Sie diskutieren auf dem Podium über die Energiewende (von links): FDP-Landtagsabgeordneter Daniel Karrais, Matthias Bauernfeind (Bürgermeister in Oberwolfach), Moderator Hans-Ulrich Händel, Thomas Kaiser (Bürgermeister in Häusern), Klimabotschafter Michael Sturm und Stadtrat André Amon. Foto: steinmetz

Die 3-Täler-Initiative hat zum Bürgerdialog in die Stadthalle eingeladen, um über die Chancen und Herausforderungen der Energiewende zu sprechen. Bürgermeister Thomas Kaiser aus Häusern und Matthias Bauernfeind aus Oberwolfach berichteten von den Fortschritten ihrer Gemeinden, die mit Windkraft und anderen Projekten auf dem Weg zur Klimaneutralität sind.

Die Energiewende kann gelingen. Die 3-Täler-Initiative hatte zum Bürgerdialog am Mittwoch in der Stadthalle die Bürgermeister Thomas Kaiser aus Häusern und Matthias Bauernfeind aus Oberwolfach eingeladen.

 

In ihren Gemeinden drehen sich Windräder, doch es wird noch mehr getan, um klimaneutral zu werden. Mit auf dem Podium standen der FDP-Landtagsabgeordnete Daniel Karrais, der Klimabotschafter aus Dunningen, Michael Strum, und Stadtrat André Amon. Hans-Ulrich Händel moderierte die Diskussionsveranstaltung.

226 Meter hohe Windräder

„Wir haben viel zur Energiewende beigetragen“, stellte Thomas Kaiser fest. Energie ist in Häusern schon jahrzehntelang ein Thema. In der Nähe befindet sich das Kraftwerk der Schluchsee AG. Inzwischen werden 190 Gebäude der Gemeinde mit Nahwärme versorgt. Die EnBW hat zwei Windräder mit einer Flügelhöhe von jeweils 226 Metern auf privaten Standorten gebaut, hinzu komme jetzt noch ein Batteriespeicher, um Stromschwankungen auszugleichen.

„Wir waren zu früh dran“

Der größte Widerstand gegen die Windkraftanlagen sei von den umliegenden Gemeinden gekommen, berichtete Kaiser. Die Pachteinnahmen in Häusern gehen ausschließlich an die Privateigentümer, und diese sind auch nicht so hoch, wie sie etwa in Sulz in Aussicht gestellt werden. „Wir waren zu früh dran“, bedauerte Kaiser. Der Eingriff in die Natur sei in Häusern aber gering gewesen. Die zum Transport der Anlagen gebauten Wege wollten die Waldbauern inzwischen sogar behalten.

Gewohnheitseffekt kommt

Dass die Windräder dem Tourismus schaden – Häusern hat jährlich 70 000 Übernachtungen -, konnte der Bürgermeister nicht bestätigen. In der Bevölkerung habe sich auch ein Gewohnheitseffekt eingestellt: „An Windräder gewöhnen wir uns wie an Kirchtürme“, zog Kaiser einen Vergleich. Er geht davon aus, dass seine Gemeinde im kommenden Jahr klimaneutral sein wird.

Beleuchtungen werden mit LED ausgestattet

Für Bürgermeister Matthias Bauernfeind waren Windräder schon zu Beginn seiner Amtszeit 2015 ein Thema. Der Gemeinderat Oberwolfach hatte sich dafür entschieden, einen Flächennutzungsplan „Windkraft“ auszuweisen. „Es gab Risse und Gräben in der Bevölkerung“, beschrieb er die Stimmung in der Bevölkerung, „wir haben aber immer offen gespielt.“ Menschen zu beteiligen, sei, so Bauernfeind, das „A und O“. Inzwischen stehen mehrere Windkraftanlagen, die 25 000 Menschen mit Strom versorgen können – wesentlich mehr, als Oberwolfach Einwohner hat. Die Gemeinde tut allerdings noch mehr für die Energiewende. Eine Nahwärmeversorgung durch Hackschnitzel gibt es dort seit Mitte der 1990-er Jahre. Neben Windkraft spielt Photovoltaik eine Rolle „Wir überlegen uns außerdem Einsparungen“, so Bauernfeind. Straßenbeleuchtung und Sportplätze seien mit LED ausgestattet, öffentliche Gebäude würden saniert.

In Richtung erneuerbare Energien beobachtet Landtagsabgeordneter Daniel Karrais, Vorsitzender des Ausschusses für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, zunehmende Aktivitäten. „Klimafragen spielen keine wesentliche Rolle mehr, für viele geht es um den Geldbeutel“, sagte er. Für Verpächter von Flächen an Windkraftbetreiber lohnt sich das besonders. „Die Pachteinnahmen sind heute deutlich höher als vor einigen Jahren“, bestätigte Karrais. Für die Verpachtung von Waldflächen erhalte der Staat sechsstellige Summen. Gewerbesteuer werde dort gezahlt, wo die Anlagen stünden. Die größte Herausforderung für ihn ist, dass zwar die Erzeugungskosten mit dem Ausbau der Windkraftanlagen geringer werden, jedoch die Netzentgelte die großen Kostentreiber bleiben. Das müsse man in den Griff bekommen.

Gespräche werden schwierig

Zur Sprache kam während der zweistündigen Diskussion auch, wie kontrovers und feindselig über Windkraft in Sulz gesprochen wird. Eine Bergfelderin, die Windkraft befürwortet, teilte mit, dass sei zu keinem Geburtstag in ihrer Familie mehr gehe. Ihre Meinung könne sie kaum noch äußern. Ernst Schmid aus Bergfelden räumte ein, noch nicht zu wissen, wie er abstimmen wird. Er kritisierte Übertreibungen sowohl auf Seiten der Windkraftgegner als auch der Windkraftbefürworter. Man sollte wieder miteinander statt übereinander reden, appellierte er und hofft, dass nach dem Bürgerentscheid die Gräben wieder zugeschüttet werden. Susanne Sailer von der Initiative Gegenwind behauptete, dass sie beleidigt werde und „über uns gelogen wird“. Genauer erklären wollte sie das nicht.

Zuhören und nicht bewerten

Wenn es emotional und wütend zugehe, sei es eine Methode, einfach zuzuhören und nicht zu bewerten, meinte Klimabotschafter Michael Sturm, der pädagogisch tätig ist, auch Kurse für Kinder und Erwachsene zum Klimawandel anbietet. Nichts zu tun, ist aus seiner Sicht fatal, „Wir müssen nachhaltiger sein und den Weg zur Natur finden“, ist seine Botschaft. André Amon will die Bürger mitnehmen und überzeugen, dass die Energiewende richtig ist. Der Gemeinderat hätte den Bürgerentscheid aufgrund der Rechtsgutachten ablehnen könne, respektiere jedoch die abgegebenen 1360 Unterschriften. Er rief dazu auf, zur Wahl zu gehen.