Laura und Chris geben Einblick in die Räumlichkeiten. Foto: Merk

Wer und was steckt hinter dem Cannabis Social Club Rottweil? Wir haben uns mit den Verantwortlichen unterhalten.

Es sieht noch nach Baustelle aus: Das Mauerwerk am Eingang ist frisch errichtet und bereit für den Einbau einer Sicherheitstür. Doch wie der Verkaufsraum beim Cannabis Social Club Rottweil einmal aussehen soll, lässt sich bereits erahnen.

 

Sicherheit ist eine der zentralen Anforderungen, wenn man gemäß dem Konsumcannabisgesetz (KCanG), das im April 2024 in Kraft getreten ist, einen „eingetragenen, nicht wirtschaftlichen Verein“ oder eine „Genossenschaft zum geregelten Anbau von Cannabis“ anmelden will.

Ein ganz „normaler“ Verein

Doch was bedeutet das in der Praxis, und welche Hürden gibt es, wenn man eine Anbaugemeinschaft gründen möchte? Der Vorstand des Cannabis Social Club Rottweil gibt einen Einblick.

Laura, Tobi und Chris – ihre Nachnamen möchten sie nicht preisgeben – haben sich zusammengefunden, um den langen Weg der Clubgründung zu gehen. Laura und Tobi kannten sich bereits und warben über soziale Medien um Gleichgesinnte. So kam Chris dazu. Inzwischen zählt der Club knapp 80 Mitglieder.

Nicht mehr als 100 Mitglieder

Die drei haben beschlossen, die Mitgliederzahl auf 100 zu begrenzen. „Wir hätten gar nicht die Kapazitäten, so viele Menschen zu versorgen“, sagt die 24-jährige Laura. Sie hat BWL studiert, arbeitet im Bereich Medizintechnik und hat im Club die Ämter der zweiten Vorsitzenden und der Schatzmeisterin inne.

Vieles im Club funktioniert wie in einem „klassischen“ Verein: Tobi ist Vorsitzender, Chris ist Vorsitzender des Anbaurats. Der wiederum kümmert sich um die Auswahl der Samen, die gepflanzt werden, und entscheidet zum Beispiel auch darüber, welche Erde zum Einsatz kommt. Mit John hat der Verein einen offiziellen Präventionsbeauftragten, der auch in engem Austausch mit den Behörden steht und dafür eine Fortbildung besucht hat.

Qualität durch „Living Soil“-Beete

„Als Gärtner baue ich seit Jahren alles selbst an – von Tomaten über Kartoffeln bis zur Zwiebel“, sagt Chris. Auf Qualität legt das Team großen Wert – deshalb soll mit „Living Soil“-Beeten gearbeitet werden, also Erde mit speziellen Mikroorganismen. Diese bauen organisches Material ab und produzieren Nährstoffe. Das Ergebnis ist ein fruchtbarer Boden, der den Pflanzen eine natürliche und vollständige Nährstoffversorgung bietet.

Die Genehmigung ist ein aufwendiger Prozess

Ganz so einfach ist der Start dennoch nicht. Denn die Clubs benötigen eine offizielle Erlaubnis des Regierungspräsidiums Freiburg, das landesweit für die Genehmigungen nach dem KCanG zuständig ist.

Laut Pressesprecherin Heike Spannagel sind bislang 97 Anträge in Baden-Württemberg eingegangen. 23 Mal wurde eine Erlaubnis erteilt – davon sechs im Regierungsbezirk Freiburg. Drei Anträge wurden abgelehnt, fünf zurückgezogen.

Auch der Antrag des Cannabis Social Club Rottweil ist dabei – auf Listenplatz 48. Die vertiefte Prüfung laufe seit April, so Spannagel. Man stehe in engem Austausch mit dem Verein.

Sicherheit und Aufklärung

In Horgen, wo der Verein seinen Sitz hat, wird das Thema unterschiedlich wahrgenommen. Da der Club keine öffentliche Werbung machen darf, seien aufgrund von Vorurteilen einige Befürchtungen entstanden, etwa, dass die Zufahrt künftig von „Kiffern“ belagert sein könnte. Im Gespräch mit direkten Nachbarn konnten diese jedoch ausgeräumt werden, erzählt Chris.

Es gibt offizielle Öffnungszeiten

Das sei schon per Gesetz ausgeschlossen. Im Umkreis von 200 Metern rund um die Ausgabestelle dürfe nicht konsumiert werden. Außerdem gebe es offizielle Öffnungszeiten.

Die Clubverantwortlichen hoffen, dass ihr Angebot ankommt. „Vielleicht wird der Joint zum Feierabend dann bald so verbreitet sein wie das traditionelle Bier“, wünscht sich Tobi.