Er kann bis zu 50 Zentimeter lang werden: Europas größter Regenwurm, der „Lumbricus badensis“, lebt in den Bergen rund um Freiburg.
Ein lebendes Exemplar hat Nicole Schmalfuß, Leiterin des Freiburger Forstamts, zwar noch nicht zu Gesicht bekommen, ein Fabelwesen ist er jedoch auch nicht, der badische Riesenregenwurm Lumbricus badensis. Er ist in Höhenlagen wie auf dem Feldberg, am Belchen, wo es auch einen 2,3 Kilometer langen Regenwurm-Lehrpfad für Kinder gibt, und am Freiburger Hausberg Schauinsland zuhause.
Bis zu 50 Zentimeter und mehr kann so ein Wurm lang werden. Er ist damit der größte Regenwurm Europas. „Es gibt auch in den Pyrenäen große Regenwürmer“, betont Schmalfuß. „An den Schwarzwälder Wurmriesen kommen diese aber längentechnisch nicht heran.“
Der Wurm ist das, was man in der Biologie einen Endemiten nennt. Das heißt, er kommt nur in einem eng begrenzten Gebiet vor. Im Fall des badischen Riesenregenwurms ist dies das Bergland rund um Freiburg, wo andere Regenwürmer es in früheren Zeiten schwer hatten, weil die Böden so sauer und kalkarm sind. Lumbricus badensis hat sich dies in den vergangenen Jahrtausenden, seit er vermutlich durch späteiszeitliche Verschiebungen von Erdmassen in die Region gebracht und quasi vom Rest der Regenwurmwelt isoliert wurde, zunutze gemacht.
Wurm hat sich an die Umgebung angepasst
Er hat sich perfekt an die regionalen Bedingungen angepasst. In den hiesigen Böden hat er keine Konkurrenz. Seine Größe ermöglicht es ihm zudem, im Winter im Bergland bis zu zweieinhalb Meter tief ins Erdreich vorzudringen. Dort, wo es nicht so kalt ist wie näher an der Oberfläche, wo der Wurm im Winter erfrieren könnte.
„Von dem Wurm habe ich während meines Studiums Ende der 1990er-Jahre zum ersten Mal gehört“, erzählt Nicole Schmalfuß. Immerhin habe sie schon ein präpariertes Exemplar in einer Universitätssammlung gesehen. „Entdeckt wurde der Wurm übrigens schon Anfang des 20. Jahrhunderts“, erklärt Schmalfuß. Trotzdem bekommt man ihn eher selten zu Gesicht. „Unser Revierleiter Klaus Elchle hier im Freiburger Forstamt ist ein passionierter Naturfotograf und schon lange auf der Suche nach diesem Fotomotiv“, berichtet die Amtsleiterin. Bei seiner Jagd nach einem Bild von Lumbricus badensis sei Elchle bis heute jedoch nicht erfolgreich gewesen.
Für die Schwarzwaldhöhen ist die Anwesenheit des bis zu 50 Gramm schweren und rund 1,5 Zentimeter dicken Wurms eine gute Sache: Regenwürmer fressen und verstoffwechseln Pflanzenreste. Damit düngen sie den Waldboden und lockern ihn gleichzeitig auf. Das sei „ein wichtiger Job“, betont Schmalfuß. Amseln, die sonst gern mal einen kleinen Regenwurm verspeisen, machen eher einen Bogen um den badischen Wurmgiganten. „Bei einem 50 Zentimeter langen Wurm hätte eine Amsel schon Schwierigkeiten bei der Jagd. Füchse und Wildschweine fressen solche Würmer aber durchaus“, erklärt die Freiburger Expertin.
Vor allem während der Paarungszeit leben die Würmer gefährlich, da sie dann gezwungen sind, die Sicherheit ihrer unterirdischen Höhlen für die Fortpflanzung unter freiem Himmel zu verlassen. Schafft es der Wurm jedoch, seinen Fressfeinden aus dem Weg zu gehen, kann er bis zu 20 Jahre alt werden, haben Wissenschaftler herausgefunden.