Die Vöhringer haben mit deutlicher Mehrheit abgelehnt, dass die Gemeinde eigene Flächen für Windkraftanlagen verpachtet. Jetzt wirbt die Gegenwind-Kraftgruppe Sulz-Dornhan-Vöhringen auch um ein Nein beim Bürgerentscheid am 8. Dezember in Sulz.
Zu ihrer Informationsveranstaltung in der Bergfelder Dickeberghalle hatten die Windkraftgegner den zweiten Vorsitzenden der Bundesinitiative „Vernunftkraft“, Detlef Ahlborn, eingeladen.
Für den Hauptredner des Abends steht fest: Die Energiewende ist gescheitert, die Politik wisse nicht, wovon sie rede, rechnen könnten Politiker auch nicht.
Es braucht viele Windkraftanlagen
Ahlborn führte in seinem Vortrag viele Zahlen an, zeigte Schaubilder, sprach von Terrawattstunden und Milliarden Euro, die jährlich vernichtet würden beziehungsweise von den Stromverbrauchern letzten Endes bezahlt werden müssten.
Er rechnete vor: Um Deutschland zu 50 Prozent sicher mit Wind- und Solarstrom zu versorgen, werde man übers Land verteilt alle sechs Kilometer einen Windpark mit je acht Anlagen brauchen.
Auch USA und China müssen reduzieren
Dabei liege der gesamte Energieverbrauch in Deutschland nochmals beim Fünffachen des Stromverbrauchs. Daraus folgerte er, dass eine Dekarbonisierung bis 2040, so das von der Politik gesetzte Ziel, schon physikalisch nicht möglich sei.
Er verglich den deutschen Kohlendioxidausstoß mit dem wesentlich höheren Anteil der USA und China. Wenn diese beiden Länder ihren Ausstoß nicht deutlich verringerten, sei es „völlig irrelevant“ und ohne Belang, was in Deutschland zum Klimaschutz im Alleingang gemacht werde.
Mit der Energiewende sei Deutschland kein Vorbild, könne allenfalls als warnendes Beispiel dienen.
Überproduktion und Windflaute
Er nannte die Kernprobleme der Stromerzeugung: Das sind für ihn zum einen die wetterbedingten Schwankungen. Bei Überproduktion müssten Anlagen abgeschaltet und der überschüssige Strom zu Dumpingpreisen oder gar noch gegen eine Entsorgungsgebühr ins Ausland verklappt werden.
Wird wegen Windflaute zu wenig produziert, brauche man Ersatzkraftwerke oder kaufe den Strom aus dem Ausland teuer zurück. Ein zweites Problem sei, dass die Energiewende ohne Speicher weder mach- noch bezahlbar sei.
Bemerkungen gegen Gemeinderat
Bei der Veranstaltung zeigten Mitglieder der Kraftgruppe ihre Argumente auf. Lärmbelästigung, Gesundheitsschädigung, Schattenwurf, Wertverluste bei Immobilien, der Zweifel, ob die Rücklagen für den Rückbau der Anlagen in 25 Jahren ausreichen, Waldzerstörung oder optische Auswirkungen der riesigen Anlagen auf dem Dickeberg führen sie gegen Windkraft an.
Die eine oder andere spitze Bemerkung gab es gegen die Stadtverwaltung, den Gemeinderat und Bürgermeister Jens Keucher, der anwesend war. Es habe ein „Gschmäckle“, dass zum Bürgerentscheid zwei anwaltliche Stellungnahmen eingeholt und die Fragestellung geändert worden seien.
Befürworter werden ausgebuht
Auch hätten 20 000 Euro für Aufklärungs- und Infokampagnen „für Windräder“ eingestellt werden sollen, was aber vom Landratsamt untersagt worden sei.
Von der Pro-Wind-Gruppe würden die Mitglieder der Bürgerinitiative gegen Windkraft zudem als Lügner und Verbreiter von Fake-News bezeichnet.
Bei der Diskussion meldete sich eine Windkraftbefürworterin aus Dürrenmettstetten. Sie wurde zuerst einmal kräftig ausgebuht. Dabei wollte sie lediglich wissen, ob Kernkraft eine Alternative der Stromerzeugung ist.
Atomkraftwerke dauern Jahrzehnte
Detlef Ahlborn, der angesprochen war, mahnte, die Buhrufe zu unterlassen. Er konnte aber nur darauf verweisen, dass Frankreich mit seinen Atomkraftwerken CO₂-freien Strom produziert. Da kam dann auch die Frage nach den Atomkraftwerken der neuen Generation auf.
Ahlborn äußerte sich dazu skeptisch: „Das sind Zukunftstechnologien, es dauert Jahrzehnte. Bis dahin brauchen wir fossile Brennstoffe. Es ist bitter, aber es ist so.“
Keine Grabenkämpfe in Bergfelden
Das letzte Wort für eine abschließende Stellungnahme hatte Willy Harpain aus Bergfelden. Er sagte, dass der Wald nicht so krank und marode sei wie behauptet.
Harpain relativierte auch Aussagen zu Visualisierungen sowohl von den Windkraftgegnern als auch der Windkraftbefürwortern und appellierte, keine Grabenkämpfe auszutragen.
Polemik sei nicht zielführend. Bei der Abstimmung solle auch an die schöne Landschaft, den Wald und den Heimatort gedacht werden.