Die Bürgerstiftung Lörrach unterstützt junge Musikschüler, deren Familien sich den Unterricht nicht leisten können.
Im Andachtsraum im Haus der Altenpflege ist es still, im Hintergrund sind lediglich ein paar Gitarren- und Geigentöne zu hören, die vom Stimmen der Instrumente herrühren. Knapp 30 Bewohner des Pflegeheims in der Nordstadt blicken erwartungsvoll in Richtung des Flügels, der vorne im Raum steht, während eine Reihe junger Musiker mehr oder weniger aufgeregt hin und her geht.
Susanne Geisler hat wie in den beiden Vorjahren wieder acht Jugendliche zum Vorspielen mitgebracht, darunter auch die sechsjährige Annie Mayer, die Flöte lernt. Sie alle sollen zum einen zeigen, was sie an der Musikschule gelernt haben, sie wollen zugleich aber auch „Danke“ sagen für die Förderung, die sie einer Frau im Publikum zu verdanken haben.
Denn mit dem Fonds, den Irmgard Riehle gemeinsam mit ihren Geschwistern eingerichtet hat und der von der Bürgerstiftung Lörrach verwaltet wird, ist vielen Kindern die Teilnahme am Musikunterricht erst möglich. Julia nimmt bereits seit vier Jahren an der Musikschule bei Stefan Gierden Unterricht, die Gitarre habe sie ausgesucht, „weil man die überall hin mitnehmen kann“. Außerdem könne man „sehr gut mitsingen“.
Hochkonzentriert und zugleich im Spiel nie angestrengt wirkend, bietet die Zehnjährige ihre beiden Stücke dar, begleitet von ihrem Lehrer. Sie hat hier auch vor einem Jahr schon gespielt, diesmal sei es schon viel besser gegangen. Was sie fasziniert an der Musik? „Man kann damit Leuten eine Freude machen“, sagt sei spontan. Und sich selbst auch, wenn sie sehe, dass ihre Eltern stolz auf sie seien. Die haben gebannt zugehört und sind in der Tat sichtlich stolz.
Vorspielen als fester Bestandteil der Förderung
Das Vorspielen ist ein fester Bestandteil des Förderkonzeptes, sagt Susanne Geisler. Sie organisiert die Musikpatenschaften, die einst über den Förderverein der Musikschule lief, inzwischen aber ganz bei der Bürgerstiftung und dem dortigen Riehle-Fonds angesiedelt ist. Die Unterstützung von Musikschülern ist einer von drei Stiftungszwecken des Fonds. „Wir unterstützen damit Kinder aus Familien, die sich ansonsten den Unterricht vielleicht nicht leisten können“, sagt Geisler.
Rund 4600 Euro hat die Bürgerstiftung dafür im vergangenen Jahr aufgebracht, meist fließt das Geld in Zuschüsse für den Unterricht. Aber auch eine Hilfe bei der Instrumentenleihe ist denkbar oder aber es werden Instrumente vermittelt. So konnte ein Saxofon verliehen werden, das den Musikpaten geschenkt wurde. Im Gegenzug gibt es feste, jeweils für ein Jahr geltende Vereinbarungen, was den Einsatz der Kinder angeht. Dazu gehört die Teilnahme an einem Konzertbesuch, was dem Heranführen an Musik generell dient, oder eben ein jährliches Vorspiel als einer Art Zwischenschritt beim Erreichen eines selbst gesteckten Ziels. In diesem Fall ist es zugleich ein Dankeschön.
Junge Musikschüler laden zum Träumen ein
Yuma ist fast schon ein Routinier beim Vorspielen, was natürlich auch daran liegt, dass er zwei Instrumente lernt. Klavier spielt er seit vier, Gitarre bereits seit sechs Jahren. Mit der Gitarre begibt er sich mit zwei Stücken von Joep Wanders (Samba de Aquino, Playa Bonita) auf eine Reise nach Südamerika, auf dem Klavier lässt er anklingen, dass ihm der Jazz gefallen könnte. Yuma hat zwei jüngere Geschwister, die ebenfalls ein Instrument lernen, daher übernimmt die Bürgerstiftung bei ihm einen höheren Beitrag. Er liebäugelt damit, Musik als Leistungskurs zu nehmen, aber trotz der unüberhörbaren musikalischen Begabung wolle es nach dem Abitur wohl eher nicht Musik studieren, sagt der 16-Jährige. Sein Ziel ist die Medizin. Aber Musik biete ihm eine wunderbare Möglichkeit, seine Gefühle auszudrücken. Sowohl durch die Auswahl der Stücke wie auch durch das Spiel selbst.
Für Emira liegt im Klavierspielen eine Chance, „einfach mal den Kopf freizubekommen“. Entsprechend hat sie ihre Stücke ausgewählt, zwei Kompositionen von Ludovico Einaudi und Yann Tiersen (Filmmusik zu „Die wunderbare Welt der Amélie“), deren sich wie in einem Loop wiederholenden rhythmischen Muster in Verbindung mit den perlenden bis schwebenden Tönen und Klänge zum Träumen einladen. Seit sechs Jahren nimmt die inzwischen 15-Jährige Unterricht, betont, dass sie selbst die Stücke auswählt und ihr Lehrer Andriy Sluka bei Bedarf ein wenig umarrangiert, um es für ihr Können spielbar zu machen.
Irmgard Riehle sagt in aller Offenheit, die Auswahl der Stücke habe ihr nicht ganz so zugesagt wie im Jahr zuvor, aber es sei wunderbar, die Freude der jungen Leute zu sehen. Ihr selbst, Jahrgang 1934, sei es leider wegen der Umstände nie vergönnt gewesen, ein Instrument zu lernen.