die Zukunft gehört. Da wird noch viel kommen.

Sebastian Schweizer gefällt es in Köln. Foto: Sebastian Schweizer

Sie haben ja schon 2014 bei der EM mit dem damals ganz jungen Marc Muskatewitz, nun Skip bei den Winterspielen in Italien, zusammengespielt. Was macht ihn aus?

Marc ist ja erst 30 Jahre alt, also immer noch jung. Er war schon immer sehr fokussiert und ehrgeizig. Marc will immer gewinnen, er hasst Niederlagen. Zudem ist er immer für neue Ideen offen, ist sehr innovativ. So hat er auch neue Wischtechniken entwickelt.

Sie haben 2018 knapp eine Teilnahme an den Olympischen Spielen verpasst. Ärgert Sie das noch immer?

Ärgern ist sicherlich das falsche Wort. Im normalen Alltag spielt das überhaupt keine Rolle. Aber wenn dann Winterspiele sind, dann denkt man schon etwas darüber nach, da beginnt das Kopfkino. Ich bin aber überaus glücklich und zufrieden mit meiner Karriere. Ich durfte viel erleben.

Curlen Sie noch immer – oder steht der Besen in der Ecke?

(lacht) In Köln gibt es eine Curling-Bahn, da kann ich hinlaufen. Alle zwei, drei Wochen spiele ich ne Runde. Und ab 50 darf man bei den Senioren ran. Vielleicht steige ich dann ja wieder etwas ins Wettkampfgeschehen ein.

Das junge deutsche Curling-Team wurde in den vergangenen Wochen zu „Popstars“. Glauben Sie an einen nachhaltigen Boom dadurch für das Curling?

Wenn man den jüngsten Curling Day in Schwenningen als Maßstab nimmt, ist dies nicht unrealistisch. Da war ja jede Menge los. Es gilt nun, die neue Popularität nachhaltig zu nutzen. Ich bin da ganz zuversichtlich.