Der Calwer Gewerbeverein kann sich aktuell nicht über zu wenig Mitglieder beklagen – erst kürzlich hieß der Verein 13 neue Unternehmer willkommen. Welche Herausfordernden Zeiten auf den Verein zukommen, erklären die beiden Vorsitzenden.
Auch wenn es manche nicht gerne hören oder wahrhaben möchten: Kontakte zu knüpfen kann nie schaden. Im Ernstfall kann man auf Unterstützung zählen, und manchmal entstehen daraus sogar echte Freundschaften. Genau das möchte der Gewerbeverein Calw fördern. Die beiden Vorsitzenden, Jürgen Ott und Nicolai Stotz, erklären im Gespräch, was den Verein ausmacht und wodurch er sich von anderen Gewerbevereinen unterscheidet.
Einer der ältesten Gewerbevereine Süddeutschlands
Der Gewerbeverein Calw wurde 1848 gegründet, kurz nachdem es in Deutschland überhaupt erlaubt wurde, Wirtschaftsvereinigungen zu bilden. Die Calwer Unternehmer erkannten die Chancen, die sich dadurch boten, und schlossen sich zusammen. Seitdem hat sich der Verein stetig weiterentwickelt. Heute zählt er rund 165 Mitglieder aus verschiedenen Branchen – darunter Einzelhändler, Gastronomen, Handwerker und Dienstleister.
Ein Alleinstellungsmerkmal des Calwer Gewerbevereins ist, dass auch Firmen Mitglied werden können, die ihren Sitz nicht direkt in Calw haben. Allerdings muss ein Bezug zur Stadt erkennbar sein. Viele treten aus Verbundenheit oder Überzeugung dem Verein bei, erklären die beiden Vorsitzenden.
Dabei kommen dann auch einige Aufgabenfelder auf den Verein zu, erklärt Ott. Eine davon ist die Organisation des „Calwer Frühlings“ und des „Calwer Herbst“, der sich zu einer beliebten Veranstaltung in der Stadt entwickelt hat. Doch mindestens genauso wichtig ist für den Gewerbeverein das Netzwerken. Viele Unternehmer schließen sich vor allem dem Verein an, um neue Kontakte in der Region zu knüpfen und von gegenseitigem Austausch zu profitieren.
Netzwerken und Veranstaltungen im Fokus
In den vergangenen Jahren hat der Verein viele neue Mitglieder gewonnen. Erst kürzlich traten 13 Unternehmen bei. Dies zeigt, wie wichtig das Netzwerken für Selbstständige ist. Dem Verein ist es wichtig, dass Organisationen, die für die Stadt eine wichtige Rolle spielen, keine Mitgliedsbeiträge zahlen müssen. Dazu gehören beispielsweise das Frauenhaus, die Bürgerstiftung und der Stadtseniorenrat. Der Verein sieht sich als Plattform, die es Akteuren aus verschiedenen Bereichen ermöglicht, sich zu vernetzen – dabei sollen Stammtische helfen.
Jour Fix mit der Stadt
Der Gewerbeverein versteht sich vor allem als Sprachrohr zwischen der lokalen Wirtschaft und der Stadtverwaltung. Es gibt feste Termine, bei denen sich Vertreter beider Seiten abstimmen. Gerade diese enge Zusammenarbeit sei nicht selbstverständlich, aber in Calw funktioniere sie sehr gut, betont Stotz.
Zudem finanzieren die Mitgliedsbeiträge die Stelle der Citymanagerin Carmela Castiglione, die für das Stadtmarketing zuständig ist und den Standort weiterentwickeln soll. Deshalb sei es wichtig, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und zu erkennen, dass auch die Unternehmen langfristig davon profitieren, erklärt Stotz. Der Tourismus kurbelt dann auch deren Geschäfte an.
Herausfordernde Zeiten und neue Aufgaben
Wie fast alle wirtschaftlichen Betriebe hatte auch der Gewerbeverein mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Für einige Unternehmen war diese Zeit existenzbedrohend und herausfordernd. Auch der Wirtschaftsstandort Calw bringt neue Aufgaben mit sich.
Die Wirtschaft sei dynamisch und im ständigen Wandel – das spüre man nicht nur in Calw, so Stotz. „Die Innenstadt ist das Wohnzimmer einer Stadt“, betont er. „Hier muss man sich wohlfühlen, hier muss etwas passieren.“
Herausforderungen angehen
Zwar gehe das Ladensterben auch an Calw nicht spurlos vorbei, doch die Stadt sei gut aufgestellt, erklären die Vorsitzenden. Der Gewerbeverein will die Entwicklung der Innenstadt aktiv gestalten – eine echte Herkulesaufgabe. „Niemand kann dem zu 100 Prozent gerecht werden“, so Stotz, „aber wenn wir 70 oder 80 Prozent erreichen, haben wir unser Ziel erreicht“.