Was ist aus dem mobilen Café auf dem Villinger Friedhof geworden, das vor ziemlich genau einem Jahr eröffnet wurde? Wir haben mit dem Initiator gesprochen.
Ende März 2025 startete in Villingen ein ungewöhnliches Projekt: das mobile Friedhofscafé. Es wurde von Rupert Kubon initiiert, der als Diakon in der römisch-katholischen Kirchengemeinde in Villingen tätig ist und früher Oberbürgermeister von Villingen-Schwenningen war. Was auf den ersten Blick gewagt und unkonventionell wirkt, schließlich gilt der Friedhof als Ort der Trauer, erweist sich jedoch als durchdachtes Konzept. Denn genau diese Trauer verbindet die Menschen, die hierherkommen, um ihrer verstorbenen Angehörigen oder Freunden zu gedenken.
Ziel des Projekts ist es also, „Menschen eine Möglichkeit zum Gespräch zu bieten“, sagt Kubon. Gemeinsam mit seinem Team ist er in der Regel von März bis Oktober an jedem ersten Freitag im Monat vor Ort, allerdings mit Vorbehalt, da das Angebot an Feiertagen nicht stattfindet. So wurde auch der nächste Termin am 1. Mai auf die darauffolgende Woche verschoben.
Der Besuch beim Friedhofscafé ist kostenlos, dennoch besteht die Möglichkeit, freiwillig eine kleine Spende zu leisten. In einer Zeit, die für die Betroffenen von Verlust und Einsamkeit geprägt ist, bietet das Café vor allem eines: ein offenes Ohr.
Über Trauer, Verlust und Einsamkeit reden
Nach einem Jahr sei die Resonanz vom Friedhofscafé durchweg positiv, berichtet Kubon: „Es gibt immer wieder Leute, die extra kommen, weil sie wissen, dass wir da sind.“ Wichtig zu erwähnen: Dabei besteht keinerlei Verpflichtung zum Gespräch. Wer sich mit anderen nicht austauschen möchte, kann einfach vorbeikommen, eine Tasse Kaffee oder Tee trinken und für sich bleiben.
Für alle, die gezielt den Austausch suchen, stehen Kubon und ein Team von Ehrenamtlichen bereit. „Alle im Team haben zu Beginn eine Fortbildung in Gesprächsführung gemacht“, erklärt der ehemalige OB. Pro Termin führt das Team schätzungsweise rund 20 Gespräche.
Inhaltlich kreisen diese meist um ähnliche Themen: Trauer, Verlust und das Gefühl, mit den eigenen Emotionen allein zu sein. Häufig suchen Angehörige, die sich nicht verabschieden konnten, etwa weil der Tod plötzlich eintrat, oder Menschen, die sich in ihrer Trauer isoliert fühlen das Gespräch. Das Team hilft den Betroffenen bei dem Umgang mit solchen Situationen, ähnlich wie in einem Trauergespräch. „Im Prinzip geht es darum, welche Perspektiven sich für mich als Trauernden eröffnen und was mir dabei helfen kann“, so Kubon.