Flächendeckend Glasfaser: Dieses Ziel verfolgt der Kreis Rottweil schon seit 2015. Wie nah er diesem Ziel ist, welche Orte jetzt dran sind und was beim Ausbau blockiert.
Jetzt geht es den nächsten „Grauen Flecken“ im Kreis Rottweil an den Kragen. Und das Folgeprojekt steht bereits in den Startlöchern. Fünf Glasfaserausbauprojekte mit einem zu finanzierenden Volumen von rund 178 Millionen Euro wird der Kreis Rottweil dann mithilfe von Fördergeldern von Land und Bund innerhalb von zehn Jahren auf den Weg gebracht haben. Im Kreistag gab es alles Wissenswerte dazu, wer wann zum Zug kommt – und welche Summen dafür aufgebracht werden müssen.
Doch von vorn: 2015 beschloss der Landkreis den Breitbandausbau in unterversorgten Gebieten über das sogenannte Wirtschaftlichkeitslückenmodell. Seitdem ist einiges geschehen. Der Landkreis erhielt beziehungsweise erhält insgesamt 89 Millionen Euro an Bundes- und mehr als 57 Millionen Euro an Landesförderung für seine Projekte, während die Kommunen rund 10,5 Millionen Euro und der Landkreis selbst zehn Millionen Euro aufbrachte beziehungsweise aufbringen muss.
Das läuft aktuell schon
Das dritte Projekt läuft seit 2023 und betrifft den FFTB-Ausbau bei den „Weißen Flecken“ (Gebiete mit weniger als 30 Megabit pro Sekunde Breitbandversorgung) und den Gewerbegebieten im Landkreis: insgesamt mehr als 13 000 Adresspunkte bei einer Wirtschaftlichkeitslücke von rund 60 Millionen Euro.
Das Projekt läuft noch bis 2027. Aktuell seien 76 Prozent der Tiefbauarbeiten und 61 Prozent der Hochbauarbeiten bereits abgeschlossen, gab Breitbandkoordinator Stefan Wiest im Kreistag einen Überblick.
Viertes Projekt vergeben
Am Montag gab es vom Rottweiler Kreistag grünes Licht für die Vergabe des vierten Kreisprojekts an die GlasfaserPlus GmbH. Bei diesem brauchte es mehrere Anläufe: Der 2023 vom Landkreis gestellte, ursprüngliche Förderantrag umfasste den Ausbau aller rund 14 000 „Grauer Flecken“ (Adresspunkte ohne gigabitfähige Erschließung), wurde aber nicht bewilligt. Der Kreis hatte daraufhin einen optimierten Antrag gestellt.
Dabei werden die Kommunen Bösingen, Deißlingen, Dietingen, Dornhan, Dunningen, Epfendorf, Lauterbach, Schenkenzell, Schiltach, Sulz, Vöhringen, Wellendingen und Zimmern mit rund 5000 Adresspunkten zum Zug kommen (Wirtschaftlichkeitslücke: 37,8 Millionen Euro). Baubeginn soll Mitte oder Ende 2026 sein.
Fünftes Projekt in den Startlöchern
Teil zwei des Ursprungsantrags zur Beseitigung der „Grauen Flecken“ mit rund 7400 Adresspunkten (Wirtschaftlichkeitslücke 67 Millionen Euro) soll dann mit einem fünften Projekt realisiert werden. Die Förderung von Land und Bund ist laut Wiest bereits bewilligt und die Ausschreibung in Vorbereitung. Baubeginn könnte Ende 2027 sein, Fertigstellung im Jahr 2031 oder 2032.
Dass man schon deutlich weiter sei als andere Landkreise, sei dem abgestimmten Vorgehen zwischen dem Landkreis und den Kommunen zu verdanken, hieß es. Die Strategie habe sich als richtig erwiesen und dafür gesorgt, dass man im Kreis Rottweil beim Glasfaserausbau deutlich weiter sei als andere Landkreise. Landrat Michel lobte in diesem Zusammenhang den Mut des Gremiums, gegen den Strom zu schwimmen.
45 Prozent bleiben kritisch
Dass nach dem fünften Kreisprojekt 55 Prozent des Landkreises optimal versorgt sein werden, was Breitband angeht, sei ein großer Erfolg, lobte FDP-Kreisrat Daniel Karrais, sprach daraufhin aber ein Problem an: die übrigen 45 Prozent.
Diese würden zwar bereits als gigabitfähig gelten über das Netz des Betreibers Vodafone, dabei handle es sich jedoch um einen „Etikettenschwindel“, da Geschwindigkeiten dieses Umfangs in der Regel nicht erreicht würden, meinte Karrais.
Das Problem: Als „gigabitversorgt“ geltende Anschlüsse seien nicht förderfähig, und Vodafone plane keinen Ausbau im Kreis Rottweil, meinte Wiest. Die große Goldgräberstimmung gebe es leider nicht mehr.
Förderung für „Schwarze Flecken“ nötig
Deshalb wäre die Kür in Sachen Glasfaserausbau für den Landkreis, rund 20 800 „Schwarzen Flecken“ einen „echten Glasfaseranschluss“ zur Verfügung zu stellen – über DOCSIS 3.1, das bei einem HFC-Netz wie dem vorhandenen Gigabit-Geschwindigkeiten ermöglicht.
Da müsse die Politik ran, meinte Landrat Wolf-Rüdiger Michel. Denn bei einer Förderung wäre das Interesse an einem Ausbau größer.
Sonja Rajsp-Lauer (Grüne) sprach das Problem der „Drückerkolonnen“ der Netzbetreiber an. Stefan Wiest erklärte, dass Telekommunikationsunternehmen ihren Vertrieb meist ausgelagert hätten. Und die dafür eingesetzten Mitarbeiter würden auf Provision arbeiten. Der Landkreis habe das Vorgehen– einige Bürger hatten sich überrumpelt oder gar belästigt gefühlt – mehrfach angemahnt bei der Telekom. Die habe daraufhin gehandelt und unter anderem manche Personen vom Vertrieb ausgeschlossen.
Das Gebiet der Telekommunikationsverträge bleibe umkämpft, aber künftig werde da sicherlich mit mehr Sensibilität herangegangen, gab Wiest seiner Hoffnung Ausdruck.
Die ersten Projekte
Das erste Projekt,
der kreisweite FFTC-Ausbau mit rund 24 300 Adresspunkten, erfolgte von 2016 bis 2018. Dabei wird das Glasfaserkabel bis zum Verteilerkasten gelegt. Von dort werden die Daten über Kupferkabel bis zum Endkunden weitergeleitet. Bei einer Wirtschaftlichkeitslücke (Differenz zwischen den Kosten für den Aufbau des Netzes und den Einnahmen für den Netzbetreiber) von rund 11,9 Millionen Euro gab es rund 5,9 Millionen Euro Bundesförderung und 2,7 Millionen Landesförderung, so dass ein Eigenanteil von 3,6 Millionen Euro beim Landkreis blieb.
Das zweite Projekt
wurde von 2018 bis 2020 umgesetzt und betraf den FFTB-Ausbau (Glasfaserleitung reicht bis ins Gebäude) an 69 Adresspunkten, den Schulen im Kreis. Rund 1,5 Millionen waren dafür zu finanzieren.