Nermin Culum zeigt sich direkt nach seiner Freilassung mit Pool und Luxussportwagen – mutmaßlich in Bosnien-Herzegowina. Foto: Instagram

Ermittlungen laufen, die Vorwürfe sind schwer – doch Nermin Culum ist frei. In sozialen Netzwerken präsentiert er sich bereits wieder im Luxus.

Die Bilder scheinen aus Zeiten zu sein, in denen sich die Culum-Brüder und ihre Anhängerschaft sicher fühlten vor den Ermittlungsbehörden – protzend und mit geschwellter Brust in Sportwagen und Luxusvilla. Doch die Aufnahmen in den sozialen Netzwerken, die Nermin Culum zeigen, sind offenbar aktuell. Denn der Boki-Bruder ist in Bosnien-Herzegowina auf freien Fuß gesetzt worden.

 

Das bestätigt der dortige Gerichtshof in Sarajevo auf Anfrage unserer Redaktion. Im Verfahren gegen Armin Culum habe man auf Antrag der Staatsanwaltschaft den früheren Beschluss zur Anordnung der Untersuchungshaft gegen den Beschuldigten Nermin Culum aufgehoben. „Demnach wurde der Beschuldigte am 30. April 2026 aus der Untersuchungshaft entlassen“, heißt es von einem Sprecher.

Und das nur knapp einen Monat, nachdem die Schweiz ihn an den Balkan-Staat ausgeliefert hatte, um die Verfahren gegen die Culum-Brüder „zusammenzuführen“. Die Übernahme eines Verfahrens durch einen Staat mit engerem Bezug zum Tatgeschehen sei ein etablierter Mechanismus der internationalen Strafverfolgung, hieß es dazu.

Der Gerichtshof von Bosnien-Herzegowina verhängt im Zusammenhang mit der Freilassung, wie auch bei seinem Bruder Boki und weiteren Beschuldigten, mehrere Auflagen. So dürfe Nermin Culum seinen Wohnort nicht verlassen, er dürfe nicht reisen und sich auch mit „bestimmten Personen“ nicht treffen. Der Südkurier hatte zuerst über das Ende der Untersuchungshaft berichtet.

Nermin Culum genießt seine Freiheit

Dass die Auflagen offenbar die Freiheit von Nermin Culum nur geringfügig beschränken, zeigen ebenjene Aufnahmen, die über Instagram verbreitet werden. Der neue Account, der augenscheinlich von der Führungsfigur der United Tribuns betrieben wird, strotzt nur so von Freiheitsgefühlen: der Sprung in den Pool vor einer schicken Villa und Autorennen in einem Ferrari auf mutmaßlich bosnischen Straßen.

Der Mann, der laut Ermittlungen gemeinsam mit Boki und weiteren Beschuldigten über Jahre hinweg Frauen in die Zwangsprostitution getrieben haben soll, um aus dem Geschäft mit dem Sex Einnahmen zu generieren, steigt dabei lächelnd in den roten Sportwagen und brettert los. Ein weiteres Video zeigt das herrschaftliche Anwesen, vor dem ebenfalls Luxuskarossen stehen. „Welcome Home, Brate“, werden die Videos kommentiert – „willkommen Zuhause, Bruder“. Und: „TFFT“ – die Abkürzung steht für „Tribuns Forever, Forever Tribuns“.

Wende im Verfahren gegen United Tribuns

Für die Opfer der mutmaßlichen Menschenhändler dürften diese Aufnahmen und die Freude über die Freilassung erschreckend sein. Überhaupt hat das Verfahren gegen die führenden Köpfe der United Tribuns mit dem Ende der Untersuchungshaft eine Wende genommen, die Beobachter so zwar befürchtet hatten, angesichts der massiven Vorwürfe internationaler Ermittlungsbehörden jedoch mehr als zweifelhaft erscheint.

Die Schweizer Strafverfolger hatten Nermin Culum mehr als dreieinhalb Jahre in Untersuchungshaft genommen und die bei den Ermittlungen gewonnenen Erkenntnisse dafür genutzt, auch Boki und seinen Sohn hinter Schloss und Riegel zu bringen. Darüber hinaus profitierte die Staatsanwaltschaft Konstanz von den Informationen und konnte Mitglieder der Bande, die das perverse Geschäftsmodell in der hiesigen Region umgesetzt hatten und einen schwunghaften Handel mit Rauschgift betrieben, auf die Anklagebank bringen.

Unklar, wann es zum Prozess kommt

Doch was bleibt von den umfangreichen Maßnahmen der Ermittlungsbehörden? Boki konnte die Untersuchungshaft bereits verlassen und sitzt ebenso wie weitere Mitstreiter in Bosnien-Herzegowina im Hausarrest. Ein Verbündeter mit Verbindungen nach Villingen-Schwenningen hat hingegen seinen dortigen Hausarrest verlassen und befindet sich derweil auf der Flucht.

Und nun darf auch Nermin Culum die Freiheit genießen. Wann der Bande der Prozess gemacht wird, steht hingegen in den Sternen. Die Staatsanwaltschaft spricht von einem langwierigen Verfahren – nähere Informationen könne man nicht mitteilen.