Stadtführer Heinrich Daxer gibt Einblick in sein Leben und Wirken.
Mit dem Einsetzen der wärmeren Jahreszeit besuchen viele Menschen die Fachwerk- und Hermann-Hesse-Stadt an der Nagold. Im Jahr 2023 waren es 4760 Besucher, die bei 350 Führungen Wissenswertes erfuhren.
Die Stadt bietet hierzu eine Vielzahl von Führungen an.Sei es eine historische Stadtführung, eine Führung auf den Spuren berühmter Frauen, eine mit dem Nachtwächter beim Fackelschein oder man bewegt sich auf den Spuren des Literaturnobelpreisträgers Hermann Hesse.
Bedeutende Persönlichkeiten
Ist dieser Name schon alleine ein Pfund, mit dem nur wenige Städte wuchern können, hat die heutige große Kreisstadt selbst eine außergewöhnliche Geschichte zu bieten, die in dieser Fülle ihresgleichen sucht.
Bedeutende Persönlichkeiten aus Kirche, Gesellschaft, Wirtschaft, Politik, Forschung, Musik, Literatur und Malerei säumen den Weg eines jeden, der die unerschöpfliche Geschichte Calws gehen möchte.
„Mit viel Herzblut“
Doch wer sind jene Menschen, die den Wissensdurst der Besucher bei Stadtführungen stillen? „Es sind Stadtführer, die sich mit viel Herzblut und Engagement um das Wohl der Gäste kümmern“, verrät Jana Stoll von der Stadt Calw. Sie muss es wissen, denn sie ist für die Organisation und Abwicklung für feste und individuelle Führungen und Ausflugsprogramme zuständig.
Heinrich Daxer, einer dieser Stadtführer, haben wir zu Hause besucht, um zu erfahren, was ihn antreibt, anderen Menschen Wissenswertes über Calw zu erzählen.
Selbst geschichtsträchtig
Dass für den Reporter der Besuch bei Daxer selbst zur individuellen Führung durch ein geschichtsträchtiges Haus geriet, durfte er am Ende als großen Glücksfall beurteilen.
Für den ehemaligen Pfarrer war der Besuch des Schwarzwälder Boten eine temporäre „Erlösung“. Mähte dieser doch gerade im heimischen Steilgelände das wildwachsende, kniehohe Grün.
So betrat man gemeinsam das denkmalgeschützte Jugendstilhaus mit traumhaftem Blick auf Calws Altstadt. Der Reporter tat dies fast schon ehrfürchtig. Denn in diesem Haus wohnt(e) Geschichte. War es doch sein Großvater, der Rechtsanwalt und Heimatforscher Ernst Rheinwald, der dieses Haus 1907 an den Hang stellen ließ.
Der nächste Name
Rheinwald, nach dem auf dem Wimberg eine Straße benannt ist, war ein Freund Hesses. Dieser, in vielen Lebensphasen stets in regem Briefwechsel mit Rheinwald, bekannte später: „Ein Schulkamerad und Freund von mir, Ernst Rheinwald, hat den Gedanken gehabt, eine Auswahl aus meinen Schriften zu veranstalten“.
Er meinte damit Rheinwalds Vorschlag, „das Calw Betreffende und Schwäbische zusammenzustellen“. Heute hängt das Ölportrait von Rheinwald in dem großen Raum, in dem Heiner und Barbara Daxer aus einem Kontrabass und einer Geige Töne entlocken.
So erfassen wir den nächsten Namen einer Calwer Berühmtheit: Es war der Calwer Maler und ebenfalls weltweit ausgestellte (Guggenheim Museum New York) Künstler Kurt Weinhold, der Rheinwald auf Leinwand festhielt.
Seine Themen
Und eben über diesen Weinhold referiert Daxer ebenso wie über andere große Namen, die auf dem Calwer Friedhof ihre letzte Ruhestätte fanden. Kurt Ziegler liegt ebenso dort begraben wie Hesses Mutter Marie.
Daxer führt das Publikum auch über den unter Denkmalschutz stehenden Calwer Stadtfriedhof. Bei anderen Führungen weiß er viel zum Thema „Hesse“, zur Stadtkirche und dem Kloster St. Peter und Paul zu Hirsau zu erzählen. Als Besonderheit sieht er seine Ausführungen zum „heiligen Aurelius“.
Wer nun annimmt, geschichtliche Exkursionen müssen eine trockene Sache sein, der wird eines Besseren belehrt, wenn er Daxer zuhört. Denn dieser vermag es, auch mal grauslich anmutende Geschichten von damals so interessant zu erzählen, dass die für eine Führung angesetzte eine bis eineinhalb Stunden wie im Flug vergehen.
Große Bandbreite
Die Tourist Information Calw bietet den Interessierten ein umfangreiches Faltblatt an, in dem Termine im Überblick zeigen, welch große Themenauswahl besteht. Jana Stoll freut sich, dass es nun endlich wieder losgeht mit den Stadt-, Kloster-, Sonder-, Kinder-, Natur-, Betriebs- und Museumsführungen.
Der Teilnehmerkreis ist vielfältig. Vieles findet im Rahmen von Betriebsausflügen oder sonstigen Gruppen statt. Da kann schon mal eine privater Besuch mit einer kleinen Gruppenführung aufgepeppt werden.
Großer Bedarf
Doch je mehr dieses Angebot Menschen nach Calw lockt, desto größer wird der Bedarf an Stadtführern. Diese sind gesucht. Daxer hat mit seinem Eintritt in den „Ruhestand“ mit dieser Aufgabe etwas gefunden, was für ihn Sinn macht. Neben der inzwischen angewachsenen Schar von zwölf Enkeln und seinem natürlichen Fitnessraum, diesem Garten am Steilhang , betreibt er seine Aufgabe als Stadtführer „mit großer Lust“.
Das Stellenprofil eines Stadtführers hat Daxer auch parat: „Man muss sein Städtle lieb haben“. Sprach’s und warf seine Motorsense an. Es gab noch einiges zu tun.