Autorin Sarah Tischer hat ein neues Buch veröffentlicht. Foto: Birgit-Cathrin Duval

Jetzt liegt der zweite Band von Autorin Sarah Tischer aus Igelsberg über die Jung-Detektivin Maxi Morel vor. Wieder ist der Schauplatz die mondäne Stadt Baden-Baden.

Von Baden-Baden ist Sarah Tischer angetan. Dort fühlt sich die Gastronomin und Autorin bei regelmäßigen Besuchen wohl, genießt die weltläufige Atmosphäre, das Flair von Kultur, das im Vergleich zu anderen Städten beschauliche Leben, das offenbar sanft dahingleitet wie die Wellen der Oos.

 

Und doch geschieht auch dort Ungeheuerliches, werden die Menschen zumindest für kurze Zeit ihrer Betulichkeit beraubt. Nach ihrem vor Jahresfrist veröffentlichten Krimi mit dem Titel „Letzte Nacht in Baden-Baden“ präsentiert Tischer ihren Lesern nun den Roman „Letzte Chance Baden-Baden“.

Während sich die noch unerfahrene Privatdetektivin Maxi Morel mit vergleichsweise überschaubaren, eher harmlosen Aufträgen beschäftigt, gerät sie wieder einmal in den Strudel eines Mordfalls. Es hat den Anschein, als ob das Verbrechen im Hause eines gut situierten Immobilienmaklers mit ihrem Auftrag, eine Croupière des Baden-Badener Kasinos zu beschatten, zusammenhängt.

Entspricht nicht dem Klischee

Um es vorweg zu nehmen: Morel übersteht die komplizierte Gemengelage nahezu unbeschadet, obwohl auch ihr nach dem Leben getrachtet wird, weil sie jemandem im Wege steht. Es geht auch deshalb für sie gut aus, weil Sarah Tischer Interesse daran hat, dass ihre Protagonistin in angedachten Folgebänden ihren Job weiterhin ausüben kann.

Tischer hat mit Maxi Morel einen noch unfertigen Charakter geschaffen. Sie entspricht gar nicht dem Klischee der smarten Aufklärer, die im Handumdrehen die Sachlage erfassen und ihr kriminalistisches Instrumentarium darauf ausrichten. Die Halbfranzösin Morel mit ihrer Vorliebe fürs Stricken ist eine Naschkatze, die Champagner-Trüffeln nicht widerstehen kann. Wenn sie sich überfordert fühlt, verkriecht sich Morel schon mal unter der Bettdecke. Sie arbeitete eine Zeit lang als Rezeptionistin in einem renommierten Nobelhotel, bis dieses seine Pforten schloss. Nun hat sie sich als ausgebildete Ermittlerin eingerichtet und betreibt eine kleine Privatdetektei.

Der Ex spukt noch in ihren Gehirnwindungen umher

Unerfahrenheit und ein nicht hinreichend ausgebildetes Selbstbewusstsein lassen sie immer wieder in unangenehme Situationen schlittern. Andererseits kann sich die junge Frau kaltschnäuzig geben. Zum Glück sind da ihre Mutter, mit der sie eigentlich nicht so gut kann, ihre Freundin und ihre Mitarbeiterin, die ihr ein ums andere Mal beistehen.

Und das nicht nur in geschäftlichen Angelegenheiten. Ihr ehemaliger Freund, ein versierter Jazzmusiker, spukt immer noch in ihren Gehirnwindungen umher und ist real präsent, auch wenn es mal nicht passt. Der zweite junge Mann ist ein Typ, mit dem man offenbar Pferde stehlen und nicht zuletzt ausgiebig kuscheln kann – ein sanftes Ruhekissen.

Routinierter Umgang mit der Sprache

Tischers neuer Krimi legt einen unaufgeregten Erzählfluss an den Tag, der die Lektüre im Ganzen angenehm macht und Freude am Formulieren offenbart. Die Diktion zeigt einen routinierten Umgang mit der Sprache. Was sie in das Geschehen verpackt, wirkt nicht selten verspielt, vor allem in Bezug auf die junge Ermittlerin. Das schließt eine Detailfreude mit ein, die gelegentlich vom Kern der Geschichte ablenkt. Aber das kann auch als ein methodischer Kniff gelten, der die Figur der Maxi plastischer erscheinen lässt. Konkrete Ortsbeschreibungen lassen darauf schließen, dass Tischer sorgfältig recherchiert hat.

Das Buch: Sarah Tischer: Letzte Chance Baden-Baden. Kriminalroman. Gmeiner-Verlag Meßkirch 2025. 282 Seiten kartoniert. 14 Euro.